6.12.2018

Zuhause.

Einen Termin habe ich aber nicht, stellt mein Hausarzt fest, ob ich ein Notfall sei. Wie immer haben mich die netten Arzthelferinnen blitzschnell durchgewunken, obwohl das Wartezimmer voll ist. Ich verneine, ich bräuchte nur eine Krankmeldung, die könne das Krankenhaus nicht ausstellen. Dann sei ich ein Notfall, beschließt mein Gegenüber.
Wer mich denn ins Krankenhaus eingewiesen hätte, fragt er weiter. Sie, antworte ich.
Und wo ich die Blutwerte in zwei Wochen überprüfen lassen solle. Na auch bei ihm, sage ich und finde, dass einer von uns beiden heute ein Konzentrationsproblem hat. Ich bin das nicht.
Die Arzthelferinnen sind aber auf Zack, ich bekomme zum (kurzen) Warten einen Stuhl in den Konferenzraum gestellt, damit ich niemanden kontaminiere, der Termin zur Blutabnahme ist sofort abgemacht, die Krankmeldung ausgedruckt.

Bis auf einen dicken Hals und einem einzuhaltenden Sicherheitsabstand von einem Meter zu Anderen (vor allem zu Schwangeren und Kindern) geht es mir gut. Einkaufen und Busfahren darf ich, allerdings sind lange und enge Kontakte wie zum Beispiel Theaterbesuche, Büro und der Besuch meiner Sportgruppen, des Gyms und des öffentlichen Bades zu unterlassen. Keine Sportgruppen. Das trifft mich dann schon.
Spazierengehen könne ich, sagt mein Hausarzt und wiederholt damit, was mir auch die Ärztin im Krankenhaus gesagt hat.

Ich gehe spazieren. Durch die Hafencity im Regen und einem Eisbecher, den ich allein in der Kälte vor dem Café esse. Um die Aussenalster, es nieselt, bis auf ein paar Jogger und Hundebesitzer sind keine Menschen unterwegs. Im leeren Cliff streiten sich zwei Kellner, einer verlässt wütend das Lokal, den anderen kann ich heranwinken und bestelle eine Waffel mit heißen Kirschen und Sahne. In Eppendorf sind die weißen zuckergussartigen Jugendstilvillen von einem grauen Schleier bedeckt, ich kaufe mir Blumen für die Küche und das Wohnzimmer und ein Buch über die Anatomie des Taiji.
Zuhause gibt es Dinkelkaiserschmarrn mit Äpfeln.

Mittlerweile bin ich sehr ausgeglichen, so ausgeglichen, dass ich bereits alle Weihnachtskarten verschickt und alle Geschenke verpackt habe. Ich mache mich sogar an die Ablage der letzten zwei Jahre, die sich unsortiert in einem Schränkchen befindet und mir sofort entgegenfällt, als ich diesen öffne. Ich stelle Unterlagen für die Steuererklärung 2018 zusammen. Ich buche eine Reise. Lachen muß ich, als mich mein Azubi hektisch anruft, das Restaurant, bei dem ich für die Weihnachtsfeier gebucht habe und denen er – wie mit mir abgesprochen – die finale Teilnehmeranzahl durchgeben wollte – hätte keine Reservierung von uns vorliegen. Natürlich habe ich reserviert, ich dirigiere ihn aus der Ferne durch meine Ordner auf dem PC, auf die er zum Glück Zugriff hat, denn mein Firmenhandy speichert emails nur über einen bestimmten Zeitraum. Wenn ich schon gerade dabei bin, werfe ich auch einen Blick auf die eingegangenen 369 emails, auf zwei antworte ich.

Der Blick auf den Schrittzähler zeigt an, daß ich heute Abend noch eine Runde um den Block drehen muß. Ich liebäugele damit, spontan zwei Tage nach Sylt zu reisen. Am Strand längswandern ist schöner. Und kontaminieren lässt sich da auch niemand.

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29.11.2018

Im Krankenhaus.

Nachts höre ich die Hubschrauber. Nebenan ist die Notaufnahme.
Es regnet.
Das Zwischenbad, das ich mir mit einem älteren Herren teile, ist dauernd besetzt. Ich höre, wie er mit seinem Stock hinein humpelt und die Zwischentür zu meinem Zimmer abschliesst. Auf dem Bord stehen seine Zahnbürste, Zahnpasta und eine geöffnete Dose mit einer Seife. Sonst nichts.
Ich lege meine Zahnbürste, Zahnpasta, Narbensalbe, Sanddorn-Duschlotion, Reinigungsmilch und Sanddorn-Bodylotion daneben und beschließe, meine anderen Cremes und Dosen im Zimmer zu lassen.

Gestern Abend, beim Hören von Chopins Klavierkonzerten, habe ich das Fenster ausser Gefecht gesetzt, nachdem der Pfleger fragte, ob alles ok sei und ich dies bejaht hatte. Ich muss läuten, ich kann das Fenster nicht die ganze Nacht geöffnet lassen, es ist schon jetzt empfindlich kalt in meinem Zimmer. Waren Sie das?, fragt er mich. Ich muß das bejahen, außer mir ist ja kein anderer Mensch in der Nähe. Er hat den passenden Schlüssel dabei, mit dem er das eingedrückte Schloss wieder öffnen kann. Es ist mir schon etwas peinlich, aber nun kann ich das Fenster wieder schliessen.

Ich lege mich ins Bett, den Kopf am Fussende, damit die Hilfsgriffe nicht über mir hängen und schaue etwas Aktenzeichen XY. Es klopft, es ist spät, es ist der Nachtpfleger.
Er wolle sich kurz vorstellen und schauen, ob alles ok sei – und stellt fest, dass ich falschrum liege und der Fernseher in einem schlechten Winkel zum Gucken stünde. Das stimmt, sage ich, aber ich habe mich nicht mehr zu melden gewagt, ich hätte ja schon das Fenster…er lacht. Das habe er schon gehört. Dann richtet er mir den Fernseher ein. Nicht so dicht an mich rankommen, rufe ich, ich strahle! Ja, sagt er, er kenne die Regeln, alles gut. Mir gefiele es hier bisher, plaudere ich los. Der Pfleger schaut überrascht, ich lobe das Mittag, das freundliche Personal, mein schönes Zimmer…aber ich dürfte auch die Nachteile hinterher in den Bewertungsbogen reinschreiben, antwortet er. Ich vermute, er hat eine andere Sichtweise auf das Leben und Arbeiten im Krankenhaus. Ausschlafen könne ich morgen auch, das Frühstück gebe es erst ab 8.00h.

Ich stehe um 7.00h auf, mache mich frisch (duschen darf man nur alle drei Tage) und lege eine Runde Stretching ein. Meine Schilddrüse ist angeschwollen. In dem gegenüber liegenden Gebäude gehen die Lichter an; die Büros füllen sich, Ärzte und Pfleger laufen durch die Gänge, an einem Fenster zieht sich ein Arzt um. Ich schaue interessiert und wende den Kopf ab, als er nur noch in karierten Boxer-Shorts da steht. Als ich wieder hinschaue, ist er angezogen, diesmal im weißen Outfit.

Ich lese etwas, werkele am Konzept für die Stiftung des Mammazentrums, bestelle mir die Weihnachts-LP meiner Lieblingsband und Weihnachtskarten von der Deutschen Krebshilfe und lege eine Liste mit Buchbesprechungen für 2019 an.
Dann Taiji-Übungen, 19er-Form und Reeling Silk. Zur Weihnachtsmusik von Too Many Zooz tanze ich durch’s Zimmer, bis es an der Tür klopft. Oh, ich sei gerade mitten in…schon ok, antworte ich schnell, und folge der Ärztin zum Strahlenmessen.

Als ich später wieder ins Badezimmer gehe, ist es um eine Seifendose, eine Zahnbürste und eine Zahnpasta leerer.

Hier hat alles einen barcode. Ich auch.

28.11.2018

Im Krankenhaus.

Ich möchte gern eine Woche in ein Kloster. Jetzt bin ich voraussichtlich eine Woche in der abgeschlossenen Nuklearmedizin im großen Krankenhaus. Allein im Einzelzimmer. Auf Abstand. Das ist auch fast wie ein Aufenthalt im Kloster. Allerdings ohne Klostergarten. Dafür umsonst.

Ich habe zwei Bücher dabei: Unter den Menschen (Mathijs Deen) und Into the Silence (Wade Davis). Gegensätzliche Titel. Aber auch passend für den Moment.

Kontemplation. Sensorische Deprivation. Darf ich mein Handy behal….neeein, stop, nicht das Handy wegneh…oh no…kann ich…hallo…ha…

25.11.2018

Unterwegs.

Du wirst im Krankenhaus eine Menge Schluckauf haben, sagt B.
Warum? frage ich das Herzi erstaunt.
Weil wir an Dich denken werden, antwortet sie.
Ich mag meine Herzis.

J.? rufe ich. Der Franzose dreht sich erstaunt um. J! Wir vermissen Dich schon bei der Meditation! J. hat mich erst gar nicht erkannt, außerhalb unseres Meditationsraumes, in dem ich immer in dunkelblauem Sportdress sitze.
Heute stehen wir uns überraschenderweise im öffentlichen Bad gegenüber, in Badehose beziehungsweise getüpfelten Badeanzug und einer Badekappe, die wie ein Turban ausschaut. Die Badekappe habe ich mir für draußen zugelegt, da es mir langsam zu kalt wird, eine Stunde mit nassem Kopf durch das morbid-herbstliche Ambiente des Aussenbeckens zu schwimmen.
C. habe letztes Mal selbstgemachtes Renekloden-Gelee für ihn dabei gehabt, ich würde immer noch jeden Dienstag den Glücksbringer aus Tibet für ihn mitbringen. J. freut sich und wird versuchen, am Dienstag wieder dabei zu sein, wenn es die Arbeit erlaubt.

Zitronen, Wurzeln, Haferflocken, Nüsse, Bananen, Fön – stehen auf meiner Merkliste für den Koffer, den ich angefangen habe, für das Krankenhaus zu packen.

Außerdem werde ich mein Laptop mitnehmen und ein Konzept für die Stiftung ‚meines‘ Krankenhauses erstellen; das nächste Meeting für Mitte Dezember wurde heute bestätigt. Da kann ich die Zeit in der Abgeschiedenheit der Nuklearmedizin effizient nutzen.

20.11.2018

Im anderen Krankenhaus.

Projekt Schilddrüse.
Jetzt weiß ich, warum mir das Krankenhaus mitgeteilt hat, ich möge vier bis fünf Stunden Zeit einplanen. Dieses Krankenhaus ist eines der größten in Hamburg, über 1.700 Betten gibt es hier. ‚Mein‘ Krankenhaus, in dem ich gestern zum Stiftungsgespräch war, hat gerade mal 21 Betten – zählt aber zu Deutschland’s renommierten Mammazentren.

Im großen Krankenhaus schickt man mich von A nach B und dann nach C und wieder zurück nach A. Als Orientierungslegastheniker, der ich bin, ist das eine Herausforderung; Gänge, weitere Gänge, Abzweigungen, Türen, Treppen rauf und runter, weiter mit dem Lift – das ist meine heutige Sporteinheit. Großes Lob, als ich vom Empfangzentrum der stationären Aufnahme zurück im Souterrain in der Nuklearmedizin auftauche: das ginge ja schnell, wird mir bescheinigt. Seit 8.00h bin ich im Krankenhaus kreuz und quer unterwegs; Arztgespräch, Ultraschall, Blutabnahme, Spritze, Szintigrafie, Probe-Tablette mit radioaktivem Jod, mehrmalige Strahlenmessungen, Registrierung, Besuch und Einweisung auf der geschlossenen Station, in die ich nächste Woche einchecken werde und auf derer Tür ein riesiges gelb-schwarzes Warnzeichen prangt – Nuklearbereich.

Auch in diesem Krankenhaus sind wirklich alle sehr freundlich, die Ärztin, bei der ich beim vorigen Mal zum Erstgespräch war, erinnert sich an mich, wir plaudern. Die medizinische Assistentin schiebt bereitwillig eine Liege ins Zimmer für die Blutabnahme und bemerkt wohlwollend, dass ich vorher Bescheid gebe anstatt nachher bei der Entnahme zusammenzuklappen. Auf der geschlossenen Nuklear-Station, an deren Tür ich klingeln muß, empfängt mich Schwester S. Sie strahlt (Ha! Wortwitz!) mich an, man würde sich hier schon fragen, wo ich meinen merkwürdigen Nachnamen her habe. Das kenne ich schon, ich kontere standardmäßig mit einer witzigen Antwort.

Sportgeräte dürfe ich nicht mitbringen, erklärt mir Schwester S., Meditation und Taiji seien ok. Nüsse, Wurzeln, Äpfel usw. darf ich hingegen im Gepäck führen, und auch einen Kühlschrank gäbe es, wo ich meine extra-Nahrung lagern könne. Ich kreuze in einem hübsch-gedruckten Flyer an, was ich morgens, mittags und abends essen möchte und entspanne mich. Klingt alles lecker und passt mit meinen Ernährungsvorstellungen zusammen.

Zwischendurch pausiere ich auf einer Bank und freue mich über meine neue Frühstücks-Lunch-Box.

Nach fünf Stunden verlasse ich das Krankenhaus, morgen früh folgt Teil 2 der vorstationären Untersuchungen.

19.11.2018

Im Krankenhaus.

Nach der Arbeit fahre ich in ‚mein‘ Krankenhaus, ich habe dort einen Termin mit einer Dame aus dem Vorstand der Stiftung. Die Stiftung unterstützt Brustkrebspatientinnen mit interessanten Sportangeboten, Vorträgen über Ernährung oder auch Humangenetik, Gesprächskreisen, Breast Care Nurses, Kühlkappen bei Chemo, Kreativkursen oder auch mit Terminen bei Psychoonkologen.

Wir unterhalten uns sehr angeregt; ich unterbreite einige Vorschläge, wie ich die Stiftung mit ehrenamtlicher Hilfe untersützen könnte. Nach 45 Minuten steht fest: wir werden etwas zusammen auf die Beine stellen.

Mitte Dezember planen wir ein Meeting, an dem auch Ärzte und weitere Vorstandsmitglieder teilnehmen werden.

Ich möchte etwas von der Hilfe, die ich hier bekommen habe, zurückgeben.

18.11.2018

Unterwegs.

Ob ich mich vorher auch so gesund ernährt hätte, fragt mich B., während sie sich etwas von ihrem Bauernfrühstück auf die Gabel füllt. Nein, antworte ich meiner Herzi-Mitstreiterin, aber durch den Schock und den ersten Ernährungsvortrag, den ich mir bereits im Krankenhausbett einen Tag nach der Operation vom Arzt anhören durfte, wurden meine Süchte sofort eingestellt. Ich erinnere mich noch daran, dass ich meine Lieblingsschokolade aus Chile, die ich extra als Trost eingepackt hatte, umgehend in den Mülleimer befördert habe. Ich wusste nicht, dass Krebs sich von Zucker ernährt. Und das Weizenmehlbrötchen mit Salami auch nicht viel gesünder sind.

Ich finde es interessant, daß B. ihre Zeitrechnung auch in ein vorher und ein nachher eingeteilt hat. Was zwischen dem vorher und dem nachher liegt, bleibt unausgesprochen.
Jedenfalls schaue ich sehr bestürzt drein, als unsere Trainerin und ein Herzi nach dem Abendessen in der Wirtschaft zum Rauchen vor die Tür verschwinden. Auch gegen eine Sucht kann man etwas tun, wenn diese nicht durch Schock ausgelöscht wird – wie bei mir, und Schokolade habe ich in der Tat sehr viel gegessen. Ich kasteie mich nun nicht, aber ich bin sehr diszipliniert, ich weiß ja, wofür ich das tue. Ich will leben und das noch möglichst lange und gesund. Also sitze ich heute Abend als Einzige mit einem Salatteller in der Wirtschaft, während die Herzis Rinderroulade und panierte Schnitzel vertilgen.
Zum Nachtisch teile ich mir aber eine Portion Topfenpalatschinken mit Zwetschgen und genieße diesen umso mehr, da dies eine Ausnahme ist, eine sehr leckere, zugegebenermaßen.

Dann krame ich meinen Laptop aus der Tasche. Tische und Stühle werden umhergerückt, denn alle zwölf Herzis wollen nun mit mir durch Tibet reisen. Und danach sogar noch durch die Antarktis; vorausschauenderweise hatte ich den zehnminütigen Film unseres chinesischen Vogelkundlers eingepackt. Es ist ein schöner Abend, hier in der Wirtschaft in Uhlenhorst, hier mit meinen Herzis.

Am Sonntag mache ich mich zu einer zweistündigen Wanderung auf, entlang der Hamburger Kanäle. Eine Gegend, die ich nicht kenne, da ich sonst immer entgegengesetzt in Richtung Aussenalster marschiere. Jugendstilbauten säumen die Finkenau, auf dem Wasser liegen Hausboote und am Kanal umgedrehte Kanus, über die sich das Herbstlaub gelegt hat. Es nieselt.

Zurück zu Hause wärme ich mir die restlichen Vollkornnudeln mit frischen Tomaten und Basilikum auf, zum Nachttisch gibt es ein Vollkornbrot mit Frischkäse und selbstgemachtem Renekloden-Gelee, das mir C., meine Freundin aus der Meditationsrunde, am Dienstag geschenkt hat.

Ein ruhiges Wochenende geht zu Ende, eine spannende Woche liegt vor mir.

11.11.2018

Unterwegs.

Den kalten Wind auf den Wangen spüren, während ich auf der Fähre nach Övelgönne fahre.
Den Kragen meiner roten Jacke höher ziehen.
Den Elbsand an den Schuhen mit der Hand abstreifen.
Dem Rascheln der goldgelben Blätter lauschen, durch die ich marschiere.
Die kleine Pause, in der ich mein Ingwer-Wasser, die Wurzel und die Dinkel-Sesambrote auspacke, die ich zur mittäglichen Einnahme des Tamoxifens esse.
Immer weiter gehen, weiter und noch weiter und irgendwann beschließen, nicht umzukehren.
In Teufelsbrück auf dem Anleger in der Sonne sitzen und auf die Fähre nach Finkenwerder warten.
In die Sonne blinzeln.
Dem Drang widerstehen, ein Würstchen mit Senf zu kaufen.
Den Beschluss fassen, sich zuhause mit einem Hafer-Apple-Zimt-Crumble zu belohnen.
Die Elbe glitzern sehen. Feststellen, daß „Glitzern“ mein Lieblingswort ist.
In Finkenwerder auf die nächste Fähre umsteigen und Richtung Landungsbrücken fahren.
Den beiden taubstummen Damen fasziniert zusehen, die sich angeregt in Gebärdensprache unterhalten.
Der Radler, der mit einem dünnen gelb-schwarzen Shirt bekleidet ist und sich schützend die Arme um den Oberkörper schlingt.
Die kühle, leicht salzige Luft einatmen.
Noch einmal auf eine andere Fähre umsteigen und nachhause fahren.
Bei meiner kalifornischen Freundin nachfragen, ob sie und die anderen ok sind (sind sie).
Den Apple-Crumble in den Ofen schieben und sich über den Apfel-Zimt-Duft freuen.

Kleine Übung in Achtsamkeit.

6.11.2018

Unterwegs.

Ich atme tief durch, als ich nach draußen schwimme. Das Wasser ist kalt, die Luft noch kälter. Dunst steigt über dem Aussenbecken des öffentlichen Bades auf, doch einige Tapfere ziehen ihre Bahnen. Das 90-jährige Pärchen ist nach mehreren Wochen Krankheit wieder dabei, drei plaudernde Rentnerinnen und ich. Auf der Schnellbahn ist mehr los; in gleichmäßigem Rhythmus kraulen die Kampfschwimmer hin und her, Wassertropfen fliegen durch die Luft um wieder ins Becken einzutauchen.

Während ich meine Bahnen ziehe, denke ich an das phänomenale Konzert und die Ansprachen, die Matt, Leo und der King of Sludge auf der Bühne gehalten haben: wie dankbar sie seien, dass sie hier in Zürich auftreten können und überhaupt 11 Monate im Jahr on tour sind – weil wir, ihre Fans, es ermöglichen, weil wir sie sehen möchten, eine Band, die mit täglichen Auftritten in der U-Bahn in New York gestartet ist. Und sie so gut wie nie ihre Familie und die Freunde sähen, weil sie nie zu Hause seien, sagt Matt. Aber dass er täglich mit seinen zwei besten Freunden zusammen sein darf, antwortet Leo. Und dass sie ihren Traum leben. Und jeder seine Träume leben soll. Und dass Kreativität wichtig sei, bei ihnen dürfe jedes Bandmitglied auf der Bühne machen was es will.
Und das schafft wunderbare einzigartige Konzerte, die alle anders ausfallen, das kann ich mittlerweile gut beurteilen.
Außerdem stünden sie – wie nach jedem Konzert – zum meet & greet mit ihren Fans zur Verfügung, sie freuen sich darauf, Fragen zu beantworten oder selfies mit ihnen zu machen.
Nicht nur die Musik ist brillant – auch die Werte, die die Band hier anspricht, stimmen mit meinen überein: Dankbarkeit, Demut, Respekt, positives Denken und das Leben der eigenen Träume.

Auf dem Flughafen stöbere ich mich durch die Lindt- und Sprüngli-Shops: ich suche nach Schokolade mit über 73% Kakaoanteil, die ich noch nicht kenne. Und werde bei einem anderen Schweizer Label fündig – Noir Noisette – sans sucre ajouté. Ohne Zucker, mit Stevia. Ich kaufe eine Tafel für mich und eine für C., die ich ihr heute als Dank für die Äpfel zur Meditation mitbringen werde.