16.06.2019

In vino veritas.

Nachdem ich nun in meinem Ernährungsbuch auf die positiven Effekte des Rotweins gestoßen bin und mir gestern und heute Abend ein Gläschen gegönnt habe, stoße ich auf ein ganzes Kapitel, das Alkohol thematisiert. Grundsätzlich: Alkohol ist zu vermeiden. Rotwein ist erwiesenermaßen die Ausnahme: dank des hohen Resveratrol-Gehaltes und anderer sekundärer Pflanzenstoffe (u.a. Anthocyanidine, Proanthocyanidine, Flavonole, Phenolsäuren) sinkt das Krebsrisiko bei maßvollem Genuss (das bedeutet nicht mehr als ein kleines Glas für Frauen am Tag, am besten sei Pinot Noir aus Burgund).
ABER: bei Brustkrebs wird es schwierig (die chemischen Erläuterungen lasse ich weg, die sind mir auch zu kompliziert). Mehr als ein 0,1l-Glas darf es nicht sein, sonst steigt das Brustkrebsrisiko lt Statistik nämlich an!
Da ich eigentlich eh nicht gerne Rotwein trinke und ihn nur gekauft habe, da er als gesund deklariert wurde, werde ich in Zukunft nur ab und an mal ein Gläschen trinken.
Die kleine Flasche ist nun ohnehin getrunken, die nächsten Tage schwenke ich wieder auf Zitronen-, Ingwer- und Minzwasser um.

Nachdem ich heute nicht nur beim Schwimmen war und abends noch spontan aufs Dach zum Taiji-Praktizieren gegangen bin, habe ich mich für nächstes Wochenende zum Stand Up Paddling auf der Alster verabredet. Da bin ich mal gespannt. Gemacht habe ich das noch nie. Zumindest kann ich mich im Ernstfall eine Stunde schwimmend über Wasser halten.

Foto: Das war erstmal das letzte Glas Rotwein.

Werbeanzeigen

15.06.2019

Unterwegs.

Wenn ich zusammenzucke, weil mir jemand im Aussenbecken von hinten an die Schulter fasst und ich in J.s lachendes Gesicht schaue, meinem Meditationsgefährten. Wir umarmen uns, plaudern, dann taucht er rüber auf die Kampfschwimmerseite.

Wenn ich mich ins Gras setzte, da mir schwindelig wird und den Jungs (heute sind es nur Jungs!) bei der Stehenden Säule und den Seidenübungen zuschaue. Später wechsele ich mit P. auf die andere Seite des Gartens, zwischen Gänseblümchen und Apfelbäumen erklärt er mir die Feinheiten des zweiten Fauststoßes der 19er-Form, bei der ich seit Neuestem ins Stocken gerate.

Wenn ich den Mittwochabend mit einem Freund auf einem kleinen schaukeligen Party-Schiff auf der Elbe verbringe, während Andreas Dorau mit seinen Musikern live auftritt. Heute ist Record Release Party. Ich trinke ein (alkoholfreies) Bier, während wir an Kränen, Docks und Containerschiffen vorbeishippern.

Wenn ich mir einen Instagram-Account anlege (der Feind in mir) und mir dafür eine Themenwoche überlege (Montag: Achtsamkeit, Dienstag: Ernährung, Donnerstag: Throwback Thursday, Sonntag: Fitness).
Donnerstag ist in der Community #krebsfreidonnerstag. Da ich jeden Tag krebsfrei bin, werde ich antizyklisch und ganz klassisch mit #tbt aufwarten und die Anfänge meiner Krebs-Geschichte dokumentieren.

Wenn die Physiotherapeutin, die heute im Gym Aufsicht führt, sich freut, mich wiederzusehen, und wir uns während meiner gesamten Geräterunde nett unterhalten.

Wenn ich die vielen Fahrräder vorm Schwimmbad sehe und G. mir bereits in der Umkleide entgegenkommt; zu voll sei es, sie sei extra früh zum Schwimmen gekommen und jetzt auf dem Heimweg.
Wenn ich Walross 2 im Innenbecken schwimmen sehe und weiß, dass es dann wirklich voll sein muss.
Wenn Walross 1 draussen unter der Wasseroberfläche schwimmt, die Kinder planschen und Mütter im Wasser herumstehen und ich beschliesse, es mit Kurt Tucholsky zu nehmen: Entspanne dich. Lass das Steuer los. Trudle durch die Welt. Sie ist so schön.
Wenn ich entspanne und durch’s Wasser gleite und mich einfach darüber freue, hier zu sein.

Wenn ich mir 6 Kilogramm unbehandelte Zitronen in Spanien direkt beim Farmer bestelle und überlege, was ich damit anstelle: Zitronenmarmelade, Zitronen-Tarte, Zitroneneis, Zitronenwasser…ich bin gespannt auf die Lieferung!

Wenn ich zum wiederholten Male feststelle, dass ich auf meinen wöchentlichen Schokoriegel verzichten kann und ganz bewusst durch die Süßigkeitenecke im Supermarkt gehe und mir ausdrücklich etwas erlaube. Ich möchte aber keinen Schokoriegel. Ich nehme ein Päckchen Cashewnüsse (gesalzen) mit. Das ist das Ungesündeste in meinem Einkaufswagen.

Wenn ich das erste Mal seit 12 Monaten Alkohol für zuhause kaufe (eine 0,25l-Flasche Rotwein), weil Rotwein ausdrücklich in meinem Krebs-Ernährungsbuch als gutes Nahrungsmittel (hoher Resveratrol-Gehalt) erwähnt wird.

Wenn ich automatisch meinen Hass-Liebe Kreuzblütler Brokkoli in den Einkaufswagen lege. Wenn man den in die Gemüsepfanne schmuggelt und einen Haufen Kurkuma, Pfeffer und scharfes Chili drüberwirft, fällt er nicht weiter auf.

Wenn ich meine Schwimmtasche für Sonntag packe.

Wenn ich das erste Mal einen Blogbeitrag mit einem Glas Rotwein in der Hand schreibe.

Montag: Schwimmen ✔️
Dienstag: Taiji ✔️
Donnerstag: Gym ✔️
Freitag: Schwimmen ✔️
Sonntag: Schwimmen (geplant) ✔️

03.06.2019

Gesund bleiben.

Ich stehe in der Schlange beim Bäcker, es ist 7.30h, ich überlege, ob ich zum Milchkaffee ein Franzbrötchen oder ein Weizenbrötchen mit Salami möchte, ich mag beides ausgesprochen gern. Mein täglicher Start in die Woche, wenn es zur Arbeit geht. Mittags mit Kollegen in die Kantine nebenan, zum Vietnamesen, Chinesen, Italiener, Burger, Döner, Würstchenstand, oder auch mal einen Salat. Zwischendurch etwas Süßes, am liebsten Schokolade oder etwas Obst.

Mein Leben hat sich geändert. Meine Ernährungsgewohnheiten auch. Geblieben ist der Salat und ab und an der Besuch beim Vietnamesen. Die anderen Komponenten sind entfallen, genauso wie die Kollegen, mit denen ich früher in die Mittagspause gegangen bin.

Abends bereite ich meine Snackbox für den kommenden Arbeitstag vor. Das habe ich mir bei einem anderen blog abgeguckt, wo eine Mutter ganz wunderbare Snackboxes für ihre beiden Kinder vorbereitet. Meine sind ähnlich, wenn auch mein Gemüse keine lustigen Augen angesteckt bekommt und das Obst nicht so hübsch ausgestochen wird. Also eher die Edition für Erwachsene.

Es bereitet mir unheimlich viel Spaß, die Snackboxes zu kreieren, und noch mehr Spaß bereitet es mir, diese im Büro auszupacken und alles aufzuessen.

Zum Frühstück gibt es meist griechischen Joghurt (10% Fett) mit frischen Früchten, Haferflocken, Leinsamen, Kürbiskernen, Mandeln, Haselnüssen, Rosinen…ich bastel mir jeden Tag etwas anderes.

Mittags freue ich mich auf meinen Salat mit Leinöl, auch hier variiere ich, je nachdem, was ich gerade eingekauft habe. Dazu ein Dinkel- oder Vollkornbrötchen, für zwischendurch Wurzeln, einen Apfel, Zartbitterschokolade, Nüsse oder einen selbstgebackenen Müsliriegel (zuckerfrei).

Manchmal gibt es auch nur eine Frühstücksbox, da ich mittags zum Afghanen oder Vietnamesen gehe, wo es leckere vegane Gerichte oder auch Hühnchen-Currys gibt. Und freitags ist eh mein kurzer Arbeitstag, an dem ich mittags zum Schwimmen gehe. Da gibt es grundsätzlich das Haferflockenfrühstück.

Ist das Ganze jetzt zeitaufwendiger? Ich denke nicht; ich spare die Zeit, die ich morgens beim Bäcker angestanden habe.
Ist das Ganze jetzt teurer? Ich denke, auch das nicht; spare ich doch einiges an Kosten beim Bäcker und mittags bei den ausserhäusigen Mittagessen ein.
Ist das Ganze jetzt besser? Auf jeden Fall! Es ist Teil dessen, was ich tun kann, um gesund zu bleiben.

Nachtrag:
Und manchmal esse ich auch ein Stück Kuchen oder trinke einen „richtigen“ Milchkaffee oder gönne mir ein Eis, zusammen mit meinen Kollegen.

 

02.06.2019

Fitnessübersicht

Mo: Taiji Class ✔️

Di: Stretching/Taiji at home ✔️

Mi: Taiji Class ✔️

Do: Schwimmen ✔️

Fr: Schwimmen ✔️

Sa: Tubes/Taiji at home ✔️

So: Schwimmen ✔️

Am Sonntag war das öffentliche Bad so voll (kein Wunder bei 30 Grad Sonnenschein), dass ich a) keine Liege auf der Grünfläche bekommen habe und b) zum Schwimmen auf die Schnellschwimmerbahn ausweichen musste. Diese wiederum wichen auf die 50m-Bahnen aus (unbeheizt, ca. 17 Grad); aber Kampfschwimmer sind ja hart im Nehmen.

Zuhause mein selbstgemachtes Schokoladen- und Zitroneneis (zuckerfrei) getestet und für sehr lecker befunden. Von den fünf kreierten Milchschnitten ist nur noch eine übrig. Dafür habe ich noch circa 20 selbstgemachte Müsliriegel.

01.06.2019

Zuhause.

Es ist eine gute Idee, das Frühstück ausfallen zu lassen, wenn man nicht hungrig ist und die Tage zuvor (zu)viel gegessen hat.
Es ist keine gute Idee, das Frühstück ausfallen  zu lassen, wenn einen der Weg zum samstäglichen Einkaufen führt und man dann in den Gängen zwischen Chips und Süßigkeiten hungrig wird.
Ich gehe zurück in den Bereich der Brote und Brötchen und packe mir ein Kürbiskernbrötchen ein, für „auf die Hand“, wenn ich die Kasse passiert habe. Also ungefähr so, wie Eltern das mit Kleinkindern machen, die ebenfalls beim Einkaufen hungrig werden.

Ich schaue auf den Einkaufszettel, vergleiche mit dem, was in meinem Einkaufswagen liegt, es deckt sich, so soll es sein: Tomaten, Ingwer, Gurke, Salat, Avocado, Brokkoli (der Kreuzblütler ist wieder dabei!)  Birne, Trauben, Erdbeeren, Nektarinen, Himbeeren, noch mehr Himbeeren, Vanilleschote, Zimt, Vollkornbrot, veganer Brotaufstrich, Butter, Kakao, etwas Käse, Backpulver, Hafermilch, Kokosmehl; ich stelle fest, dass ich das Geschäft verlasse, ohne einen Schokoriegel gekauft zu haben. Schon gestern nach dem Schwimmen hätte er mir zugestanden, aber auch da hatte ich gar keine besondere Lust auf den Riegel.
Ausserdem stelle ich fest, dass sich mein Einkauf mit vielen Lebensmitteln, die in meinem Ernährungsbuch auf der guten Seite stehen, deckt, und das war nicht geplant.

Der Samstag ist mein Trödeltag, da kann ich machen, was ich möchte. Kein Sportprogramm steht auf dem Plan, aufgeräumt, gewaschen und geputzt habe ich gestern nach der Arbeit und dem Schwimmen und vor dem Besuch des japanischen Kirschblütenfeuerwerks an der Alster mit Freunden, heute verbringe ich den Tag  überraschenderweise in der Küche.

Ich beschliesse, selbst Milchschnitten herzustellen. Und Schokoladen- und Zitroneneis. Schnell ist alles eingesaut, Kakaopulver und Kokosmehl  sind gleichmässig und überall verstreut, Zitronensaft pappt überall, das Agar Agar geliert schneller als gedacht und will den Topf nicht mehr verlassen, dafür kann ich die erste Fuhre der Cremefüllung in die Tonne treten, da verflockt, zum Glück habe ich aber nur die Hälfte der angegebenen Mengen des Rezeptes vorbereitet und habe noch genügend übrig, um die Creme noch mal ordentlich herzustellen.

Mittlerweile ist mir heiß, eigentlich würde ich jetzt lieber beim Schwimmen sein oder auf dem Dach Taiji-Übungen machen, nun stehe ich allerdings im Chaos, das wieder beseitigt werden möchte.
Ich beschliesse, heute nicht auch noch den Spargel und die Kartoffeln zu kochen sondern schlicht einen Rohkostteller vorzubereiten. Ein drittes Mal Abwaschen habe ich keine Lust. Und vielleicht gehe ich heute Abend doch noch auf’s Dach und mache Übungen für die Hüftbeuger und nehme die Stehende Säule zur Entspannung ein. Ich darf am Trödeltag machen, was ich möchte, auch wenn es Sport ist.

Fazit, Stand: 18.40h: nebst einer mehrmals eingesauten Küche habe ich jetzt vier Zitronen- und zwei Schokoladeneis am Stil im Gefrier- und fünf drei Milchschnitten im Kühlschrank. Und noch immer nix über Kreuzblütler geschrieben.

30.05.2019

Unterwegs.

Mir ist heiß. Der Sitznachbar zu meiner Rechten zieht sein Jackett an. Ich rolle die Ärmel meiner dünnen Bluse hoch, tupfe mir mit dem Taschentuch über das Gesicht und ärgere mich, dass ich keinen Fächer mitgenommen habe.

Ich sitze in der ersten Reihe (Pressekarte) der ausverkauften Elbphilharmonie, interessanterweise in der rückseitigen ersten Reihe. Der Dirigent steht ein paar Meter von mir entfernt, ich sehe sein Gesicht, seine Emotionen, das akzentuierte Führen seines Orchesters.

Direkt in der Reihe vor mir sitzen die Harfen und die Trommeln, ich kann die Noten mitlesen (wenn ich denn Noten lesen könnte).

Nach einer kurzen ersten Halbzeit mit dem Oboisten Albrecht Mayer, der mit den Bamberger Symphonikern Elgar und Strauss spielt, gönne ich mir in der Pause ein Glas Rotwein.
Ich mag eigentlich Rotwein nicht so gerne, allerdings wird er mehrmals in meinem Krebs-Ernährungsbuch sehr positiv erwähnt (hoher Resveratrol-Gehalt, sprich krebshemmende sekundäre Pflanzenstoffe), sodaß ich beschlossen habe, wenn ich zu Events gehe, mal ein Glas Rotwein zu trinken.

Nach der Pause ist es im Saal immer noch heiß. Meine Sitznachbarn links und rechts von mir tragen weiterhin hartnäckig ihre Jacketts. Der Sitznachbar zu meiner Rechten weist mich darauf hin, dass der glatzköpfige Trompeter, der fast in Greifweite vor uns sitzt, Falten auf der Glatze hätte, als habe er eine gekräuselte Stirn, aber eben auf dem Hinterkopf. Sobald er allerdings Trompete spiele, würden die Falten weg und der Hinterkopf glatt sein. Da werde ich mal darauf achten, sage ich. Und ob ihm eigentlich gar nicht heiß sei, so im Jackett? Doch sei ihm, antwortet er. Und behält sein Jackett an.

Wir hören Bedrich Smetanas mit Abstand bekanntestes Orchesterwerk: Mein Vaterland. Ein Heimspiel für den tschechischen Chefdirigenten Jakub Hrusa, der  mit den Bamberger Symphonikern brilliant durch die sechs sinfonischen Dichtungen führt; die leisen Töne wechseln sich mit dem mitreißenden Fliessen der Moldau ab, die eine wunderbare Synergie mit dem wellenförmig angelegten Saal eingeht, ich kneife die Augen etwas zusammen und stelle mir vor, wie die Balkone anfangen sich zu bewegen, ganz leicht, wie Wellen, wie Wasser, wie die Moldau, und ich denke, wie schön es ist, jetzt hier zu sein und der Musik zu lauschen. Wieder mal fühle ich tiefe Dankbarkeit.

Wir nicken uns zu, der Sitznachbar zu meiner Rechten und ich; er hat Recht, der Trompeter hat während des Spielens einen ganz glatten Hinterkopf bekommen, wahrscheinlich entspannt ihn das Musizieren.

Wir drehen uns ausserdem unwirsch nach hinten um, wo sich zwei Damen anfangen zu unterhalten (merke: in Klassikkonzerten unterhält man sich nicht, es sei denn, der Sitznachbar hat einen Hitzschlag erlitten, was hier allerdings in der Elbphilharmonie durchaus realistisch ist).

Ausserdem ist die Akustik sehr gut; bei der nächsten ruhigen Passage öffnet eine Frau den Reissverschluss ihrer Handtasche und fördert ein cellophaniertes Bonbon zutage, das ausgewickelt werden möchte (merke: in Klassikkonzerten steckt man sich nach der Pause, bevor es weitergeht, das Bonbon in den Mund, wenn man denn eins essen möchte). Ich werfe einen bösen Blick durch den Saal nach rechts hinüber, die Schuldige ist dank der guten Akustik sofort auszumachen.

Ein wunderbares Konzert, mit Rotwein (für mich) und Bonbons (für Andere) und immer noch nix über Kreuzblütler referiert.

05.05.2019

Zuhause.

Zehn große Tüten Chips zähle ich auf dem Band an der Kasse, dazu legt der Mann – etwas Abwechslung muß sein – noch Fertigfrikadellen und ein Currywurstgericht. Von diesem Mann trennt mich nicht nur der Warentrenner, denke ich und lege den griechischen Joghurt und die Mango auf’s Band. Mangos gibt es nicht auf dem Biowochenmarkt, auf dem ich am Samstag meinen Großeinkauf tätige.

Chips esse ich eigentlich gern, zählen aber bei mir zu den Todsünden (krebserregend) und werden entsprechend nicht gekauft. Das kritische Nachfragen bei einem Hersteller, der seine gesunden Linsenchips angepriesen hat, ergab, dass auch diese frittiert und somit auch nicht besser sind als die herkömmliche Kartoffelvariante.

Ich beschliesse, in Eigenproduktion zu gehen und finde ein Rezept (welchem ich natürlich nicht folge), in dem man Chips aus roten Linsen herstellt.
Klingt gut, schmeckt ok, mehr allerdings auch nicht (note to myself: Dir fehlten ja auch  Zutaten).
Ich kaufe weitere Zutaten ein, wähle ein anderes Rezept (dem ich auch wieder nicht folge) und gehe in die zweite Produktionsrunde.
Riecht jedenfalls nach Chips, denke ich, was auch kein Wunder ist, habe ich doch großzügig meine Gewürze aus Israel – verschiedene Chilisorten, Pfeffer und Kurkuma – mit verarbeitet, was auch farblich sehr ansprechend ausschaut. Dazu noch frische Zwiebeln, Knoblauch, Tomatenmark, etwas Weinessig und die roten Linsen, die ich vorher erst in Wasser habe quellen lassen, um sie danach noch in einer Gemüsebrühe zu köcheln; zumindest die Zutaten sind alle auf der guten Liste, was Krebsernährung angeht.
Ofenphase 1 läuft. Ich bin gespannt. Die Chips sind weich. Geschmacklich aber nicht schlecht.
Ofenphase 2 läuft. Ich sitze vorm Ofen und schaue zu, ob sich etwas tut. Dabei esse ich Nüsse aus meiner Nusssammlung, die mittlerweile ein ganzes Regal im Schrank füllen. Nüsse sind immer gut. Und schmecken. (note to myself: wenn Du jetzt die Nüsse isst, brauchste auch keine Chips mehr).
Man kann das essen, es schmeckt auch etwas nach Chips, zumindest nach Chili aber die Konsistenz ist katastrophal. Fail, denke ich. Absolute fail.

Dafür war die erste selbstgemachte rote Rhabarber-Erdbeergrütze ein kulinarischer Erfolg. Und die Sportwoche sowieso.

Montag: Taiji-Class ✔️
Dienstag: Taiji-Class ✔️
Mittwoch: Schwimmen ✔️ Taiji at home ✔️
Donnerstag: Gym ✔️
Freitag: Schwimmen ✔️
Sonntag: Alsterwanderung ✔️

Fail 1

Fail 2

Dessert kann ich aber gut.

404219eb-4c35-478d-a3fb-24155952e7fd
mein normaler Einkauf  (sieht doch fast aus wie in den Ernährungsbüchern)

14.04.2019

Unterwegs.

Links von mir liegt der weiße Altbau, ich biege ab und gehe hinein. Nicht nach vorn gucken, mahne ich mich; dort lauern schlechte Erinnerungen. Im Erdgeschoss ist der Eingang zur Praxis des Frauenarztes, der mir vor zwei Jahren eine Überweisung mit den Worten „Verdacht auf Mammakarzinom“ in die Hand gedrückt (ohne das vorher im Gespräch zu thematisieren) und mir dann gleich noch eine Adresse für den falschen Radiologen mitgegeben hat („wir machen seid Jahren keine Mammographien mehr“ sagt die med. Assistenz, als ich eine Woche später zum Termin erscheine. Momente, die ich nie vergessen werde).

Heute muß ich in den zweiten Stock, dort sitzt die Hautärztin, bei der ich auch vor zwei Jahren einen Termin zur Krebsvorsorge hatte und den ich fast abgesagt hätte, da ich in dem Moment nicht davon ausging, dass ich den noch brauche (ich war im Katastrophenmodus).  Im Nachhinein war es gut, dass ich hingegangen bin, da es eine sehr emphatische und eloquente Ärztin ist, die sich auf De-Eskalation versteht und das Thema Brustkrebs mit mir durchgesprochen hat.

Gut sehen Sie aus, sagt sie heute zu mir und schaut mich an. Sie korrigiert sich. Sie sehen sehr gut aus. Ich freue mich, sie möchte wissen, was seit dem letzten Besuch alles so passiert ist. Ich fange an zu erzählen. Von dem Leben im Jetzt. Von den Reisen. Von Sport und Meditation. Von gesunder Ernährung. Von der Wertschätzung jedes Tages. Davon, daß ich gesund bin. Davon, daß ich das Drama als positives Ereignis sehen kann und mein Leben viel bewusster lebe.

Morgens fahre sie immer mit dem Fahrrad zur Arbeit, an der Alster längs, erzählt sie mir. Und heute habe ein kleiner Laster mitten auf der Straße gehalten. Das habe sie gewundert. Den Fahrer habe sie dann am Alsterufer ausgemacht. Er machte Fotos. Weil es ein so wunderschöner Sonnenaufgang war.
Wir sind auf einer Wellenlänge und tauschen uns weiter aus, dazwischen prüft sie akribisch die Muttermale, Arme hoch, Fußsohlen zeigen, alles ist gut. Ich setze mich wieder hin, unser Gespräch ist noch nicht zu Ende.
Als ich die Praxis verlasse, schaue ich auf die Uhr. 30 Minuten hat unsere Unterhaltung gedauert, abends um 18.30h, und ich war nicht die letzte Patientin. Aber eine fröhliche (das steht jetzt auch bei ihr im PC).

Außerdem werde ich wieder vierteljährliche Brustkrebs-Nachsorgetermine haben, so wie es im Leitlinienprogamm Onkologie zu finden ist. Einerseits gefällt es mir, dass die Ärzte glauben, dass ich gesund bleibe (das glaube ich selbst auch) – aber da ich bis heute ratlos bin, wieso ich einen beidseitigen Brustkrebs und somit gleich zwei Tumore bekommen habe, möchte ich lieber auf Nummer Sicher gehen und die kürzeren Intervalle einhalten.

Seit Anfang April ist Taiji wieder im verwunschenen Garten des Psychologenhauses. Das Thermometer zeigt 5 Grad, wir kämpfen uns durch 90 Minuten an der sehr frischen Luft. Zum Glück habe ich meine Skiunterwäsche untergezogen. Dafür hat C. Handschuhe dabei.
Trotz der Kälte finden wir es schön, wieder draußen in unserem Garten zu trainieren.

Dienstag: Taiji ✔️
Mittwoch: Hometraining ✔️
Donnerstag: Gym ✔️
Freitag: Schwimmen ✔️
Samstag: Schwimmen ✔️
Sonntag: Taiji ✔️

15.1.2018

Unterwegs.

Und hier ist unsere sonnige Oase, sage ich. Wir stehen in Socken auf dem orangenen Teppich des Meditationsraumes, das Licht ist weich, die Heizung wärmt, an der Wand leuchtet die goldene Buddha-Figur.
R. hat sich über den Dauerregen beklagt, er und C. und ich sind klatschnass im Psychologenhaus eingetroffen. Den Regen finde ich auch schön, sage ich, und auch den Sturm, das Wetter ist so lebendig, jeden Tag neu und jeden Tag anders. Ich sehe das also von der positiven Seite, setze ich hinzu und schaue aus dem Fenster. Auf der gegenüberliegenden Seite trainieren Fussballer im Flutlicht, in dem der Regen tanzt, der Rasen leuchtet grün.

Nächste Woche sei er nicht da, sagt unser Lehrer, aber wir können trotzdem zum Meditieren kommen. C. und ich nicken uns zu, R. übergibt mir den Schlüsselbund, damit bin ich für den Meditationsraum am nächsten Dienstag verantwortlich. Und der andere Schlüssel sei für die Eingangstür, falls die abgeschlossen sein sollte. Die Eingangstür steht immer offen. Jeder kann ins Psychologenhaus spazieren, in die Gesprächsräume, die Küche, die Stube und in den verwunschenen Garten. Die Psychologen scheinen ein solides Grundvertrauen in die Menschen zu haben.
Dann könnte ich endlich mein Mobiliar herschaffen und hier einziehen, wo ich jetzt die Schlüssel zu meinem Lieblingshaus habe, sage ich.

Am Bahnhof erzähle ich C. von meinen selbstgemachten zuckerfreien Zitronen-Joghurt Gums und den Müsliriegeln, die erstaunlich lecker sind.
Am Bahnhof bleiben wir jeden Dienstag zwanzig Minuten stehen.
Am Bahnhof sprechen wir über ‚unser‘ Thema.
Wir machen das richtig, sagt C. und guckt mich erwartungsvoll an. Wir machen das richtig, bestätige ich ihr. Sie strahlt. Das höre sie immer so gern von mir, dass wir das richtig machen. Mit dem Sport. Mit der Meditation. Mit der gesunden Ernährung. Mit dem positiven Denken. Ein Restrisiko bleibt, meine ich. Aber auch die Gewissheit, sich niemals Vorwürfe machen zu müssen, denn wir tun alles, was wir tun können.
Wir machen das richtig.

Und dann wandere ich wieder zurück durch den Regen und den Sturm, durch die Lichter am Hafen und durch das Leben.

16.10.2018

Im Krankenhaus.

Das Handy klingelt. Am Telefon ist die Radiologin, bei der ich vor zehn Minuten in der Nuklearmedizin gewesen bin. Sie hätte bei meinem Hausarzt angerufen, dort habe man zwar meine Blutwerte, die ich auch vorhin dabei gehabt hätte, aber nicht die speziellen Blutwerte, die sie bräuchte. Kein Problem, sage ich, dann gehe ich zu meinem Hausarzt und lasse dort Blut abnehmen. Wenn ich noch nicht allzu weit weg sei, könne ich auch zurück ins Krankenhaus kommen, dann hätten wir das schon mal abgehakt.

Weit gekommen bin ich in der Tat nicht. Ich sitze im Café auf dem Krankenhausgelände in der Sonne. Das Café, in gesunden Grüntönen und hellem Holz gehalten, heißt „Healthy Kitchen“, was mich schon wieder ärgert, da es dort vorrangig Burger, Pizza und Weizenbrötchen mit Wurstaufschnitt gibt. Dabei wollte ich dort frühstücken, wenn ich aus der Nuklearmedizin wieder ‚raus bin. Jetzt bestelle ich nur einen Kaffee.

Dann geht es wieder zurück durch die ganzen Gänge und Treppenhäuser, dieses Krankenhaus ist riesig und korrespondiert nicht mit meinem nicht vorhandenen Orientierungssinn. Die Blutabnahme findet im Liegen statt, nachdem mich die Arzthelferin fragt, ob ich mit dem Blutabnehmen Probleme hätte. Wir könnten es mal so versuchen, antworte ich etwas zögerlich, sie winkt ab und holt eine Krankenbahre. Es wäre ihr heute schon ein Patient umgekippt, das würde ihr langen. Ich halte mich tapfer.

Da ich mit der Radiologin sehr schnell einig ob der preferierten Behandlungsmethode werde, wird nur ein Ultraschall gemacht und zwei vorstationäre und ein stationärer Termin  für den November festgelegt. Dann kann das Projekt „Schilddrüse“ endlich in Angriff genommen werden, nachdem es letztes Jahr in der Prioritätenfolge zurückgefallen ist.

Ich frage, ob die Radiojodtherapie in Kombination mit den ganzen Mammographien und der Strahlentherapie aus dem Vorjahr zu Problemen führen könnte – anders gefragt: wieviel Strahlen kann der Mensch ab? Das könne man leider so nicht pauschal beantworten – da es bei mir aber um Teilstrahlungen ginge, sehe sie diesbezüglich keine weiteren Probleme auf mich zukommen. Ich hätte zwar gedacht, dass man die Strahleneinheiten alle addieren und dann ins Verhältnis zu Alter/Größe/Gewicht/Geschlecht setzen könne, aber das kann man nicht.

Dann bringe ich die zwei Paranüsse zur Sprache, die ich täglich wegen des Selens esse. Die seien ja auch radioaktiv. Der Arzt im Mammazentrum hat beim Vortrag über Mikronährstoffe von denen abgeraten und stattdessen zu Tabletten geraten. Ein Freund, dem ich von den Paranüssen erzählt habe, sei allerdings nicht vom Hocker gekippt. Er ist Radiologe. Die Ärztin lacht, auch sie kippe jetzt nicht vom Hocker, die zwei Paranüsse könne ich weiterhin essen.

Da der stationäre Aufenthalt schon mal eine Woche dauern kann, die man sozusagen in sensorischer Deprivation verbringt (das Zimmer darf nicht verlassen werden, u.U. darf man später über die Station gehen), möchte ich wissen, ob es ein Trimmrad auf dem Zimmer gibt. Gibt es nicht. Keine Sportmöglichkeiten. Aber ich dürfte Terraband, Tube, Ball & Co. gern mitbringen.
Auch eigene Nahrung darf ich mitbringen, auch wenn es vorher noch ein Gespräch gebe, was der Patient essen mag. Da ich mittlerweile ein etwas schwierigerer Fall geworden bin, und meine bisherigen Krankenhaus- und Reha-Aufenthalte nicht mit meiner jetzigen Ernährung korrespondieren, werde ich Nüsse, frisches Obst und Gemüse einpacken. Sicher ist sicher.

Ich verlasse das Krankenhaus zum zweiten Mal und bin positiv überrascht, daß ich auch hier wieder an wirklich freundliche Ärzte und Assistenten geraten bin.

Nachtrag:
Der blog wird weiterhin vorrangig Fitness, Ernährung, Reisen und andere Bucket-List-Items zum Thema haben. Es werden keine weiteren Krankheiten in den Fokus rücken. Weil ich mich auf das Positive im Leben konzentriere.

4.6.2018

Beim Hausarzt.

Das erste Mal seit Jahren habe ich top Cholesterinwerte. Normalerweise liegen die immer viel zu hoch; nur aufgrund der Tatsache, dass alle anderen Blutwerte gut sind, war das nie ein Problem. Wie ich das gemacht hätte, möchte mein Hausarzt wissen. Ernährungsumstellung, antworte ich stolz und berichte, was ich seit einem Jahr esse und was nicht mehr. Er ist begeistert. Dann könnten wir das Thema zu-hohe-Cholesterinwerte abhaken. Im Gegenzug nehmen wir das Thema Vitamin D-Mangel auf, aber das hätten sehr viele Menschen, und die Tabletten wurden mir schon von der Orthopädin verschrieben. Er korrigiert die Dosis.

Das Belastungs-EKG zeigt auf, dass mein Herz fit ist – gut für Tibet! – mein Puls und mein erhöhter Blutdruck würden allerdings zu schnell ansteigen. Ob ich keinen Sport machen würde? Keinen Sport machen? Was für ein Affront! Ich bin fast empört und stelle fest, dass ich 5-6 Mal die Woche trainiere; zwar nicht für Olympia, aber moderat.

Mir wird ein Blutdruckmessgerät verschrieben, ich solle einen Monat drei Mal täglich messen und dann mit der Auswertung wiederkommen. Oder – noch besser – mein Arzt springt auf – was ich von einer 24-stündigen Überwachung halten würde, das Gerät würde automatisch alle 30 Minuten messen. Davon halte ich gar nichts, antworte ich, da mir Lymphknoten entfernt wurden und das zu Ödemen führen könne. Dann der andere Arm, meint mein Arzt, er lässt nicht locker. Ich erinnere ihn daran, dass ich beidseitig Brustkrebs hatte, und somit kein gesunder Arm für diese Aktion zur Verfügung stünde. Das versteht er, auch wenn ich das Gefühl habe, dass er das Drama Brustkrebs nur allzugern verdrängt. Schon vor 14 Tagen musste ich ihn darauf hinweisen, dass ich in der Tat regelmässig Medikamente einnehme, was eigentlich auch keine Neuigkeit für ihn sein dürfte. Aber es beruhigt ihn, dass ich regelmässig ins Krankenhaus zur Nachsorge gehe, in zwei Wochen ist der nächste Termin. Mich beruhigt das auch, da ich manchmal unsicher bin, auch wenn mein Verstand sagt, dass nichts sein dürfte.

Wir unterhalten uns noch etwas über gesunde Ernährung, dann wünscht er mir enthusiastisch eine gute Reise, ich gebe es auf zu sagen, dass wir uns wohl vorher nochmal sehen werden (Blutdruckaktionsmonat), aber heute war ein turbulenter Tag in der Praxis, das hat schon die medizinische Assistenz verlauten lassen.

In der Apotheke nebenan gebe ich mein Rezept ab; nach den T-Impfungen für Tibet (Tetanus-Typhus-Tollwut) kann das Projekt „vier Wochen Blutdruck-Überwachung“ demnächst starten.

2.5.2018

Unterwegs.

10 Dollar. Für eine Gurke und eine Tomate, sagt C. Ich lache. Sind die aus dem goldenen Garten der Shwedagon?, scherze ich.

Mein Kollege, der etwas länger in Myanmar bleibt, hat 10 Kilo Black Eyed Peas aus Zypern mitgebracht, die er mir heute Abend mit Tomate, Gurke und Zitrone anbietet. Das ist mal etwas anderes; zypriotische Spezialitäten habe ich noch nie in Myanmar gegessen. Die Bohnen hätte man hier auch besorgen können, sagt der Koch und schüttelt etwas ungläubig den Kopf. Ich werfe ein, dass ich einige Packungen an Walnüssen und Rosinen aus Deutschland mitgebracht habe – und Zartbitterschokolade. Nüsse seien ok, die seien hier teuer, so der Experte.

Ein wenig erinnert mich das Szenario an die Chinesen bei der Antarktis-Expedition, die in der Lounge ihre Reiskocher aufgebauten und auch ansonsten einiges an Lebensmitteln aus der Heimat mit auf die Reise genommen hatten.

Unser Vorgesetzter, den ich fast jeden Abend zum Dinner treffe, hat nichts dergleichen importiert, er hält sich an das, was auf der Karte steht: wir bestellen wieder unser Lieblingsgetränk, frischen Wassermelonensaft.

Der hat schon am Sonntag für einen Lacher gesorgt; kaum lässt er sein Glas am Pool aus den Augen, greift eine Krähe an und verschwindet mit der Melonendeko.

Discount, raune ich C. zu. Wir bekommen hier Discount. Vielleicht auch auf eine Gurke und eine Tomate.

14.2.2018

Unterwegs.

Ich gehe die Treppe des Rotklinkerhauses hoch und biege in den Gang mit den gelbgestrichenen Wänden ab. Rechts ist das Badezimmer, daneben der Aufenthaltsraum mit der Bücherwand, auf der anderen Seite liegen das Schwestern- und die Patientenzimmer. Hier habe ich vor knapp einem Jahr gelegen, sage ich zu C. und zeige auf eine Tür, hinter der jetzt drei andere Frauen liegen. Flashback. Wir gehen weiter durch eine Glastür und stehen kurze Zeit später im Konferenzraum des Krankenhauses.

C. aus meiner Meditationsrunde und ich besuchen heute einen Vortrag über Ernährung bei Brustkrebs. Dr. K., der bei mir die Stanzbiopsien vorgenommen hat und seine TCM-Kollegin erläutern in zwei Stunden, was gut ist und was nicht. Einer Meinung sind sie nicht immer, und auch meine Infos der Humangenetiker und der Reha-Ernährungsvorträge weichen in einigen Punkten ab. Trotzdem ist es sehr lehrreich, C. und ich nicken uns öfters bestätigend zu, denn wir stellen fest, dass wir gut aufgestellt sind. Auch die Wichtigkeit des regelmässigen Sports wird wieder mal erwähnt. Ich merke mir nicht die ganzen Begründungen, wieso was gesund ist oder auch nicht, und zum Teil hängt das auch davon ab, ob man es mit einem triple negativ Karzinom oder einem hormonrezeptorpositiven Tumor zu tun hat.

Ich notiere für mich als gut:

Birkenzucker/Xylit, Pure Encapsulation (Vitamin D), Sesam, Weizengras, Hummus, Tahini, Zwiebelschmalz, Weintrauben mit Kernen, Blaubeeren, Auberginen, Granatapfel mit Kernen, Maitake, Shitake-Pilze, Rosenkohl, Nüsse, Haferflocken, Chinoa, Amaranth, Kurkuma, Brokkoli, Brennesselextrakt, Mango, Ananas, Papaya, grüner Tee (aber nicht zur Tamoxifen-Einnahme).

Nicht gut:

Zucker generell, Sojajoghurt, Soja, Käse, Kuhmilch, Ginseng, Fisch, Schalentiere (es sei denn man mag Plastik und Schwermetalle), Leitungswasser, Wasser aus Plastikflaschen, Glukose-Fruktose-Sirup (auch im Brandt-Zwieback enthalten), Wurst, Fleisch.

Da wir so etwas wie ein Fachpublikum sind, brauchen Süssigkeiten, Chips, Frühstücksspeck oder Fertigprodukte nicht erwähnt werden.

Ok sei ein Glas Wein, Dr. K. fängt an von Spaghetti mit Parmesan zu schwärmen, mittlerweile ist es 19.15h, und ich bekomme Hunger. Zuhause mache ich mir Vollkornnudeln mit Tomaten und Basilikum, Parmesan hätte ich gern, habe ich aber nicht. Ich packe die Sporttasche. Morgen nach der Arbeit steht wieder der Fitnessraum auf dem Programm.

16.06.2017

Im Sanatorium. Tag 2

Ob ich gegen etwas allergisch sei, fragt mich die Diätassistentin bei unserem Termin. Gegen ungesunde Ernährung, antworte ich.

Am Restauranteingang ist ein Mahnmal aufgebaut, das Nutella, Haribo, Fertigsuppen & Co mitsamt den Zuckerwürfeln zeigt, die in den Lebensmitteln enthalten sind. Am Buffet gestern Abend stand ich allerdings unschlüssig zwischen verarbeiteter Wurst, hellem Brot, Kartoffelpuffer und Kaba-Kakao herum, alles Dinge, die ich aus meinem neuen Leben gestrichen habe, da sie nicht in meine Definition von gesunder Ernährung fallen. Es werden bei der Reha auch Ernährungs- und Diät-Vorträge gehalten, was ich gut, wenn auch skurril finde, wenn ich die angebotenen Speisen sehe.

Ich zähle auf, was ich alles nicht mehr esse, schnell wird der Dame klar, dass bis auf Käse und Gurkenscheiben nicht viel bleibt, was mir zusagt. Meinem Vorschlag, dass ich mir Obst und Avocados mitbringe, wird zugestimmt. Es solle nur nicht ausarten mit meinem eigenen Büffet. Ich lächele zustimmend und gehe gedanklich durch, wie ich weitere Dinge in den Speisesaal schmuggeln kann.

Auf zum dritten Termin des Morgens, um 9.00 Uhr sitze ich beim Ergotherapeuten. Auf den Blick in meine Patientenkarte – beidseitige Brustkrebs-OP und Bandscheiben-OP – stellt er fest, dass ich hiermit schon die schweren Dinge abgedeckt hätte. Ich weise darauf hin, dass er mich nicht demotivieren solle, was auch immer wir hier ergomässig machen, um mein Befinden zu optimieren – ich bin dabei. Er drückt 20 Minuten am Rücken und der rechten Schulter herum, dann sind wir fertig. Beim nächsten Mal wird er mit der Narbentherapie beginnen. Wenn er dann nicht gerade sein zweites Kind bekommt, das nächste Woche Stichtag hat. Fröhlich verabschieden wir uns, vielleicht sehen wir uns in der kommenden Woche wieder. Vielleicht aber auch nicht.