19.1.2019

Unterwegs.

Eine weiße Schneedecke, die sich über die Gärten des Belvedere, die Oper, die Burg, den Stephansdom und die Kärtner Straße legt…den Gefallen tut mir meine Lieblingsstadt leider nicht. Stattdessen liegt der Himmel grau und schwer über Wien. Es ist kalt.

Um 4.15h bin ich in Hamburg aufgestanden, um 9.30h stehe ich bereits an der Rezeption des weißen stuckverzierten Hotels, das nur einen Steinwurf von der Wiener Oper entfernt liegt. Das Zimmer, welches man für mich im siebten Stock reserviert habe, stehe erst zum regulären Check In um 15h bereit. Man könne mir aber ein Zimmer in der ersten Etage anbieten, das ich sofort beziehen könne. Ich fahre in den ersten Stock, packe kurz aus und mache mich auf den Weg zum Naschmarkt. Ein frühes Mittag mit Shakshuka, das Neni ist proppenvoll. Ich sitze am Tresen und schaue dem lebhaften Treiben zu.

Es ist schön, hier zu sein; ich mag es, Vertrautes wiederzusehen und gleichzeitig Neues zu entdecken. Ich mag es, ganz spontan zu entscheiden, was ich als nächstes machen möchte, ich liebe die Freiheit, einfach dem zu folgen, wozu ich gerade Lust habe.

Heute habe ich Lust auf einen Bummel durch die Kärtner Straße und die Geschäfte. Im Stephansdom zünde ich wieder zwei Kerzen an (eine für Dich, lieber Alex – für ein gesundes, langes Leben).

Im Café an der Oper gönne ich mir Topfenstrudel und ein Glas Sekt, bevor ich eine Ruhepause im Hotel einlege und mich für den Abend im Burgtheater zurechtmache.

Moderne trifft Klassik, und das gleich doppelt: das Ticket ist per App auf meinem Smartphone gelandet, meine Loge in der altehrwürdigen Burg hat ein eigenes Vorzimmer mit samtroter Couch, verschnörkeltem Spiegel und Garderobe.

Die klassische Tragödie Medea (nach Euripides, 431 v.Chr.) wird in die heutige Zeit verlegt und basiert auf einer realen Tragödie, die sich in den USA ereignete.

Anna ermordet ihre Kinder und zündet das Haus an, während der Ruß ganz sanft in das schneeweiße Bühnenbild rieselt.

Auf dem Platz gegenüber vorm Rathaus wird Schlittschuh gelaufen.

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14.1.2018

Unterwegs.

Die Entscheidung, ob es nach dem Frühstück in eine Ausstellung oder auf einen Spaziergang geht, fällt leicht. Schneesturm in Wien. Und ich trage mein Antarktisoutfit.

In der Gartenanlage des Belvedere kreuzen zwei, drei Jogger meinen Weg, sonst ist niemand unterwegs. Das Schneetreiben um mich herum lässt alles in Weissgrau-Töne versinken. Statuen mit nackten Busen säumen den Weg und erinnern mich an das Drama vom letzten Jahr.

Im Botanischen Garten sind die Gewächshäuser verwaist.

Winterwien.

13.1.2018

Unterwegs.

Abends liege ich mit meiner Bettdecke auf der breiten Fensterbank und schaue auf die Silhuette der Stadt. Die Gardine habe ich hinter mir zugezogen, das halbrunde Fenster des Hotelzimmers im fünften Stock hat einen alten weissen Holzrahmen. Vor mir der weite graue Himmel, der von noch dunkleren Wolken verhangen ist, das angestrahlte obere Belvedere, das weiss hinter der langen Parkanlage leuchet, schwarze Baumwipfel, Altbauten, hinter deren hellen Fenstern die Bewohner zu erahnen sind, die jetzt zu Abend essen oder putzen oder lachen und sich lieben.

Ich höre mein Herz klopfen, spüre meinen ruhigen Atem und die kalte Luft, die an die andere Seite des Fensters drückt. Ich mag die Dunkelheit, die sich wie eine Decke über Wien und mich gelegt hat, sie gibt Geborgenheit.

Eigentlich wollte ich mit der Tram nochmal durch die erleuchtete Stadt fahren, aber nach sieben Stunden Rumwandern im Regen kann ich mich doch nicht mehr aufraffen. Das macht nichts, die Sicht auf das nächtliche Wien von der Fensterbank ist wunderschön.

13.1.2018

Unterwegs.

Ich nehme das Salsianer Frühstück, sage ich. Aber statt Orangensaft, Semmel und Croissant ein Kornspitz und ein weiches Ei. Es käme wohl günstiger, wenn ich alles separat ordere, meint die Kellnerin im Steiner Café. Auch gut, dann machen wir es so.

Ob die Marmelade ok sei, sie deutet auf das kleine Plastikpäckchen. Heidelbeere. Suuuper, antworte ich und hoffe, dass ich jetzt nicht mehr ganz so kompliziert erscheine.

Es ist 10.00h am Morgen, es noch nicht meine Zeit, jedenfalls nicht am Wochenende. Vertrödeln will ich den Tag aber auch nicht, ich bin ja nach Wien gereist.

Noch überlege ich, ob ich mich nach dem Kornspitz Richtung Naschmarkt, Stadtpark, römisches Viertel oder in die Kärntner Strasse aufmache.

Ich werde mich einfach treiben lassen. Ganz unkompliziert.

26.08.2017

Unterwegs.

Die blonde Frau am Nebentisch grüsst zu mir ‚rüber und lacht. Ich grüsse zurück und bin irritiert, genauso wie es offensichtlich auch ihre männliche Begleitung ist. Ich kenne die Frau nicht.
Und zumindest der Mann scheint mich auch nicht zu kennen.
Wir waren doch vorhin zusammen im Flieger, raunt sie ihm zu.

Es ist kurz vor 10 Uhr, die Sonne scheint, ich schaue von der Rooftopbar des Steffls über die Dächer von Wien. Ich trinke ein Glas Sekt, dazu einen Milchkaffee, und es gibt frisch gebackenes Vollkornbrot mit Quark, Hummus und Gemüsesticks. Ein Kompromiss zwischen gesund und gönn-dir-was.

Im Stephansdom zünde ich zwei Kerzen an, eine für meinen Wiener Mitkämpfer A., der gerade in Kroatien weilt und eine für mich. Ich wünsche uns Gesundheit und ein langes Leben. Eine Weile beobachte ich die Kerzen, ich möchte nicht, dass sie erlöschen, das wäre ein schlechtes Omen. Die Kerzen brennen selbstsicher vor sich hin, ich bin beruhigt und gehe hinunter zur Donau.

Es wird ein heisser
Tag werden, der Weg am Fluss neben der Bahntrasse stinkt. Statt einer Donaufahrt besuche ich das Museum der Illusionen. Verlassen tu ich es später in schwindeligem Zustand; an einigen Objekten hängen Warnungen, dass man diese nur im gesunden Zustand testen solle und nicht, wenn man z.B. gerade operiert wurde. Ich teste natürlich alles, auch wenn ich aus einem Raum an der Wand entlangtastend herausstolpere.

Endlich schaffe ich es, auch mal die Nationalbibliothek zu besichtigen, der Prunksaal ist atemberaubend schön, bis unter die Decken lagern wertvolle alte Schriften.

Danach ein frischgepresster Smoothie mit Ingwer, an der Hofreitschule vorbei und weiter ins Untere Belvedere, noch mehr Prunkräume, noch mehr Gemälde und draussen noch mehr Hitze. Auf dem Weg durch den Park ins Obere Belvedere macht mein Hamburger Nieselwetter-Kreislauf schlapp, mittlerweile sind hier 34 Grad, ich setze mich auf eine Bank und ruhe mich aus, bevor ich ins Hotel aufbreche.

Erst bei Anbruch der Dunkelheit wage ich mich wieder vor die Tür, mit 28 Grad kann ich besser umgehen. Ich fahre mit der Strassenbahn und lasse mich treiben, der Weg ist das Ziel. Am Burgtheater beschliesse ich auszusteigen, am Rathaus läuft ein Filmfestival, ich schlendere durch die Stände und hole mir Süsskartoffelpommes mit Wasabi-Mayo. Zu spät fällt mir auf, dass die nicht unter gesunde Ernährung fallen, genauso wenig wie der Sekt und der Apfelstrudel vom Nachmittag. Dafür hast du dir heute schon viermal die Zähne geputzt, sage ich zu mir selbst. Das hat zwar so gar nichts damit zu tun, was ich heute gegessen habe, aber ich kann es ja mal erwähnen. Es ist Urlaub, sage ich mir und gebe Ruhe.

15.08.2017

Unterwegs.

 

„Verabschieden?“
„Samstag in einer Woche. José hat die Flugscheine gekauft.“

Truman Capote „Frühstück bei Tiffany“

Habe mir spontan einen Flugschein gekauft. Und ein Hotel gebucht. Samstag in einer Woche gönne ich mir ein Sektfrühstück in Wien.

Nachdem ich mir heute einen Termin bei meinem Hausarzt geben lassen will, weil mir seit einigen Tagen die linke Kniekehle weh tut, kann ich gleich in der Praxis bleiben. Ich komme sofort dran, wie die letzten Male auch, ohne Termin und ohne Warterei. Entwarnung, keine Thrombose, und auch eine Metastase könne es nicht sein. Bei körperlichen Gebrechen denke ich in worst case Szenarien. Vielleicht bin ich gerade etwas übersensibilisiert, aber eine kurze Abklärung kann nicht schaden, im Gegenteil, ich solle bloß immer sofort kommen, wenn was sei, sagt mein Arzt.

Da nix ist, jedenfalls nichts, was mich vom Reisen abhalten könnte, kann es weitergehen mit der Umsetzung meiner Bucket-List. Nach Berlin folgt nächstes Wochenende Wien.