07.03.2019

Zuhause.

Tel Aviv. Strand. Nachtleben. Glaspaläste. Jaffa. Bauhaus. Granatapfel-Campari-Eis. Caesarea. Hafenstadt. Meerwind. Persische Gärten. Haifa. Nazareth. Pilger. Olivenhaine. Zippori. Galiläa. Duft des Orients. Honigkekse. Minze. Bergland. Synagogen. See Genezareth. Sternenhimmel. Petrusfisch. Bootsfahrt. Wüste. Westjordanland. Totes Meer.  Seilbahnfahrt. Palastfestung Masada. Beduinen. Arad. Bet Guvrin. Höhlen. Johannisbrotbäume. Oliven. Wein. Bergland. Jerusalem. Betlehem. Palästinensisches Autonomiegebiet. Geburtskirche. Heilige Stadt. Ölberg. Kirchtürme. Minarette. Kuppeln. Glockengeläut. Yad Vaschem. Mahane-Yehuda-Markt. Gewürze. Felsendom. Tempelberg.

Meine Reiseunterlagen sind angekommen. In zwei Wochen geht es los. Große Vorfreude.

 

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06.03.2019

Unterwegs.

Ich mag es, mich auf das Schwimmen im Aussenbecken des öffentlichen Bades zu freuen, bei der U-Bahnstation an der Kirche auszusteigen, den mit hohen Bäumen gesäumten Weg zum Bad und an die Kasse zu gehen.

Ich mag es nicht, mich in der engen Umkleide umzuziehen (erst recht nicht im Winter), zu duschen und mich nass und fröstelnd auf den Weg ins Aussenbecken aufzumachen. Genauso wenig mag ich die ersten beiden Bahnen schwimmen, denn das Wasser ist kühl.

Aber dann mag ich es, die dritte Bahn zu schwimmen und die vierte und die fünfte und immer weiter, wenn ich mich an das kühle Wasser gewöhnt habe und im Bestfall noch eine Bahn ohne störende Kampfschwimmer oder tauchendes Walross gefunden habe.

Heute mag ich es sowieso, denn die Stimmung im Bad ist neu für mich: ich bin heute Abend direkt nach der Arbeit zum Schwimmen gegangen. Mittwochs ist jetzt mein flexibler Sport-Slot, da kann ich den Sport wählen, zu dem ich gerade Lust habe.

Die Lampen im Becken sind an, das Wasser leuchtet an einigen Stellen hellblau, um dann in ein schweres grau überzugehen, das sich mit der bleiernden Farbe des Himmels vermischt. Es regnet. Grey out statt white out.
Heute war ein ärgerlicher Arbeitstag. Es tut mir gut, jetzt meine Bahnen zu ziehen, hier draussen an der frischen Luft. Ich denke an das Gespräch mit M., einer Bekannten, mit der ich gestern beschlossen habe, im Frühling zusammen zum Stand Up Paddling auf die Alster zu gehen. Sie hat bereits einen Kurs absolviert, ich habe das noch nie gemacht, würde es aber zu gern mal ausprobieren. Das wäre eine perfekte Ergänzung meines Sportprogramms. Langsam wendet sich meine schlechte Laune.

Als ich vorhin im Bad angekommen bin, war das Innenbecken mit lauter kleinen quietschenden Kindern gefüllt. Als ich den Rückweg antrete, sind dort um die 50 Damen bei hämmernder Diskomusik mit Aquagymnastik beschäftigt. Sie hüpfen rhythmisch auf und ab und halten Gewichte mit ausgestreckten Armen über ihren Köpfen.

Ich dusche, klappe die hässliche turbanähnliche Badekappe über die Ohren und den Badeanzug nach unten, bevor ich mir das nasse Handtuch notdürftig um den Oberkörper wickele.
Vor der Dusche stoße ich mit J. zusammen, meinem französischen Mitstreiter der dienstäglichen Meditationsrunde. Er erkennt mich – und das sogar ohne Brille und im halbauf- und halbabgeklappten Bekleidungszustand. Wir umarmen uns, ich versuche dabei, das Handtuch festzuhalten, ich muss wirklich doof aussehen. Wir schreien uns etwas an, anders kann man sich bei dem Diskolärm nicht verständigen, er macht sich auf den Weg ins Aussenbecken, ich mache mich auf den Weg in die Kabine.

So doof siehste gar nicht aus, denke ich, als ich in den Spiegel der Umkleide gucke. Die Badekappe sitzt schief auf dem Kopf, Wassertropfen hängen an der Wange, aber ich habe eine ausgesprochen gesunde Gesichtsfarbe und schaue mir fröhlich entgegen. Nicht so, als hätte ich gerade einen ärgerlichen 9-stündigen Arbeitstag und 45 Minuten Schwimmen-im-Regen bestritten; ich sehe eher aus wie nach einem erholsamen Wellnesswochenende. Das ist gut, denke ich und mache mich auf den Weg nach Hause.

Erfolgreich umrunde ich Hürde 1 (Schokoriegelauslage an der Kasse des Supermarktes) und Hürde 2 (duftender Bonbonstand in der U-Bahnstation), packe in der Bahn die restliche Hälfte meines Quarkbrötchens aus und schaue aus dem Fenster, an dem der Regen runterrinnt. Mittlerweile bin ich so gut gelaunt, dass ich statt mit dem Bus zu fahren zu Fuß nach Hause marschiere.

Macht Sport glücklich? Ich denke ja. Bis auf die plank-challenge, die musste ich leider etwas nach unten korrigieren. 240-Sekunden-planks sind unrealistisch; ich bleibe zwischen 60 und 90 Sekunden hängen.
Wenn man sein Ziel nicht erreichen kann, muss man es korrigieren oder den Weg ändern: ich werde statt der 28 Tages-challenge die plank-challenge bis ans Ende des Jahres weiterführen; allerdings ohne Zeitdruck. Vielleicht erreiche ich dann die 240 Sekunden. Und wenn nicht, ist es auch ok.

 

03.03.2019

Unterwegs.

Was uns sofort ins Auge fällt, sind die bunten Blumen. Die sehen fröhlich und nach Frühling aus. Die Urne ist aus Holz, ganz schlicht, auch das sieht schön aus und passt zu unserem Großonkel, genauso wie die bunten Frühlingsblumen, die so wunderbar seine Freundlichkeit und seine Verbundenheit zur Natur widerspiegeln.
Als wir zur Beerdigung fuhren, haben wir gerätselt, wer wohl die Trauerrede halten wird. Onkel G. war erklärter Atheist. Seine Tochter und sein Schwiegersohn sind Pastoren.

Eine Pastorin erscheint, Gott ist Liebe, und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm, immerhin weist sie darauf hin, dass Onkel G. nicht gläubig aber doch getauft war, wir singen Himmel, Erde, Luft und Meer, in den Liedern kommt die Natur vor, es ist ein gelungener Kompromiss, finde ich. Wir weinen etwas, aber eher, weil wir berührt sind, unser Großonkel ist immerhin 93 Jahre alt geworden und friedlich eingeschlafen. Die Pastorin lässt sein Leben Revue passieren, auch das ist schön, die Erinnerungen werden geweckt an den orangenen VW-Bus, mit dem er in den Schulferien – unser Onkel war Rektor einer Sonderschule – durch Europa gereist ist, genauso wie die unbeschwerten Familienausflüge mit seinem kleinen Segelboot über die Elbe hinüber nach Schweinesand.

Tante W., die nun Witwe ist, setzt sich beim Kaffee neben mich: Deine Reiselust hast Du von Onkel G. geerbt, sagt sie. Das glaube ich auch, antworte ich, von meinen Eltern kommt das jedenfalls nicht. Die stranden ja regelmässig in Neustadt an der Ostsee (den bösen Blick meiner mir gegenüber sitzenden Eltern ignoriere ich geflissentlich).
Zwei mir unbekannte Damen fragen mich nach der Antarktis und dem Everest, anscheinend bin ich Gesprächsthema bei der Verwandtschaft und auf alle Fälle von Interesse für die beiden Damen, die Deutschland noch nie verlassen haben.

Am Sonntag beim Frühstück im Wasserschloss arbeiten meine Cousine T. und ich die Beerdigung und unsere Familiengeschichte auf. Und Uroma F. war im Waisenhaus und hat dort unseren Uropa kennengelernt, sagt T. Ich bin verblüfft, das habe ich ja noch nie gehört! Dann wissen wir gar nicht, wo wir herkommen? Wir schicken eine sms an meinen Vater, das muss rückbestätigt werden. Und auch, wie die Geschwister von unserer Oma W. hießen. Du hast aber einen Stammbaumzettel von uns! kommt postwendend zurück, und sie würden gerade essen. Zwischenzeitlich sind uns noch weitere Fragen eingefallen, die wir simsen, es folgt eine kurze Auskunft und ein Mahlzeit!, damit wird uns klargemacht, dass die Prioritäten um 11.45h gerade nicht auf der Familiengeschichte liegen.

Wir könnten mal mit allen zusammen frühstücken gehen oder ein ein Familienfest planen! Wahrscheinlich lernen wir noch so einiges über die Familiengeschichte. T. und ich sind in unserem Element. Nach Schweden (T.) und Israel (ich) werden wir das angehen.

Eigentlich wollte ich farblich abgestimmte Blumen pflanzen; nun kaufe ich lila und weiße Hyazinthen, gelbe Narzissen, pastellgelbe und rosafarbene Rosen, es wird bunt, bunt wie der Frühling. Und bunt wie das Leben.

23.02.2019

Unterwegs.

Vielleicht, weil ich so gern früh morgens an der Elbe langfahre, wenn die Sonne aufgeht und die Kräne am Hafen in rotgoldenes Licht taucht.

Vielleicht, weil die Möwen über die Elbstraße fliegen und mit dem aufgewirbelten Papier in der Luft tanzen.

Vielleicht, um einen Blick auf Sankt Pauli zu erhaschen, wo spärlich bekleidete Frauen mit biertrinkenden Männern an der Bar sitzen und draußen der Morgen naht.

Vielleicht, weil der Himmel über dem Altonaer Balkon sich rosa färbt und die Skulptur der wartenden Seeleute aus der Dunkelheit auftaucht.

Vielleicht, weil es im Bahnhof so trubelig ist und der Milchschaum auf dem Kaffee mit Kakao bestreut wird.

Vielleicht, weil die Bahn ratternd und schaukelnd durch die Felder fährt und mein Blick auf grasende Schafe fällt.

Vielleicht, weil die Gänse auffliegen.

Vielleicht, weil ich mich freue, bald am Meer zu sein, am Strand der Sonne entgegen zu wandern und den herannahenden Wellen zu lauschen.

Vielleicht, weil die Luft so klar ist.

Vielleicht, weil ich die Freiheit liebe.

Vielleicht, weil die Welt meine Heimat ist.

Vielleicht, weil ich fröhlich bin.

Vielleicht, weil ich dankbar bin.

Weil ich bin.

22.02.2019

Unterwegs.

Ich schaue vom Schreibtisch auf, blicke auf den Kalender und bleibe am Datum hängen: heute ist der 22. Februar.
Vor genau zwei Jahren hat man mir wortlos eine Überweisung zum Radiologen in die Hand gedrückt, auf der Verdacht auf Brustkrebs stand. Heute vor zwei Jahren stand die Welt für mich still.
Wie schnell die Zeit vergangen ist, denke ich, und was ich seitdem alles gemacht habe – und doch ist der 22. Februar 2017 ganz nah.

Ich skype meinen Grafiker an:
I just had a look at the wall calendar, two days ago THE drama started.
Ich schicke hinterher, no, I mean two years ago – not two days. Time is flying.
Wow, I thought it was last year, already two years?
Yep, shall go for a drink now.
Would join you for the drink if I were in Hamburg.
Alright, then no drink, then off to swimming!

Ich schaue zum Fenster. Der graue Morgenhimmel ist aufgebrochen, blau strahlt es jetzt, keine Zeit für Sentimentalitäten, denke ich, der Himmel ist blau, die Sonne kommt raus, 5 Grad, aber immerhin, ich schalte den Computer aus, nehme meine Tasche und laufe los, das Leben muss gelebt werden.

Wir stehen im Weg, ruft das Mädchen ihrem Freund im Becken zu, kein Problem, rufe ich, ich umrunde euch einfach, dann umrunde ich auch noch das Walross, das sich wie immer ganz langsam unter der Wasseroberfläche bewegt und schwimme dem blauen Himmel entgegen.

Diesmal habe ich nicht nur das Duschgel sondern auch noch die Bodylotion vergessen. Macht nix, denke ich, das ist nichts, worüber ich mich aufrege. Auch das Deo ist nicht in der Sporttasche, als ich es suche, fällt mir ein, dass ich es gestern in der Umkleide des Gyms in den linken Turnschuh gesteckt habe.
Dafür habe ich ein Quarkbrötchen dabei. Wenn ich das auf dem Weg zum Bahnhof esse – so meine Theorie – könnte ich den Schokoriegel, den ich mir freitags immer nach dem Schwimmen gönne, ausfallen lassen (nice try…but fail…so einfach lasse ich mir nicht meinen Schokoriegel-der-Woche nehmen).

Ich mache mir einen Kaffee, setze mich nach draußen in die Sonne, der Koffer kann später gepackt werden. Das Leben ist schön.

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17.02.2019

Unterwegs.

Aus den Augenwinkeln heraus sehe ich, daß sie mich beobachtet. Sie steht oben auf der Kaimauer, flechtet an ihrem langen, dunklen Zopf, ein kleiner weißer Hund tobt um ihre Beine. Chinesin, vermute ich, und konzentriere mich wieder auf meine 19er-Form. Um 8.30h bin ich bereits am Hafen, nur ein einsamer Angler ist vor Ort – und die Chinesin. Die alten Segelboote liegen am Bootssteg und schaukeln langsam vor sich hin, am Horizont glitzern die vielen Fenster der Elbphilharmonie. Die Luft ist klar und kühl, trotzdem habe ich die Jacke abgelegt. Taiji bringt mich immer zum Schwitzen.

Als ich den Anleger nach oben wandere, steht sie dort. Sie hat auf mich gewartet. Ob ich hier öfters trainieren würde, fragt sie. Ab und an am Wochenende, frühmorgens, wenn  noch keine Menschen unterwegs seien, antworte ich. Chen-Style, stellt sie ausserdem fest, sie unterrichte den Yang-Style, gleich hier um die Ecke in der Schule. Ob ich gerade etwas Zeit hätte? fragt sie. Ich verneine freundlich, denn ich möchte erstmal frühstücken, nachdem ich bereits 45 Minuten hier draußen herumgeturnt bin. Außerdem befürchte ich, daß ein Intro in den Yang-Style meinen mühsam erlernten Chen-Style ins Schwanken bringen könnte (aber das sage ich nicht). Wir unterhalten uns noch etwas, stellen fest, dass wir fast Nachbarn sind, dann verabschieden wir uns. Eine schöne interessante Bekanntschaft am frühen Morgen. Ich jogge zum Bäcker und dann nach Hause.

Fitnessprogramm der Woche:
Montag: Taiji ✔️
Dienstag: Gymnastik, Arm-/Bauchmuskeltraining*) ✔️
Mittwoch: Gym (Stepper, Geräte, Balanceübungen)✔️
Freitag: Schwimmen, Arm-/Bauchmuskeltraining ✔️
Samstag: Sole, Schwimmen, Plank-Challenge Day 1**), Arm-/Bauchmuskeltraining ✔️
Sonntag: Plank-Challenge Day 2, Taiji, Arm-/Bauchmuskeltraining, Mini-Joggen***) ✔️

Raus aus dem Wochenprogramm:
Herzsport

Rein ins Wochenprogramm:
*) Plank-Challenge Day 1-28
**) 4-6 Mal die Woche on top: 10 Minuten Arm-/Bauchmuskeltraining
***) neue Testreihe, inwieweit sich Joggen auf Asphalt mit einer gecrashten Bandscheibe vereinbaren lässt

 

15.02.2019

Unterwegs.

15 Grad. Der Himmel leuchtet blau, genauso wie das Wasser im Außenbecken des öffentlichen Bades. Die Schrift der Banner, die um die Außenbande befestigt sind, spiegelt sich auf der blauen Oberfläche, die kleinen Wellen lassen die Buchstaben schaukeln. Ich lehne am Beckenrand, die Arme ausgebreitet, mein Gesicht ist der Sonne zugewandt, die Strahlen werfen ein Gittermuster auf meine Beine. Ganz zart fühlt sich das Wasser heute an, es schmiegt sich an mich wie eine zweite Haut, ich schwimme und schwimme und schwimme, dort hinten, wo ein Kampfschwimmer durch das Becken pflügt, spritzen Wassertropfen hoch, ich schwimme weiter und weiter und freue mich so über die ersten warmen Sonnenstrahlen und das Blau um mich herum.

Am Mittwoch war ich im Fitnessraum. Jetzt pulsen die Herzis, denke ich, als ich auf das Trampolin springe. Kurz werde ich wehmütig.
Seit einer Woche gibt es ein neues Item im Gym: eine kleine runde instabile Scheibe, auf die man sich stellt und die Balance halten muss. Die Scheibe ist mit einem Computerprogramm verbunden. Man selbst ist als grüner Punkt dargestellt. Ziel ist es, den grünen Punkt im etwas größeren roten Punkt zu halten. Das klingt einfacher als es ist, der rote Punkt bewegt sich über den Bildschirm, mal nach links, nach rechts, im Kreis, wird schneller, wird langsamer oder steht einfach nur still. Gibt es ein Ranking?, frage ich die Physiotherapeutin, mein Ehrgeiz ist geweckt. Gibt es, lautet die Antwort, ich lande mit meinen 538 erzielten Punkten auf Platz 7 der Schwierigkeitsstufe 3. Nächste Woche möchte ich auf Platz 6 vorrücken oder besser noch auf Platz 5.

Beim Taiji kündige ich meinem Lehrer an, dass ich jetzt auch mittwochs – ab und an – zum Training erscheinen würde. Dann könne ich die 75er-Form lernen oder die 19er-Form weiter vertiefen, sagt er. Und am ersten Mittwoch des Monats wird push hands trainiert, eine wichtige Partnerübung im Taijiquan.
Zeit, um Neues zu lernen. Zeit, um sich weiterzuentwickeln. Zeit, um mich weiterzuentwickeln.

08.02.2019

Unterwegs.

Es ist grau. Dampf steigt aus dem Wasser auf, als ich auf die Bäume zuschwimme, die wie schwarze Skelette vor mir aufragen. Heute glitzert nichts.
Ich versuche den Mann, der wie ein träges Walross anmutet und sich mehr unterhalb des Wassers  fortbewegt, zu überholen. Er schnauft.
Meine Schwimmfreundin ist die dritte Woche in Folge nicht aufgetaucht.

Als ich nach 45 Minuten in den Innenbereich wechsele, um noch ein paar Bahnen im Warmen zu schwimmen, sehe ich den kleinen älteren Italiener. Ich bin nicht sicher, ob er Italiener ist, aber er sieht wie ein Italiener aus. Ihn treffe ich jedesmal, wenn ich im öffentlichen Bad bin, auch wenn ich dort mal an einem anderen Tag oder zu einer anderen Zeit schwimme. Vermutlich wohnt er im öffentlichen Bad. Miteinander gesprochen haben wir allerdings noch nie. Das ändert sich heute; ich spreche ihn an.

Ich frage ihn, ob er G. in den letzten Wochen gesehen hätte, ich würde mir etwas Sorgen machen. Der kleine Italiener strahlt mich an; G. habe er vor zwei Tagen zuletzt gesehen. Das kann hinkommen, denke ich, denn ich weiß, dass sie auch mittwochs schwimmen geht. Ich bin beruhigt, wir plaudern noch etwas, bevor ich mich auf den Weg zu den Duschen mache.

Als ich aus der Umkleide komme, steht G. vor mir. Dezentes Make-up, rosé-farbene Uggs, schwarze Leggings, cremefarbener Wollpullover, kupferfarbene Daunenjacke, etwas Goldschmuck und eine große weiße Pudelmütze auf dem Kopf. Mit grünem Bommel. So, wie man sich eine 80-jährige vorstellt, die 56 Kilogramm wiegt und mit Stolz Kleidergröße 36 trägt.

G., ich habe dich vermisst, sage ich. Ich habe mich gerade bei dem kleinen Italiener nach dir erkundigt, also bei dem, der ausschaut wie ein Italiener.
Spanier, korrigiert sie mich, Hyazinth*) ist Spanier.
Hyazinth?
Das klingt für mich wie eine Pflanze.

Die letzten Wochen hätte sie wieder Probleme mit ihrer gebrochenen Hand gehabt, heute habe sie es leider auch nicht früher geschafft.
Sie lacht: aber weisst du was? Eben habe ich eine Reise nach Fuerteventura gebucht. Für Alleinstehende!
Sie lacht wieder. Das Hotel habe einen Pool und Sportkurse im Angebot, darauf freue sie sich schon.
Ich erzähle ihr, dass ich heute einen Flug nach Amsterdam gebucht habe, allerdings erst für den Mai. Da tourt meine US-Lieblingsband wieder durch Europa.

G. überlegt noch, welchen der mitgebrachten Badeanzüge sie heute tragen möchte, ich gehe zum Fönen.
Aber nächsten Freitag schwimmen wir nochmal zusammen, ruft sie mir hinterher. Danach geht es in den Urlaub!
Natürlich, rufe ich zurück.

Und freue mich, dass der graue Tag doch noch etwas Glitzer bekommen hat.

*) das ist der einzige Name, den ich in diesem blog nicht anonymisiere oder abkürze, da es das Zauberhafte nehmen würde. Hyazinth – das kann man nicht einfach mit einem langweiligen H. abkürzen.

06.02.2019

Unterwegs.

Irgendwann muß jeder gehen.
H., die kleine alte Dame mit den lachenden Augen, winkt mir zu. Sie möchte mit mir Federball spielen. Ein letztes Mal.

Dr. A. hat mir gerade überraschenderweise erklärt, daß eigentlich letzte Woche bereits mein Rezept und meine Reha-Stunden bei den Herzis abgelaufen seien. 46 der 50 Stunden habe ich eingelöst, die anderen Stunden sind verfallen, da ich irgendwo zwischen Antarktis und dem Everest anstatt in der kleinen muffigen Turnhalle in Eilbek rumgeturnt bin. Dr. A. ändert das Datum. Heute kann ich bleiben. Und mit H. Federball spielen.

Natürlich könne ich jederzeit wiederkommen, sei es mit Rezept oder mit Eintritt in den Turnverein. Ich möchte nicht in den Verein eintreten; er ist nicht bei mir in der Nähe, und ich muß immer zusätzliche Fahrkarten kaufen; außerdem neigt sich immer wieder etwas dem Ende zu. Auch wenn mich das Ende heute unerwartet trifft.

Ich wäre nicht ich, wenn ich nicht sofort umdenken und Alternativen planen würde. Ich erzähle Dr. A., daß ich den Mittwochabend für eine zusätzliche Schwimmeinheit nutzen werde. Oder zum Taiji-Training gehe. Oder es im Frühjahr mit joggen versuche. Oder zuhause Gymnastik mache. Jedenfalls wird es am Mittwoch weiterhin Sport für mich geben.
Sie mache sich überhaupt keine Sorgen um mich, sagt Dr. A. Sie erinnert sich an die Österreicherin, die zweite Krebs-Patientin neben mir in der Herzgruppe, die nach ein paar Wochen hingeworfen hat; keine Zeit für Sport, zuviel Stress bei der Arbeit. Prädestiniert für einen Rückfall, meint Dr. A. Das kenne sie schon, auch von den Herzis.

M. und B. sind geschockt, wir tauschen Adressen aus. Ob sie die auch an B., die heute nicht da ist, weitergeben dürften? Und ob ich trotzdem zu unserem Weihnachtstreffen im Winter kommen könnte? Auch T. schaut irritiert, als ich mich verabschiede. Das Ganze ist doch etwas spontan.

Ich bahne mir meinen Weg durch die fechtenden Kinder, winke H. vor der Tür der alten Halle noch einmal zu und mache mich durch den Regen auf den Heimweg.

Irgendwann muß jeder gehen. Heute gehe ich.
Vermissen werde ich sie, meine Herzis.

03.02.2019

Unterwegs.

S: Weißt Du, dass es beim „Burning Man“ in der Wüste keine sanitären Anlagen gibt? Und man seinen Müll wieder mitnehmen muß?

Das ist mir entgangen, allerdings habe ich mich noch nicht so genau mit dem Event, der jährlich in der Wüste von Nevada stattfindet, auseinandergesetzt. Ich habe die Fotos von J., eines der California Girls, das ich in der Antarktis kennen gelernt habe, gesehen, und war Feuer und Flamme. Ich möchte zum Burning Man. S. ist auch interessiert, hat aber schon etwas besser recherchiert. Dieses Jahr wird es eh nix, denn meine Reiseplanung 2019 steht bereits. Was sanitäre Anlagen angeht, bin ich seit Tibet paralysiert. Ich werde etwas tiefer in die Recherche gehen, wenn es an der Zeit ist.
Dann erzählt S. von Israel, dem Toten Meer, dem See Genezareth, Bethlehem und Jerusalem und Tel Aviv und dem guten Essen, das sie dort im November genossen hat, und ich freue mich auf meine Exkursion im März.

Waage: Du hast zugenommen.

Ich schiebe die Waage durch’s Bad, manchmal bringt das ein paar Gramm, wenn sie woanders steht.

Schilddrüse: Ich bin nicht schuld!
Ich: Ich weiß. Und dafür bin ich sehr dankbar, dass Du trotz hinterhältigen Radiojod-Angriff weiter funktionierst.

Mülleimer: Was sind das neuerdings für Tüten – Kokoschips, Popcorn, Gemüsechips, Chinoa-Flips?
Waage laut aus dem Bad: Aha!
Ich: Das waren Testkäufe. Passiert nicht wieder. Ich wollte leckere Snacks, die gesund sind, aber so gesund sind die leider auch wieder nicht. Allerdings arbeitet der Hersteller an nicht-frittierten Chinoa-Flips, die würden mich dann schon interessieren.
Bauch: Könntest Du den oberen Knopf der Hose auflassen? Oder die Skiunterwäsche ausziehen. So geht das jedenfalls nicht.
Ich: Schon gut. Wir fahren jetzt an die See, dann wird geschwommen und gewandert.

Himmel über Travemünde: Ich bin grau. 
Ich: Das stört mich nicht. Ich mag Dich, egal ob blau, grau, schwarz oder bald auch Nordlichter-grün.

Café Niederegger: He – Du kommst gar nicht herein? Was ist los?
Ich: Ich hatte mehr Appetit auf ein Vollkornbrötchen mit Frischkäse. Und einen Kaffee ohne Milch. Bääm! Zwei Sünden weniger.

Ich gehe weiter, kehre in meinem Lieblingsladen ein, gönne mir ein neues T-Shirt (geplant) und eine gestreifte Bluse (ungeplant).
Abends geht es in mein Lieblingsrestaurant, ich bekomme einen schönen Tisch am Fenster – ganz ohne Reservierung, und es ist voll – schaue auf die großen Schiffe, die die Ostsee hinunterfahren, ganz dicht an meinem Gesicht vorbei und wie Hochhäuser aus dem Meer herausragen. Putenfilet, Wok-Gemüse, Ofenkartoffel, eine kleine Weißweinschorle und ein Buch – mehr braucht es nicht, um glücklich zu sein.
Draußen ist es dunkel und kalt. Der Wind weht mir die Schneeflocken ins Gesicht, ich glitsche vorsichtig am Kai entlang, der Weg zum Hotel geht aufwärts, ich muß aufpassen, es ist rutschig und nass.

Vom Hotelzimmer im 13.ten Stock schaue ich über die Lübecker Bucht. Die beleuchtete Rentiergruppe steht nicht mehr am grüngestreiften Leuchtturm, sondern weiter unten kurz vorm Grand Hotel Atlantic.
Morgens um 8.00h bin ich bereits wieder im Pool und ziehe meine Bahnen. Danach ein gesundes aber ausgiebiges Frühstück (note to myself: was die Waage sagt, kannste Dir denken) und ein ausgedehnter Spaziergang am Strand entlang.

Ich: Wohin geht ihr?
Rentiergruppe: Immer weiter, weiter, weiter.

Himmel über Hamburg: Ich bin blau.
Haushalt: Du musst Dich um mich kümmern!
Wäscheständer: Die Wäsche ist längst trocken.
Koffer: Ich muss ausgepackt werden.
Badeanzug: Ich möchte nicht mehr im Bad rumhängen.
Waage: Du…
Ich: Ich ignoriere Dich!
Fußboden: Warum schüttelst Du die Regenhose aus, jetzt ist alles voller Sand. Ich muß gewischt werden.
Bett: Nicht die Regenhose! Zu spät. Sand ist im Bett.
Tulpen in Bad, Wohnzimmer, Schlafzimmer: — Keine Reaktion. Sie sind tot. Ich werfe sie weg.
Baum: Ich habe alle Blätter abgeworfen. 
Ich: Das sehe ich.
Abwasch: Also wenn Du Tee trinken möchtest, müsstest Du erst eine Tasse abwaschen.
Neue Bluse: In diesen Kleiderschrank soll ich? Es ist hier unordentlich.

Ich: Wie geht es Dir?
Ich stelle mich neben mich und schaue mich an.
Ich: Es geht mir gut.
Und koche mir erstmal einen Figurschmeichler-Tee (Kurkuma-Mate), bevor ich den Haushalt in Angriff nehme.

Montag: Taiji ✔️
Dienstag: Stretching und Meditation ✔️
Mittwoch: Herzsport ❌ (stattdessen Schauspielhaus: Krankenakte Robert Schumann mit Mathias Brandt, und das war bereits das Theater-Highlight 2019!)
Donnerstag: Gym ✔️
Freitag: Schwimmen ✔️
Samstag: Schwimmen ✔️und 11.167 Schritte ✔️
Sonntag: Schwimmen ✔️und 7.246 Schritte (Stand: 15.34h) und Aktion Haushalt 🔛

 

01.02.2019

Unterwegs.

Dear colleagues,
please kindly note that we are organizing an event for World Cancer Day which will be held at M on 4th of February.
Professor Dr. D (Dental Surgeon, Professor and Head of Department of Oral medicine) and Dr. M (AR Hospital) will speak about Oral Cancer, Breast Cancer and Ovarian Cancer. We would like to invite all business units to attend.

Ich bin überrascht und auch etwas gerührt über die Nachricht im Posteingang, die aus unserem Büro in Südostasien kommt. Die asiatische Geschäftsleitung organisiert einen Event zum World Cancer Day und lädt einige hundert Kollegen dazu ein. Ich schreibe zurück, lobe sie ob dieser ungewöhnlichen Aktivität, wundere mich insgeheim aber auch etwas, da Krebs eher ein Problem der ersten Welt ist, in der die Menschen zuviel Zucker und Junkfood essen und sich zu wenig bewegen (verkürzt ausgedrückt). Im nächsten email folgt die Info, daß vor allem die Kollegen erscheinen mögen, die Betelnüsse kauen. Betelnüsse gelten als krebserregend. Also ist Krebs doch kein ausschließliches First World-Problem, denn Betelnüsse kauen dort fast alle. Ich weise meine Abteilung vor Ort an, Fotos zu machen und einen Artikel über den Event zu schreiben, den wir im nächsten Newsletter veröffentlichen können.

Man schickt mir vorab die Präsentation der Professoren; ein, zwei Schockbilder, Texte in burmesischer Kringelschrift, aber auch Fotos, wie man sich die Brust abtastet (was schon wirklich sehr offen für die dortige Kultur ist, vor allem in einer öffentlichen Präsentation) und icons, die Meditation, Bewegung, Rauchen (durchgestrichen), Alkohol (durchgestrichen), Junkfood (durchgestrichen), Gemüse (nicht durchgestrichen) darstellen. Das finde ich jetzt mal eine wirklich gute Aktion.

Eine weitere Einladung ist in der Post, ‚mein‘ Krankenhaus lädt zum Informationstag Brustkrebs Hamburg 2019 ein.

Als ich mich auf den Weg ins öffentliche Bad mache, fängt es an zu schneien. Schneeflocken irren durch den Dampf, der aus dem Becken steigt, mein Blick irrt im Becken umher und sucht die pinke Badekappe. Meine Schwimmfreundin fehlt.

 

25.01.2019

Unterwegs.

Ich stelle die Klangschale, die ich aus Lhasa mitgebracht habe, vor mich hin, und dann kommt der Moment, auf den ich mich schon den ganzen Tag gefreut habe: der Ton der Schale ist wunderschön, leicht vibrierend und immer leiser werdend leitet er uns in die Tiefen der Stille.

Vorher habe ich C., mit der ich am Dienstag allein bei der Meditation bin, gefragt, ob sie einen Onkologen hat. Ich habe nämlich keinen. Sie auch nicht. Meine Hausarztpraxis ist stutzig geworden, da ich bei der Blutabnahme nicht nur den Schilddrüsen- und den Vitamin-D-Wert bestimmen lassen wollte, sondern auch die Werte, die aufgrund der Tamoxifen-Einnahme in die Schräglage geraten könnten. Und dafür sei der Onkologe zuständig. Aber meine Hausärzte sind freundlich und lassen alle Werte überprüfen.

Im Büro angekommen, stelle ich fest, dass ich mein Pillendöschen mit dem Tamoxifen nicht zurück in die rote Handtasche gesteckt habe. Ich ärgere mich, das ist mir noch nie passiert. Ich fahre zurück nach Hause, renne die Treppen hoch, stecke das Döschen ein und laufe die Treppe wieder hinunter. Vor der Tür stelle ich fest, daß ich die Handschuhe nicht mehr dabei habe. Ich ärgere mich wieder, da ich aber nur sportliche sieben Minuten Zeit habe, um die Bahn zurück zum Büro zu bekommen, spurte ich zum Bahnhof. Um 10.10h ruft T. an und fragt, ob unser Meeting heute nicht stattfände. Doch, sage ich, und schaue auf die Uhr; ich bin zu spät dran. Meinen Grafiker frage ich, warum wir denn vier Formate von derselben Anzeige bekommen hätten; während er anfängt zu erklären, merke ich, daß mir die Antwort bekannt vorkommt. J., Habe ich Dich das schon mal gefragt? Er bejaht und gibt sich diplomatisch, diesmal würde er aber noch einen screenshot zur Verdeutlichung schicken. Ich werde vergesslich. Ich gebe meiner Schilddrüse die Schuld, wahrscheinlich ist sie jetzt doch noch in die Unterfunktion gefallen, da stellt sich Vergesslichkeit ein.

Meine Hausarztpraxis ruft an, alle Blutwerte seien in Ordnung. Die Schilddrüse ist unschuldig. Vielleicht komme ich mit drei Meetings am Tag, einem Friseurtermin in der Mittagspause und dem Sport direkt nach der Arbeit etwas ins Straucheln? Ich stelle mich neben mich und fest, daß dem nicht so ist. Ich bin ganz ruhig, mein Blutdruck und mein Puls sind es auch. Vielleicht ist das Wetter schuld? (note to myself: vielleicht wirst Du einfach alt).

Beim Schwimmen bleibe ich drin, da ich im Aussenbecken des öffentlichen Bades keine pinke Badekappe samt Schwimmfreundin darunter ausmachen kann, mit der ich beim Bahnenziehen bei minus 3 Grad die Zeit verplaudern könnte. Im Innenbecken schwimme ich schneller und konzentriert. Hier ist keine Ablenkung in Sicht, dafür umso mehr Platz. Ich sage in Gedanken das Alphabet auf, ein kleiner Test, den ich bestehe. Auch die Einkaufszettel für Freitag und Samstag habe ich im Kopf, genauso wie die Verabredungen am Wochenende. (note to myself: vielleicht darf man einfach mal was vergessen). Zuhause angekommen, stelle ich fest, dass ich alles, was ich mit zur Arbeit und ins öffentliche Bad genommen habe, auch wieder mit zurückgebracht habe. Dafür fällt mir jetzt kein Abschlusssatz ein. (note to myself: es gab schon andere, die Werke unvollendet ließen).

ein unvollendeter Text, dafür ein vollendeter Ton

19.1.2019

Unterwegs.

Eine weiße Schneedecke, die sich über die Gärten des Belvedere, die Oper, die Burg, den Stephansdom und die Kärtner Straße legt…den Gefallen tut mir meine Lieblingsstadt leider nicht. Stattdessen liegt der Himmel grau und schwer über Wien. Es ist kalt.

Um 4.15h bin ich in Hamburg aufgestanden, um 9.30h stehe ich bereits an der Rezeption des weißen stuckverzierten Hotels, das nur einen Steinwurf von der Wiener Oper entfernt liegt. Das Zimmer, welches man für mich im siebten Stock reserviert habe, stehe erst zum regulären Check In um 15h bereit. Man könne mir aber ein Zimmer in der ersten Etage anbieten, das ich sofort beziehen könne. Ich fahre in den ersten Stock, packe kurz aus und mache mich auf den Weg zum Naschmarkt. Ein frühes Mittag mit Shakshuka, das Neni ist proppenvoll. Ich sitze am Tresen und schaue dem lebhaften Treiben zu.

Es ist schön, hier zu sein; ich mag es, Vertrautes wiederzusehen und gleichzeitig Neues zu entdecken. Ich mag es, ganz spontan zu entscheiden, was ich als nächstes machen möchte, ich liebe die Freiheit, einfach dem zu folgen, wozu ich gerade Lust habe.

Heute habe ich Lust auf einen Bummel durch die Kärtner Straße und die Geschäfte. Im Stephansdom zünde ich wieder zwei Kerzen an (eine für Dich, lieber Alex – für ein gesundes, langes Leben).

Im Café an der Oper gönne ich mir Topfenstrudel und ein Glas Sekt, bevor ich eine Ruhepause im Hotel einlege und mich für den Abend im Burgtheater zurechtmache.

Moderne trifft Klassik, und das gleich doppelt: das Ticket ist per App auf meinem Smartphone gelandet, meine Loge in der altehrwürdigen Burg hat ein eigenes Vorzimmer mit samtroter Couch, verschnörkeltem Spiegel und Garderobe.

Die klassische Tragödie Medea (nach Euripides, 431 v.Chr.) wird in die heutige Zeit verlegt und basiert auf einer realen Tragödie, die sich in den USA ereignete.

Anna ermordet ihre Kinder und zündet das Haus an, während der Ruß ganz sanft in das schneeweiße Bühnenbild rieselt.

Auf dem Platz gegenüber vorm Rathaus wird Schlittschuh gelaufen.

18.1.2019

Zuhause.

Wenn mein lieber Freund mitteilt, daß er ab jetzt Veganer sei.
Wenn ich innerlich mit den Augen rolle und antworte, daß man da aber Nahrungsergänzungsmittel einnehmen müsse, um keine Mangelerscheinungen zu bekommen.
Wenn ich ein paar Tage abwarte und nachfrage, ob er immer noch Veganer sei.
Wenn er dies bejaht. (Disziplin können wir.)
Wenn ich feststelle, dass er mit dem Fisch-Restaurant, in dem wir – wie jedes Jahr zum Geburtstag – einen Tisch gebucht haben, selbst vorab diskutieren könne, was man ihm denn nun kredenzen dürfe.
Wenn der Tisch im Fisch-Restaurant abbestellt wird.
Wenn ich mich auf die Suche nach einem anderen Restaurant begebe, das am Feiertag geöffnet hat und etwas Veganes vorbereiten kann.
Wenn das Restaurant an der Elbchaussee sagt, sie könnten sich auf Veganer einstellen.
Wenn das vorgeschlagene 5-Gänge-Menü so interessant klingt, dass ich es für mich auch vorbestelle.
Wenn alle Gäste um uns herum Steaks und Enten und Gänse und Klöße mit Sauce essen.
Wenn das vegane 5-Gänge-Menü optisch grandios ausschaut und auch noch lecker ist.
Wenn wir für’s nächste Jahr sofort wieder reservieren. Veganes Menü, versteht sich.
Wenn ich abends in der Bar einen alkoholfreien Basilikum-Cocktail trinke.
Wenn ich mich frage, wo das noch enden soll 🤔

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15.1.2018

Unterwegs.

Und hier ist unsere sonnige Oase, sage ich. Wir stehen in Socken auf dem orangenen Teppich des Meditationsraumes, das Licht ist weich, die Heizung wärmt, an der Wand leuchtet die goldene Buddha-Figur.
R. hat sich über den Dauerregen beklagt, er und C. und ich sind klatschnass im Psychologenhaus eingetroffen. Den Regen finde ich auch schön, sage ich, und auch den Sturm, das Wetter ist so lebendig, jeden Tag neu und jeden Tag anders. Ich sehe das also von der positiven Seite, setze ich hinzu und schaue aus dem Fenster. Auf der gegenüberliegenden Seite trainieren Fussballer im Flutlicht, in dem der Regen tanzt, der Rasen leuchtet grün.

Nächste Woche sei er nicht da, sagt unser Lehrer, aber wir können trotzdem zum Meditieren kommen. C. und ich nicken uns zu, R. übergibt mir den Schlüsselbund, damit bin ich für den Meditationsraum am nächsten Dienstag verantwortlich. Und der andere Schlüssel sei für die Eingangstür, falls die abgeschlossen sein sollte. Die Eingangstür steht immer offen. Jeder kann ins Psychologenhaus spazieren, in die Gesprächsräume, die Küche, die Stube und in den verwunschenen Garten. Die Psychologen scheinen ein solides Grundvertrauen in die Menschen zu haben.
Dann könnte ich endlich mein Mobiliar herschaffen und hier einziehen, wo ich jetzt die Schlüssel zu meinem Lieblingshaus habe, sage ich.

Am Bahnhof erzähle ich C. von meinen selbstgemachten zuckerfreien Zitronen-Joghurt Gums und den Müsliriegeln, die erstaunlich lecker sind.
Am Bahnhof bleiben wir jeden Dienstag zwanzig Minuten stehen.
Am Bahnhof sprechen wir über ‚unser‘ Thema.
Wir machen das richtig, sagt C. und guckt mich erwartungsvoll an. Wir machen das richtig, bestätige ich ihr. Sie strahlt. Das höre sie immer so gern von mir, dass wir das richtig machen. Mit dem Sport. Mit der Meditation. Mit der gesunden Ernährung. Mit dem positiven Denken. Ein Restrisiko bleibt, meine ich. Aber auch die Gewissheit, sich niemals Vorwürfe machen zu müssen, denn wir tun alles, was wir tun können.
Wir machen das richtig.

Und dann wandere ich wieder zurück durch den Regen und den Sturm, durch die Lichter am Hafen und durch das Leben.

7.1.2019

Unterwegs.

Du bist vor einer halben Stunde von der Arbeit nach Hause gekommen, nass und verfroren, und nun willst Du schon wieder los?!? Mach‘ doch den Weihnachtsbaum nochmal an, leg‘ Dich auf’s Sofa und lies den Krimi weiter, den Du gestern angefangen hast. Vielleicht noch ein leckeres Brötchen mit Mandelmus und einen Tee?
Ich ziehe mein Sportzeug an und versuche, den inneren Schweinehund zu ignorieren.
Du kannst auch im Wohnzimmer Stretching machen. Oder meditieren? Und dann auf’s Sofa? Es ist so schön warm hier!
Ich ziehe die Regenhose über.
Ich ziehe die Regenhose wieder aus.
Ich fange an, mich zu ärgern.
Ich schaue auf die Uhr. In drei Minuten müsste ich los, wenn ich den Bus noch kriegen will.
Und dann steht der Bus wieder im Stau, und Du verpasst (und das nicht zum ersten Mal!)  den Anschlussbus und kannst im Regen zurücklaufen. Für nichts und wieder nichts. Besser, gleich zuhause zu bleiben!
Ich liege aber gut in der Zeit, ich kann einen Bus früher bekommen, dann klappt es auch mit dem Umsteigen an den Landungsbrücken.
Ich ziehe die Regenhose wieder an.
Ich packe die Turnschuhe ein, eine Box mit Nüssen und eine Flasche Wasser, in die ich schnell noch etwas frische Zitrone presse.
Der Schweinehund hüpft wild vorm Fenster und zeigt auf den Regen und die Dunkelheit. Langsam werde ich wirklich wütend. Es ist das erste Taiji-Training in diesem Jahr, das kann nicht schon geschwänzt werden! Ich ziehe die Antarktisjacke an, nehme meinen Rucksack und marschiere zur Bushaltestelle.
In den Unterstand an der Haltestelle regnet es hinein, mein Gesicht und meine Haare sind bereits nass, egal wie ich mich drehe.
Noch kannst Du umkehren, ruft der Schweinehund.
Ich versuche, den Kapuzenpullover tiefer ins Gesicht zu ziehen.
Der Bus kommt. Ich steige ein.
Ich bekomme an den Landungsbrücken den Anschlussbus, sogar einen früher als gedacht.
Auf dem Weg durch den Park zur Turnhalle kommen mir einige Mitschüler entgegen. Du kannst gleich wieder mit uns umkehren, wir gehen einen Tee trinken! Unser Lehrer komme später, und F. hätte den Schlüssel für die Halle vergessen und sei gerade auf dem Weg zurück nach Hause um ihn zu holen. Das Café hat geschlossen, wir stehen im Eingang, immerhin ist es trocken. Ich konnte mich kaum aufraffen, sagt K. Aber die erste Stunde im neuen Jahr kann man ja nicht schwänzen.
Unser Lehrer kommt, auch er durchnässt, wir warten immer noch auf F. und den Schlüssel. P. reicht eine Packung Schokokekse herum, die Stimmung ist fröhlich. R. ruft F. an und fragt wo er mit dem Schlüssel bliebe, ach Mallorca, das sei ja nett, sie lachen und scherzen am Telefon.
Die Schokokekse drehen eine zweite Runde, bevor wir wieder zurück durch den Park in Richtung Halle laufen.
F. taucht auf, mit ihm der Schlüssel, wir fangen leicht verspätet an, was unser Lehrer mit dem Ausfallen der Pausen wieder wettmacht.
Aufwärmen, Reeling Silk, drei 19-er Formen. Die Fenster sind geöffnet, trotzdem schwitze ich. Taiji ist anstrengend, auch wenn es nicht so aussieht.
Bis nächste Woche, verabschiede ich mich von K. Natürlich, antwortet sie. Bis nächste Woche!
Ich laufe im Regen durch Altona zurück zur Bushaltestelle, an türkischen Gemüsehändlern und Teestuben vorbei, meine Laune ist jetzt wieder bestens, wie eigentlich immer nach dem Unterricht.
Irgendwo hinter mir stolpert der Schweinehund hinterher. Abgehängt, rufe ich ihm über die Schulter zu. Disziplin kann ich. Und Laune aufbessern sowieso.

Montag Taiji: ✔️

so stell ich mir den inneren Schweinehund vor. (Also wie das Pokémon Traumato)

4.1.2019

Unterwegs.

Pinker Punkt im trüben Grau.

Damit ist die Entscheidung gefallen; statt ins warme Innenbecken zu gehen, mache ich mich auf den Weg ins Aussenbecken des öffentlichen Bades.

Meine 80-jährige Schwimmfreundin ist nach längerer Abwesenheit wieder aufgetaucht und winkt mir zu; ihre Badekappe leuchtet im Dunst, der aus dem Becken steigt und sich mit dem Nieselregen vermischt. Fünf Grad plus immerhin, denke ich und schwimme dem grauen Himmel und meiner Schwimmfreundin entgegen.

G. – heute haben wir unsere Namen ausgetauscht – hält ihre Hand hoch, als ich ihr zurufe, dass ich sie schon vermisst habe. Gebrochen, ruft sie zurück und dreht das Gelenk hin- und her. Deshalb konnte sie die letzten Wochen nicht zum Schwimmen kommen; aber gestern wurde der Gips abgenommen, somit sei sie ab heute wieder am Start. Auch ihre Gymnastikkurse musste sie ausfallen lassen, stattdessen sei sie täglich ihre 15 Kilometer vom Hafen aus, wo sie wohne, um die Aussenalster spaziert. Das komme mir bekannt vor, erzähle ich ihr, auch ich wurde zwei Wochen durch die Radiojodtherapie vom Schwimmen und meinen Sportkursen abgehalten und sei etwas ratlos durch die Gegend gewandert. Eine ungewohnte Situation für uns beide, so ganz ohne tägliches Fitnessprogramm dazustehen.

Heute schwimmen wir wieder eine knappe Stunde gemütlich nebeneinander her und plaudern, vergessen, dass es nieselt, dass der Himmel grau und das Wasser kühl ist, vergessen die Zeit und haben Spaß daran, zusammen unsere Bahnen zu ziehen.

28.12.2018

Rückblick. Ausblick.

Rückblick.
Wien – Sylt – Travemünde – Zypern – Amsterdam – Myanmar – Travemünde – Sylt – Tibet – Sylt – Travemünde- Zürich – Sylt – Travemünde

14 Reisen in 12 Monaten. Davon 6 Auslandsreisen. Da bin ich jetzt auch etwas baff, als ich meinen Kalender durchblättere.

Montag: Taiji – Dienstag: Meditation (Winter) / Taiji (Sommer)  – Mittwoch: Herzsport – Donnerstag: Geräteraum – Freitag: Schwimmen – Sonntag: Schwimmen/Spaziergehen

6 Tage die Woche Sport und Achtsamkeit, 52 Wochen lang, nach der Arbeit. Es hat Spaß gebracht.

Highlights 2018
Ich stand auf 5200 Metern im Basecamp (Northface) des Mount Everest. Meine Nr. 1 auf der Bucket List. ✔️
Mein erster Gedanke, als ich die Krebsdiagnose hatte, war, dass ich nicht zum Everest gereist bin. Und es jetzt nicht mehr tun kann. Weil es ‚das‘ nun gewesen ist. Ein (wenn nicht sogar DER) mentaler Tiefpunkt im Drama.
Umso wichtiger für mich, genau dieses Abenteuer jetzt angegangen zu sein. Um – was auch immer noch kommen mag – nie wieder den Gedanken haben zu müssen, es nicht gemacht zu haben.
Ein emotionaler Moment, als die Wolken, die über Wochen den Everest verdeckt haben, sich beiseite schoben, am 8. August. Am Tag, an dem er unser Tagesziel war. In dem Moment, als wir vor ihm standen.

Mein Taiji-Lehrer, der mich im Sommer die 19-er Form vorlaufen ließ, um mir dann offiziell zu bestätigen, dass ich sie jetzt laufen kann. Auch das war ein Punkt auf meiner Bucket List. ✔️
Viele wunderbare Taiji-Stunden im verwunschenen Garten des Psychologenhauses mit meinem Lehrer und den Mitschülern.

Dreimal durfte ich dieses Jahr meine Lieblingsband Too Many Zooz live erleben: Amsterdam, Hamburg, Zürich. Jedesmal in der ersten Reihe, jedesmal aufgeregt und glücklich, tanzend und verschwitzt. Ein Foto mit der Band. ❤️ Noch ein ✔️ auf der Bucket List.

Viele schöne Momente im öffentlichen Bad, draußen beim Schwimmen. Den Dunst sehen, der vom Wasser aufsteigt. Das Glitzern der Wasseroberfläche. Die Sonne, die mich zwinkern lässt. Die Bäume, bunt gefärbt. Die klare Luft im Winter. Die Gespräche mit meiner 80-jährigen Schwimmfreundin mit der pinken Badekappe.

Herzerwärmende Momente bei den Herzis. B., die in die Hände klatscht und sich so freut, als ich auf ihren Vorschlag eingehe, einen Vortrag über Tibet zu halten und meine Fotos zu zeigen. Weil Herzis da nicht hinfahren können. H., mit der ich statt in der muffigen Halle in Gedanken im Himalaya unterwegs bin. Dr. A., die immer fröhlich und ansprechbar ist, nicht nur bei Herzproblemen.

Die Wellen und der Wind in Westerland. Die friedliche Stimmung auf der Hafenmole in Travemünde. Der blinkende Leuchtturm. Enlightenment Day of Buddha, zelebriert bei der Shwedagon Pagode in Yangon. Und ich mittendrin in den myanmarischen Festivitäten.

Das Entdecken neuer Lieblingszeitschriften (ein Gesundheitsmagazin und ein Magazin über Psychologie), die ich mir als Reiselektüre im Buchladen auf dem Bahnhof oder am Flughafen kaufe.

Der Gedankenaustausch bei der Meditation mit meinem Lehrer und den Mitschülern. Besonders mit C., die auch letztes Jahr Brustkrebs hatte. Die vielen Äpfel und Birnen aus C.’s Garten und das selbstgemachte Reneklodengelee, welches sie mir mitbringt.

Viele Theater- und Konzertbesuche und Stunden mit Freunden und Familie.

Meine erste Buchveröffentlichung im Dezember! Eine sechsseitige Reisereportage (Auftragsarbeit, nicht zu verwechseln mit dem Logbuch) über die Antarktis wurde in einem Reiseführer veröffentlicht. Darauf bin ich stolz.

Dank der Radiojodtherapie Ende November kann ich viel besser atmen und schlucken und schlafen. Die ersten Blutwerte zeigen, dass die Schilddrüse trotz der heimtückischen radioaktiven Attacke tapfer weiterarbeitet und nicht bockig mit einer Unterfunktion kontert.

Mich neben mich zu setzen und zu fragen: wie geht es Dir? Das tue ich häufig. Ich achte auf mich selbst.

Die Erkenntnis, dass es darum geht, sich selbst zu lieben. (klingt egozentrisch und pathetisch, aber ein liebevoller Umgang mit sich selbst ist lebenswichtig).

Nicht-Highlights 2018
Momente der Angst, wenn mir irgendetwas wehtut, was ich nicht einordnen kann. Rippenschmerzen. Schulterschmerzen. Geschwollener Lymphknoten. Der falsch gelesene Arztbericht der vorstationären Untersuchung der Schilddrüse des großen Krankenhauses. Worte wie Malignität, Thyroid Cancer Guidelines und abklärungsbedürftig lassen meinen Verstand kurzzeitig aussetzen. Die Angst hat einen realen Hintergrund. Deshalb ist sie ok. Und es ist ok, achtsam zu sein. Und – sobald der Verstand wieder durchblitzt – diesen zu nutzen und lösungsorientiert vorzugehen. Das läuft eigentlich ganz gut. Und es sind sehr wenige Momente, in denen ich mich ängstige.

Stress bei der Arbeit. Lösungsvorschläge habe ich bereits erarbeitet. Es liegt ausschliesslich an mir, welchen Weg ich nun einschlagen werde. Wie allerdings schon die Psychologin im Juli 2017 im Sanatorium treffend feststellte – ich bin niemand, der mit einem Sachbearbeiterjob glücklich sein würde. Mein ungebrochener Enthusiasmus und Ehrgeiz machen dem einen Strich durch die Rechnung. Das wird noch interessant in 2019.

Ausblicke und Ziele 2019.
Ich werde am 25. März nachts unter dem Sternenhimmel am See Genezareth stehen.
Und im toten Meer baden.
Im Zodiac um Eisschollen herummanövrieren, während über mir die Nordlichter, die Aurora Borealis, tanzen, irgendwo in Grönland, irgendwo im Schnee.
Ich werde Too Many Zooz auf einem Konzert ihrer Europatournee 2019 zujubeln, in einer Stadt, in der ich noch nicht gewesen bin.
Zu einer britischen Hochzeit nach Cheshire werde ich fahren. Mit Hut.
Viele schöne Stunden mit Taiji und Mediation und beim Schwimmen im Aussenbecken des öffentlichen Bades werde ich erleben. Das steht fest, genauso wie mein Sportprogramm.
Treffen und Lachen mit Freunden und Familie.
Die Stiftung ‚meines‘ Krankenhauses ehrenamtlich unterstützen.
Neue Ziele ausmachen.
Vielleicht doch Trekking zum Basecamp (Nepal/Southface) mit George Hillary (dem Enkel von Sir Edmund Hillary) auf die Bucket List setzen. George Hillary hat ein Everest-post von mir auf Instagram gelikt, ich bin begeistert! (note to myself: auch dort wird es keine sanitären Anlagen geben – und Du hast in Tibet wirklich darunter gelitten! Und wer beim Stiefmütterchenpflanzen schon Rückenprobleme bekommt, der wird nicht tagelang mit Rucksack durchs Gebirge klettern können! tbd with myself)

Gesund bleiben.

Ich freue mich auf 2019.

23.12.2018

Meine Weihnachtsgeschichte oder der 25. Dezember

Seit frühester Kindheit pflegt unsere Familie eine besondere Weihnachtstradition: Wir gehen am 25. Dezember in die Abendvorstellung des Hansa-Theaters. Das Hansa-Theater liegt am Steindamm; ein altes Variete-Theater, das nicht so recht in seine verwahrloste  Umgebung in der Nähe des Hamburger Hauptbahnhofs passt. Das Hansa-Theater hat seine besten Zeiten hinter sich. Hier traten schon Hans Albers auf und Siegfried und Roy mit ihren Tigern. Und hier gehen wir jedes Jahr mit der Familie hin. Als Kind war dies ein größerer Ausflug – nebst Eltern und kleinem Bruder waren auch Tanten, Onkel, Cousins und Cousinen, Oma und Opa und sogar Uroma mit von der Partie. Übrig geblieben sind meine Eltern und ich. Die anderen Familienmitglieder sind gestorben oder wohnen jetzt in anderen Teilen der Welt.

Jedes Jahr gibt es das gleiche Procedere: bevor wir in die Abendvorstellung können, müssen wir noch mindestens eine halbe Stunde im kalten Auto auf dem kleinen Parkplatz hinter dem Theater warten, da mein Vater alle Jahre wieder Angst hat, nicht rechtzeitig einen Parkmöglichkeit zu finden. So sitzen wir im dunklen im Auto auf dem halbleeren Platz und schauen gespannt auf die Wohnwagen der Künstler, die hier ebenfalls parken, sehen das Licht hinter den kleinen Fenstern mit den Spitzengardinen, und manchmal sieht man sogar schon einen Pudel, der später auf der Bühne das Publikum begeistert.

Wir gehen stets durch den Hintereingang ins Theater, an der Garderobe und den wunderschönen antiken Toiletten vorbei,  hinein in den Saal. Vorne im Saal und in den Logen stehen runde Tische – der hintere Bereich besteht aus kleinen Viererreihen mit plüschigen Sesseln, vor denen ein schmaler Tisch mit dekorativen Schmiedeelementen, einer kleinen Lampe und dem Schalter, mit dem man den Kellner rufen kann, angebracht ist. Früher bestellten wir uns immer den Theaterteller: der bestand aus kleinen Stücken Schwarzbrot mit Käse und Mettwurst, und als Deko  gab es zwei Salzstangen. Noch Wochen nach unserem Besuch bekamen wir zuhause zum Abendbrot von unserer Mutter einen Theaterteller.

Nach der Diashow, die die Geschichte des Hansa-Theaters zeigt und dem ersten  Einsatz des Live-Orchesters, beginnt die Show: Willkommen im Hansa-Theater. Clowns schlagen Purzelbäume,  der Pudel vom Parkplatz springt mit seinen Brüdern und Schwestern durch die Reifen, die Akrobaten bauen menschliche Pyramiden, während sie auf dem Rad die kleine Bühne umkreisen. Wir sitzen im hinteren Teil des Saals – der Grund ist, dass wir alle nicht darauf erpicht sind, von den Spaßmachern auf die Bühne gebeten zu werden und ihnen bei ihrem Auftritt zu assistieren – und das passiert hier in schöner Regelmäßigkeit, wenn man vorne seinen Platz hat.

Einmal waren wir am 26. Dezember in der Vorstellung. Am 26. Dezember habe ich Geburtstag.  „Hat heute jemand Geburtstag?“ fragt der Komiker auf der Bühne. Meine im ganzen Saal verstreute Familie dreht sich erwartungsvoll zu mir um. Mein Herz schlägt bis zum Hals – ich will nicht auf die Bühne. Also melde ich mich nicht. Eine andere Dame meldet sich – sie bekommt ein Geburtstagsständchen vorgetragen – Happy Birthday, rückwärts gesungen. Grad noch mal gut gegangen, auch wenn die Familie etwas enttäuscht über meine Nicht-Meldung ist. In der Pause stehen die Raucher vor der Tür und schauen auf den tristen Steindamm. Ich stehe vor dem Tannenbaum im Foyer, der jedes Jahr reich mit Lametta behängt und mit glänzenden silbernen Kugeln geschmückt ist. Das ist mein Lieblingsweihnachtsbaum. Mein eigener Weihnachtsbaum sieht heute noch aus wie ein Zwilling des Baumes im Hansa-Foyer.

Es kann übrigens noch schlimmeres passieren, als unfreiwillig auf der Bühne  assistieren zu müssen. Ich bin 9 Jahre alt. Wir sitzen an unserem schmalen Tisch mit dem hübschen Gitter, das uns von der Reihe vor uns trennt. Und da passiert es. Mein Orangensaft kippt um. Gebannt starre ich auf den Saft, der langsam in den Kragen des Herren vor mir tropft. Clowns schlagen Purzelbäume, der Pudel vom Parkplatz springt mit seinen Brüdern und Schwestern durch die Reifen – und der Saft tropft weiter in den Kragen meines Vordermannes. Von der Show bekomme ich nichts mit – der Herr zum Glück auch nichts von dem Unglück hinter ihm. Selbst nach der Pause – und ich erwarte ein Donnerwetter – geschieht nichts.

Doch es kommt schlimmer.

Jedes Jahr nach der Pause folgt der eigentliche Höhepunkt. Es  sind nicht die Radfahrer, Sänger oder Bauchredner, die uns zu Tränen rühren und unser persönliches Weihnachts-Highlight sind. Jedes Jahr nach der Pause, wenn die Zuschauer ihre Plätze eingenommen haben und es dunkel und still im Saal wird, ertönt „O Tannebaum“;  die schwarz gekleideten Kellnerinnen mit den weißen Spitzenschürzen und die  einen schwarzen Anzug tragenden Kellner schreiten langsam hintereinander die Gänge hinunter, jeder hat einen kleinen beleuchteten Weihnachtsbaum in der Hand. Während die Kirchenglocken vom Band läuten, wünscht uns das Hansa-Theater frohe Weihnachten. Es ist der festlichste Moment im Jahr.

Eines Jahres waren wir am 27. Dezember in unserem Hansa-Theater: die Pause ist beendet, wir sitzen im Dunkeln erwartungsvoll auf unserem Platz, die Kellner nehmen ihrerseits ihre Plätze im Saal ein – und dann geschieht es. Kein „O Tannebaum“ erklingt – es ist ein anderes Lied – und schlimmer – die Kellner haben ihre Weihnachtsbäumchen gegen silberne Tabletts  ausgetauscht, die sie emporstrecken. Auf den Tabletts präsentieren sie dicke rosa Glücksschweine. Was für eine Enttäuschung! Seitdem gehen wir wieder am 25. Dezember ins Hansa-Theater. Nicht am 26. Dezember und erst recht nicht am 27. Dezember.

Das Theater  war einige Jahre geschlossen; als ich vor der Schließung ein letztes Mal die Karten an der Kasse am Steindamm holte, durfte ich mir meine Sitzplätze im Saal aussuchen. Die Proben liefen gerade, als mir der alte Herr zeigte, unter welchen Plätzen ich noch wählen könnte. In den Jahren dazwischen sind wir in die Oper ausgewichen: Hänsel und Gretel statt Clowns, Zauberflöte statt Akrobatik, Boheme statt Theaterteller.

Nun hat das Hansa-Theater seine Pforten wieder geöffnet. Meine Eintrittskarten muss ich zwar im Internet auf dem Sitzplan auswählen, der klassische Theaterteller wurde vom teuren Fischteller verdrängt, wir gehen nicht mehr mit der Großfamilie sondern zu dritt. Aber wir gehen wieder am 25. Dezember in die Abendvorstellung. Und wir freuen uns auf das Ende der Pause. Dann werden die Kellner wieder zu „O Tannebaum“ mit ihren beleuchteten Tannenbäumchen ihre Aufstellung einnehmen und uns frohe Weihnachten wünschen.

Dezember 2010

Ich wünsche Euch ein besinnliches Weihnachtsfest und friedliche Feiertage.

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18.12.2018

Unterwegs.

J. trägt einen grün-seidenen Kimono als er die Tür öffnet. Er ist barfuß. Ich schnaufe. Die  Wohnung liegt im Dachgeschoß eines Altbaus in Eimsbüttel, einen Fahrstuhl gibt es nicht, dafür fünf Stockwerke und eine Wendeltreppe. Zur letzten Meditation des Jahres hat J. uns zu sich nach Hause eingeladen; nach dem Sitzen wollen wir gemeinsam essen. J. führt mich durch die Wohnung, die anders aussieht, als ich es von dem (normalerweise) im Anzug erscheinenden Mitstreiter, der bei einem Flugzeugbauer arbeitet und Meetings mit chinesischen Kunden hat, erwartet habe. Die Zimmer sind mit japanischen Tatami-Matten ausgelegt, auf denen bunte Kissen liegen, eine Klangschale steht vorm Spiegel auf dem Flur. Es gibt unzählige Bücher und Holzkisten.  Frauenportaits aus einem entfernten Jahrhundert hängen museumsgleich an den Wänden, aber auf Oberschenkelhöhe. Jetzt weiß ich, was mich irritiert. In dieser Wohnung gibt es keine Möbel. Kein Bett, kein Kleiderschrank, keine Couch, keine Sitzecken, keine Stühle, keine hohen Tische. Zwei Sitzgelegenheiten ohne Beine und ein Tisch, vor den man sich hinknien kann, stehen im Wohnbereich. Dann passt es auch mit den niedrig hängenden Bildern an den Wänden, denke ich.

C. erscheint, auch sie ist am Schnaufen. Sie streckt mir ein Glas selbstgemachtes Reneklodengelee entgegen, ich habe ihr ein Gesundheitsmagazin mitgebracht. C. hat einen Radiobeitrag eines Arztes über Mikronährstoffe gehört, über den sie sich sofort mit mir austauschen möchte. Ich esse immer das, was mir schmeckt, sagt unser französischer Gastgeber. Er weiß nicht, daß zwei Brustkrebspatientinnen vor ihm stehen, die ihre Ernährung auf den Kopf gestellt haben und sich dienstags nach der Meditation mit Begeisterung darüber austauschen. Wir sind jedenfalls schon gespannt, was es nachher bei unserem Franzosen zu essen geben wird.

Der Gong ertönt, am immer leiser werdenden Ton gleite ich hinab in mein Inneres und fokussiere mich auf den Atem. Mit dem Gongschlag 70 Minuten später kehre ich wieder zurück.

Wir platzieren die bunten Sitzkissen um den niedrigen Tisch, es wird eng mit sechs Personen, aber es geht. J. hat eine Süßkartoffel-Ingwer-Suppe mit frischen Kräutern gekocht. Dazu gibt es einen grünen Salat, leckeres dunkles Brot, Butter, diverse Käsesorten,  vegetarische Brotaufstriche, Mandarinen und grünen Tee. C. und ich sind begeistert, das passt perfekt in unser Ernährungskonzept.

Die Konversation ist locker und anregend; mit R. besuchen wir Meditations-Retreats und reisen nach China, mit N. verfolgen wir das dumpfe Grollen in der Mongolei, das langsam anschwillt und zu einer riesigen Yak-Herde gehört, die um uns herum galoppiert, ich nehme die Gruppe mit in die weiten Hochsteppen des Himalaya zum Teetrinken, derweil unser Bus im reißenden Fluss feststeckt und auf Rettung wartet. Wir besuchen C. in ihrem schönen Garten im Grünen, aus dem sie mir immer Äpfel mitbringt und fahren mit A. und J. nach Japan.

Es ist ein wundervoller Abend, an dem wir gemeinsam durch die Welt und zu uns selbst reisen. Wir schmieden Pläne für’s nächste Jahr. Vielleicht ein gemeinsames Retreat. Vielleicht zusammen C. in ihrem Garten besuchen. Und gemeinsam Schweigen werden wir sowieso.

passend zum post trifft gerade das Rezept ein (evtl geht auch Haferdrink statt Milch – muss ich mal testen)

10.12.2018

Unterwegs.

Dort, wo sonst der Strand ist, ist nun das Meer. Der Sturm heult durch die Kälte, die meterhohen Wellen werfen sich krachend ans Land. Hinter den dunklen Wolkenschichten leuchtet es. Die Sonne scheint sich vervielfältigt zu haben. Gischt fliegt durch die Luft und mir ins Gesicht. Die Lippen sind salzig, die Augen voll Sand, sie tränen. Oder es ist der Regen, der an den Wangen herunterläuft, oder das Meer. Ich gehe eine Synergie mit der Natur ein, die so wild um mich tost. Das ist Leben. Und es ist wunderbar.

Nachtrag: ich vermute, dass ich heute beim großen Bahnstreik in der einzigen Bahn saß, die fuhr. Pünktlich. Nach Westerland.

6.12.2018

Zuhause.

Einen Termin habe ich aber nicht, stellt mein Hausarzt fest, ob ich ein Notfall sei. Wie immer haben mich die netten Arzthelferinnen blitzschnell durchgewunken, obwohl das Wartezimmer voll ist. Ich verneine, ich bräuchte nur eine Krankmeldung, die könne das Krankenhaus nicht ausstellen. Dann sei ich ein Notfall, beschließt mein Gegenüber.
Wer mich denn ins Krankenhaus eingewiesen hätte, fragt er weiter. Sie, antworte ich.
Und wo ich die Blutwerte in zwei Wochen überprüfen lassen solle. Na auch bei ihm, sage ich und finde, dass einer von uns beiden heute ein Konzentrationsproblem hat. Ich bin das nicht.
Die Arzthelferinnen sind aber auf Zack, ich bekomme zum (kurzen) Warten einen Stuhl in den Konferenzraum gestellt, damit ich niemanden kontaminiere, der Termin zur Blutabnahme ist sofort abgemacht, die Krankmeldung ausgedruckt.

Bis auf einen dicken Hals und einem einzuhaltenden Sicherheitsabstand von einem Meter zu Anderen (vor allem zu Schwangeren und Kindern) geht es mir gut. Einkaufen und Busfahren darf ich, allerdings sind lange und enge Kontakte wie zum Beispiel Theaterbesuche, Büro und der Besuch meiner Sportgruppen, des Gyms und des öffentlichen Bades zu unterlassen. Keine Sportgruppen. Das trifft mich dann schon.
Spazierengehen könne ich, sagt mein Hausarzt und wiederholt damit, was mir auch die Ärztin im Krankenhaus gesagt hat.

Ich gehe spazieren. Durch die Hafencity im Regen und einem Eisbecher, den ich allein in der Kälte vor dem Café esse. Um die Aussenalster, es nieselt, bis auf ein paar Jogger und Hundebesitzer sind keine Menschen unterwegs. Im leeren Cliff streiten sich zwei Kellner, einer verlässt wütend das Lokal, den anderen kann ich heranwinken und bestelle eine Waffel mit heißen Kirschen und Sahne. In Eppendorf sind die weißen zuckergussartigen Jugendstilvillen von einem grauen Schleier bedeckt, ich kaufe mir Blumen für die Küche und das Wohnzimmer und ein Buch über die Anatomie des Taiji.
Zuhause gibt es Dinkelkaiserschmarrn mit Äpfeln.

Mittlerweile bin ich sehr ausgeglichen, so ausgeglichen, dass ich bereits alle Weihnachtskarten verschickt und alle Geschenke verpackt habe. Ich mache mich sogar an die Ablage der letzten zwei Jahre, die sich unsortiert in einem Schränkchen befindet und mir sofort entgegenfällt, als ich diesen öffne. Ich stelle Unterlagen für die Steuererklärung 2018 zusammen. Ich buche eine Reise. Lachen muß ich, als mich mein Azubi hektisch anruft, das Restaurant, bei dem ich für die Weihnachtsfeier gebucht habe und denen er – wie mit mir abgesprochen – die finale Teilnehmeranzahl durchgeben wollte – hätte keine Reservierung von uns vorliegen. Natürlich habe ich reserviert, ich dirigiere ihn aus der Ferne durch meine Ordner auf dem PC, auf die er zum Glück Zugriff hat, denn mein Firmenhandy speichert emails nur über einen bestimmten Zeitraum. Wenn ich schon gerade dabei bin, werfe ich auch einen Blick auf die eingegangenen 369 emails, auf zwei antworte ich.

Der Blick auf den Schrittzähler zeigt an, daß ich heute Abend noch eine Runde um den Block drehen muß. Ich liebäugele damit, spontan zwei Tage nach Sylt zu reisen. Am Strand längswandern ist schöner. Und kontaminieren lässt sich da auch niemand.

29.11.2018

Im Krankenhaus.

Nachts höre ich die Hubschrauber. Nebenan ist die Notaufnahme.
Es regnet.
Das Zwischenbad, das ich mir mit einem älteren Herren teile, ist dauernd besetzt. Ich höre, wie er mit seinem Stock hinein humpelt und die Zwischentür zu meinem Zimmer abschliesst. Auf dem Bord stehen seine Zahnbürste, Zahnpasta und eine geöffnete Dose mit einer Seife. Sonst nichts.
Ich lege meine Zahnbürste, Zahnpasta, Narbensalbe, Sanddorn-Duschlotion, Reinigungsmilch und Sanddorn-Bodylotion daneben und beschließe, meine anderen Cremes und Dosen im Zimmer zu lassen.

Gestern Abend, beim Hören von Chopins Klavierkonzerten, habe ich das Fenster ausser Gefecht gesetzt, nachdem der Pfleger fragte, ob alles ok sei und ich dies bejaht hatte. Ich muss läuten, ich kann das Fenster nicht die ganze Nacht geöffnet lassen, es ist schon jetzt empfindlich kalt in meinem Zimmer. Waren Sie das?, fragt er mich. Ich muß das bejahen, außer mir ist ja kein anderer Mensch in der Nähe. Er hat den passenden Schlüssel dabei, mit dem er das eingedrückte Schloss wieder öffnen kann. Es ist mir schon etwas peinlich, aber nun kann ich das Fenster wieder schliessen.

Ich lege mich ins Bett, den Kopf am Fussende, damit die Hilfsgriffe nicht über mir hängen und schaue etwas Aktenzeichen XY. Es klopft, es ist spät, es ist der Nachtpfleger.
Er wolle sich kurz vorstellen und schauen, ob alles ok sei – und stellt fest, dass ich falschrum liege und der Fernseher in einem schlechten Winkel zum Gucken stünde. Das stimmt, sage ich, aber ich habe mich nicht mehr zu melden gewagt, ich hätte ja schon das Fenster…er lacht. Das habe er schon gehört. Dann richtet er mir den Fernseher ein. Nicht so dicht an mich rankommen, rufe ich, ich strahle! Ja, sagt er, er kenne die Regeln, alles gut. Mir gefiele es hier bisher, plaudere ich los. Der Pfleger schaut überrascht, ich lobe das Mittag, das freundliche Personal, mein schönes Zimmer…aber ich dürfte auch die Nachteile hinterher in den Bewertungsbogen reinschreiben, antwortet er. Ich vermute, er hat eine andere Sichtweise auf das Leben und Arbeiten im Krankenhaus. Ausschlafen könne ich morgen auch, das Frühstück gebe es erst ab 8.00h.

Ich stehe um 7.00h auf, mache mich frisch (duschen darf man nur alle drei Tage) und lege eine Runde Stretching ein. Meine Schilddrüse ist angeschwollen. In dem gegenüber liegenden Gebäude gehen die Lichter an; die Büros füllen sich, Ärzte und Pfleger laufen durch die Gänge, an einem Fenster zieht sich ein Arzt um. Ich schaue interessiert und wende den Kopf ab, als er nur noch in karierten Boxer-Shorts da steht. Als ich wieder hinschaue, ist er angezogen, diesmal im weißen Outfit.

Ich lese etwas, werkele am Konzept für die Stiftung des Mammazentrums, bestelle mir die Weihnachts-LP meiner Lieblingsband und Weihnachtskarten von der Deutschen Krebshilfe und lege eine Liste mit Buchbesprechungen für 2019 an.
Dann Taiji-Übungen, 19er-Form und Reeling Silk. Zur Weihnachtsmusik von Too Many Zooz tanze ich durch’s Zimmer, bis es an der Tür klopft. Oh, ich sei gerade mitten in…schon ok, antworte ich schnell, und folge der Ärztin zum Strahlenmessen.

Als ich später wieder ins Badezimmer gehe, ist es um eine Seifendose, eine Zahnbürste und eine Zahnpasta leerer.

Hier hat alles einen barcode. Ich auch.

28.11.2018

Im Krankenhaus.

Ich möchte gern eine Woche in ein Kloster. Jetzt bin ich voraussichtlich eine Woche in der abgeschlossenen Nuklearmedizin im großen Krankenhaus. Allein im Einzelzimmer. Auf Abstand. Das ist auch fast wie ein Aufenthalt im Kloster. Allerdings ohne Klostergarten. Dafür umsonst.

Ich habe zwei Bücher dabei: Unter den Menschen (Mathijs Deen) und Into the Silence (Wade Davis). Gegensätzliche Titel. Aber auch passend für den Moment.

Kontemplation. Sensorische Deprivation. Darf ich mein Handy behal….neeein, stop, nicht das Handy wegneh…oh no…kann ich…hallo…ha…

25.11.2018

Unterwegs.

Du wirst im Krankenhaus eine Menge Schluckauf haben, sagt B.
Warum? frage ich das Herzi erstaunt.
Weil wir an Dich denken werden, antwortet sie.
Ich mag meine Herzis.

J.? rufe ich. Der Franzose dreht sich erstaunt um. J! Wir vermissen Dich schon bei der Meditation! J. hat mich erst gar nicht erkannt, außerhalb unseres Meditationsraumes, in dem ich immer in dunkelblauem Sportdress sitze.
Heute stehen wir uns überraschenderweise im öffentlichen Bad gegenüber, in Badehose beziehungsweise getüpfelten Badeanzug und einer Badekappe, die wie ein Turban ausschaut. Die Badekappe habe ich mir für draußen zugelegt, da es mir langsam zu kalt wird, eine Stunde mit nassem Kopf durch das morbid-herbstliche Ambiente des Aussenbeckens zu schwimmen.
C. habe letztes Mal selbstgemachtes Renekloden-Gelee für ihn dabei gehabt, ich würde immer noch jeden Dienstag den Glücksbringer aus Tibet für ihn mitbringen. J. freut sich und wird versuchen, am Dienstag wieder dabei zu sein, wenn es die Arbeit erlaubt.

Zitronen, Wurzeln, Haferflocken, Nüsse, Bananen, Fön – stehen auf meiner Merkliste für den Koffer, den ich angefangen habe, für das Krankenhaus zu packen.

Außerdem werde ich mein Laptop mitnehmen und ein Konzept für die Stiftung ‚meines‘ Krankenhauses erstellen; das nächste Meeting für Mitte Dezember wurde heute bestätigt. Da kann ich die Zeit in der Abgeschiedenheit der Nuklearmedizin effizient nutzen.

20.11.2018

Im anderen Krankenhaus.

Projekt Schilddrüse.
Jetzt weiß ich, warum mir das Krankenhaus mitgeteilt hat, ich möge vier bis fünf Stunden Zeit einplanen. Dieses Krankenhaus ist eines der größten in Hamburg, über 1.700 Betten gibt es hier. ‚Mein‘ Krankenhaus, in dem ich gestern zum Stiftungsgespräch war, hat gerade mal 21 Betten – zählt aber zu Deutschland’s renommierten Mammazentren.

Im großen Krankenhaus schickt man mich von A nach B und dann nach C und wieder zurück nach A. Als Orientierungslegastheniker, der ich bin, ist das eine Herausforderung; Gänge, weitere Gänge, Abzweigungen, Türen, Treppen rauf und runter, weiter mit dem Lift – das ist meine heutige Sporteinheit. Großes Lob, als ich vom Empfangzentrum der stationären Aufnahme zurück im Souterrain in der Nuklearmedizin auftauche: das ginge ja schnell, wird mir bescheinigt. Seit 8.00h bin ich im Krankenhaus kreuz und quer unterwegs; Arztgespräch, Ultraschall, Blutabnahme, Spritze, Szintigrafie, Probe-Tablette mit radioaktivem Jod, mehrmalige Strahlenmessungen, Registrierung, Besuch und Einweisung auf der geschlossenen Station, in die ich nächste Woche einchecken werde und auf derer Tür ein riesiges gelb-schwarzes Warnzeichen prangt – Nuklearbereich.

Auch in diesem Krankenhaus sind wirklich alle sehr freundlich, die Ärztin, bei der ich beim vorigen Mal zum Erstgespräch war, erinnert sich an mich, wir plaudern. Die medizinische Assistentin schiebt bereitwillig eine Liege ins Zimmer für die Blutabnahme und bemerkt wohlwollend, dass ich vorher Bescheid gebe anstatt nachher bei der Entnahme zusammenzuklappen. Auf der geschlossenen Nuklear-Station, an deren Tür ich klingeln muß, empfängt mich Schwester S. Sie strahlt (Ha! Wortwitz!) mich an, man würde sich hier schon fragen, wo ich meinen merkwürdigen Nachnamen her habe. Das kenne ich schon, ich kontere standardmäßig mit einer witzigen Antwort.

Sportgeräte dürfe ich nicht mitbringen, erklärt mir Schwester S., Meditation und Taiji seien ok. Nüsse, Wurzeln, Äpfel usw. darf ich hingegen im Gepäck führen, und auch einen Kühlschrank gäbe es, wo ich meine extra-Nahrung lagern könne. Ich kreuze in einem hübsch-gedruckten Flyer an, was ich morgens, mittags und abends essen möchte und entspanne mich. Klingt alles lecker und passt mit meinen Ernährungsvorstellungen zusammen.

Zwischendurch pausiere ich auf einer Bank und freue mich über meine neue Frühstücks-Lunch-Box.

Nach fünf Stunden verlasse ich das Krankenhaus, morgen früh folgt Teil 2 der vorstationären Untersuchungen.

19.11.2018

Im Krankenhaus.

Nach der Arbeit fahre ich in ‚mein‘ Krankenhaus, ich habe dort einen Termin mit einer Dame aus dem Vorstand der Stiftung. Die Stiftung unterstützt Brustkrebspatientinnen mit interessanten Sportangeboten, Vorträgen über Ernährung oder auch Humangenetik, Gesprächskreisen, Breast Care Nurses, Kühlkappen bei Chemo, Kreativkursen oder auch mit Terminen bei Psychoonkologen.

Wir unterhalten uns sehr angeregt; ich unterbreite einige Vorschläge, wie ich die Stiftung mit ehrenamtlicher Hilfe untersützen könnte. Nach 45 Minuten steht fest: wir werden etwas zusammen auf die Beine stellen.

Mitte Dezember planen wir ein Meeting, an dem auch Ärzte und weitere Vorstandsmitglieder teilnehmen werden.

Ich möchte etwas von der Hilfe, die ich hier bekommen habe, zurückgeben.

18.11.2018

Unterwegs.

Ob ich mich vorher auch so gesund ernährt hätte, fragt mich B., während sie sich etwas von ihrem Bauernfrühstück auf die Gabel füllt. Nein, antworte ich meiner Herzi-Mitstreiterin, aber durch den Schock und den ersten Ernährungsvortrag, den ich mir bereits im Krankenhausbett einen Tag nach der Operation vom Arzt anhören durfte, wurden meine Süchte sofort eingestellt. Ich erinnere mich noch daran, dass ich meine Lieblingsschokolade aus Chile, die ich extra als Trost eingepackt hatte, umgehend in den Mülleimer befördert habe. Ich wusste nicht, dass Krebs sich von Zucker ernährt. Und das Weizenmehlbrötchen mit Salami auch nicht viel gesünder sind.

Ich finde es interessant, daß B. ihre Zeitrechnung auch in ein vorher und ein nachher eingeteilt hat. Was zwischen dem vorher und dem nachher liegt, bleibt unausgesprochen.
Jedenfalls schaue ich sehr bestürzt drein, als unsere Trainerin und ein Herzi nach dem Abendessen in der Wirtschaft zum Rauchen vor die Tür verschwinden. Auch gegen eine Sucht kann man etwas tun, wenn diese nicht durch Schock ausgelöscht wird – wie bei mir, und Schokolade habe ich in der Tat sehr viel gegessen. Ich kasteie mich nun nicht, aber ich bin sehr diszipliniert, ich weiß ja, wofür ich das tue. Ich will leben und das noch möglichst lange und gesund. Also sitze ich heute Abend als Einzige mit einem Salatteller in der Wirtschaft, während die Herzis Rinderroulade und panierte Schnitzel vertilgen.
Zum Nachtisch teile ich mir aber eine Portion Topfenpalatschinken mit Zwetschgen und genieße diesen umso mehr, da dies eine Ausnahme ist, eine sehr leckere, zugegebenermaßen.

Dann krame ich meinen Laptop aus der Tasche. Tische und Stühle werden umhergerückt, denn alle zwölf Herzis wollen nun mit mir durch Tibet reisen. Und danach sogar noch durch die Antarktis; vorausschauenderweise hatte ich den zehnminütigen Film unseres chinesischen Vogelkundlers eingepackt. Es ist ein schöner Abend, hier in der Wirtschaft in Uhlenhorst, hier mit meinen Herzis.

Am Sonntag mache ich mich zu einer zweistündigen Wanderung auf, entlang der Hamburger Kanäle. Eine Gegend, die ich nicht kenne, da ich sonst immer entgegengesetzt in Richtung Aussenalster marschiere. Jugendstilbauten säumen die Finkenau, auf dem Wasser liegen Hausboote und am Kanal umgedrehte Kanus, über die sich das Herbstlaub gelegt hat. Es nieselt.

Zurück zu Hause wärme ich mir die restlichen Vollkornnudeln mit frischen Tomaten und Basilikum auf, zum Nachttisch gibt es ein Vollkornbrot mit Frischkäse und selbstgemachtem Renekloden-Gelee, das mir C., meine Freundin aus der Meditationsrunde, am Dienstag geschenkt hat.

Ein ruhiges Wochenende geht zu Ende, eine spannende Woche liegt vor mir.

11.11.2018

Unterwegs.

Den kalten Wind auf den Wangen spüren, während ich auf der Fähre nach Övelgönne fahre.
Den Kragen meiner roten Jacke höher ziehen.
Den Elbsand an den Schuhen mit der Hand abstreifen.
Dem Rascheln der goldgelben Blätter lauschen, durch die ich marschiere.
Die kleine Pause, in der ich mein Ingwer-Wasser, die Wurzel und die Dinkel-Sesambrote auspacke, die ich zur mittäglichen Einnahme des Tamoxifens esse.
Immer weiter gehen, weiter und noch weiter und irgendwann beschließen, nicht umzukehren.
In Teufelsbrück auf dem Anleger in der Sonne sitzen und auf die Fähre nach Finkenwerder warten.
In die Sonne blinzeln.
Dem Drang widerstehen, ein Würstchen mit Senf zu kaufen.
Den Beschluss fassen, sich zuhause mit einem Hafer-Apple-Zimt-Crumble zu belohnen.
Die Elbe glitzern sehen. Feststellen, daß „Glitzern“ mein Lieblingswort ist.
In Finkenwerder auf die nächste Fähre umsteigen und Richtung Landungsbrücken fahren.
Den beiden taubstummen Damen fasziniert zusehen, die sich angeregt in Gebärdensprache unterhalten.
Der Radler, der mit einem dünnen gelb-schwarzen Shirt bekleidet ist und sich schützend die Arme um den Oberkörper schlingt.
Die kühle, leicht salzige Luft einatmen.
Noch einmal auf eine andere Fähre umsteigen und nachhause fahren.
Bei meiner kalifornischen Freundin nachfragen, ob sie und die anderen ok sind (sind sie).
Den Apple-Crumble in den Ofen schieben und sich über den Apfel-Zimt-Duft freuen.

Kleine Übung in Achtsamkeit.

6.11.2018

Unterwegs.

Ich atme tief durch, als ich nach draußen schwimme. Das Wasser ist kalt, die Luft noch kälter. Dunst steigt über dem Aussenbecken des öffentlichen Bades auf, doch einige Tapfere ziehen ihre Bahnen. Das 90-jährige Pärchen ist nach mehreren Wochen Krankheit wieder dabei, drei plaudernde Rentnerinnen und ich. Auf der Schnellbahn ist mehr los; in gleichmäßigem Rhythmus kraulen die Kampfschwimmer hin und her, Wassertropfen fliegen durch die Luft um wieder ins Becken einzutauchen.

Während ich meine Bahnen ziehe, denke ich an das phänomenale Konzert und die Ansprachen, die Matt, Leo und der King of Sludge auf der Bühne gehalten haben: wie dankbar sie seien, dass sie hier in Zürich auftreten können und überhaupt 11 Monate im Jahr on tour sind – weil wir, ihre Fans, es ermöglichen, weil wir sie sehen möchten, eine Band, die mit täglichen Auftritten in der U-Bahn in New York gestartet ist. Und sie so gut wie nie ihre Familie und die Freunde sähen, weil sie nie zu Hause seien, sagt Matt. Aber dass er täglich mit seinen zwei besten Freunden zusammen sein darf, antwortet Leo. Und dass sie ihren Traum leben. Und jeder seine Träume leben soll. Und dass Kreativität wichtig sei, bei ihnen dürfe jedes Bandmitglied auf der Bühne machen was es will.
Und das schafft wunderbare einzigartige Konzerte, die alle anders ausfallen, das kann ich mittlerweile gut beurteilen.
Außerdem stünden sie – wie nach jedem Konzert – zum meet & greet mit ihren Fans zur Verfügung, sie freuen sich darauf, Fragen zu beantworten oder selfies mit ihnen zu machen.
Nicht nur die Musik ist brillant – auch die Werte, die die Band hier anspricht, stimmen mit meinen überein: Dankbarkeit, Demut, Respekt, positives Denken und das Leben der eigenen Träume.

Auf dem Flughafen stöbere ich mich durch die Lindt- und Sprüngli-Shops: ich suche nach Schokolade mit über 73% Kakaoanteil, die ich noch nicht kenne. Und werde bei einem anderen Schweizer Label fündig – Noir Noisette – sans sucre ajouté. Ohne Zucker, mit Stevia. Ich kaufe eine Tafel für mich und eine für C., die ich ihr heute als Dank für die Äpfel zur Meditation mitbringen werde.

4.11.2018

Unterwegs.

Ich könnte jetzt schreiben, dass ich an einem Sonntag Abend irgendwo in ner Industriegegend in Zürich gelandet bin.

Und dass sich die Toiletten Richtung Tiefgarage befinden.

Und dass ich mich mal wieder frage – und mich dabei amüsiert beobachte – was ich hier eigentlich mache (seit wann bin ich überhaupt zum Fangirl mutiert? Nach so vielen beruflichen Jahren mit Künstlerkontakt).

Und dass ich aufgeregt bin.

Und mich so freue.

Dass ich (wie bei jedem TMZ- Konzert) ganz vorn vor der Bühne stehe und tanze.

Dass Leo dann plötzlich samt Saxophon neben mir im Publikum steht. ❤️

Ich kann’s auch kurz fassen: simply happy. simply grateful to be here.

4.11.2018

Unterwegs.

Ob ich bar zahlen könne, fragt mich der indische Fahrer des Shuttlebusses, der mich in die Stadt bringt, sein Kreditkartengerät sei defekt. Ich bejahe. Und frage mich, was er getan hätte, wenn ich verneint hätte; wir befinden uns gerade in einem Tunnel zwischen Flughafen und dem Zentrum von Zürich.

Als wir den Tunnel verlassen, ist es grau. So habe ich mir Zürich nicht vorgestellt; in meiner Vorstellung gab es einen blauen See, umrahmt von hübschen Häuschen, grünen Wiesen und Berge mit schneebedeckten Gipfeln. Aber es ist einfach nur grau.

Der Fahrer, dessen einziger Gast ich heute in der Frühe bin, hält vorm Hotel Seefeld. Wir seien da, sagt er. Nein, antworte ich. Mein Hotel hieße Seegarten, nicht Seefeld. Wir fahren weiter, an jeder Ecke etwas langsamer, es könnte ja die richtige Straße überraschend auftauchen. Ein Navi scheint es nicht zu geben. Irgendwann taucht wirklich die richtige Straße auf, ich zahle mit einem quietschgrünen Schein und bekomme ein paar kümmerliche Münzen zurück. Die Fahrt war teuer. Nicht so teuer wie ein Taxi, aber teurer als die Bahn. Allerdings habe ich keine Lust darauf, an einem Sonntagmorgen um 9.00h mit meinem nicht vorhandenen Orientierungssinn in einer fremden Stadt konfrontiert zu werden.

Im Hotel werde ich sehr herzlich willkommen geheißen, das Zimmer sei noch nicht ganz bezugsfertig (was mich am frühen Sonntagmorgen und einer eigentlichen Check-In-Zeit von 15.00h nicht weiter wundert), aber ich könne gern ins Restaurant gehen, erstmal in Ruhe frühstücken und Zeitung lesen. Man geleitet mich zu einem schönen Tisch am Fenster und bringt mir den gewünschten grünen Tee. Ich nehme mir eine Banane, frische Ananas und ein Croissant vom Buffet zum zweiten Frühstück an diesem Morgen und freue mich über das hübsche Ambiente aus dunklen Stühlen und Tischen, den Sektgläsern und Kristalleuchtern.

Um 9.45h ist mein Zimmer, das versteckt hinter einer Doppeltür liegt, fertig; der Tag kann beginnen.

31.10.2018

Unterwegs.

Ob ich allein mit dem Stretching-Part klar komme, fragt mein Lehrer. Ich bejahe. Er liegt bereits auf seinem Schafsfell und ist schon im zweiten Teil unserer Übungen angelangt. Kein Wunder; er hat um 18.00h mit dem Unterricht begonnen, eine halbe Stunde früher als geplant, und eine Stunde vorher spontan per sms angekündigt. So spontan bin ich nicht, ich muss erst von der Arbeit nach Hause fahren, mich umziehen, um dann in die andere Richtung zur U-Bahn zu laufen und zum Psychologenhaus zu fahren, welches in einem anderen Stadtviertel liegt.
Auch meine Mitschüler scheinen nicht so flexibel gewesen zu sein, ich bin die Erste, die nach meinem Lehrer im Meditationsraum eingetroffen ist.
Still schweigend beginne ich mit dem Stretching.
Um 18.30h trifft C. ein, sie habe die sms unseres Lehrers zu spät gesehen. In der Hand hält sie eine große Tüte mit Äpfeln aus ihrem Garten. Für mich. Ich sage ihr, wie sehr ich mich über die Äpfel freue, sie freut sich wiederum, dass ich mich freue.
G., N. und J. erscheinen erst gar nicht zur Meditation, wir bleiben in kleiner Besetzung und richten unseren Platz mit Schafsfell, Decke und Sitzkissen ein.
Wir haben zwar heute früher angefangen, was allerdings nicht heißt, dass wir früher aufhören – unser Lehrer liebt seinen Job und hängt gern extra Zeit dran, wann immer er es einrichten kann. Heute haben wir – nach dem Stretching – 90 Minuten Zeit für unsere Sitzmeditation, unterbrochen von einer kurzen Pause, in der wir schweigend durch den Raum gehen.
Am Ende des Abends tauschen wir uns aus; was macht die Meditation mit uns? Wie geht es uns? Mir geht es gut; ich bin so gern in diesem Raum mit dem orangenen Teppich, den hohen Wänden und dem Stuck an der Decke, vor allem bin ich gern ein Teil dieser kleinen angenehmen Gruppe, die Geborgenheit gibt. Diese Zeit des „Nichtstuns“, in der wir nur auf uns selbst achten brauchen, ist für mich wahrer Luxus.

Zuhause fülle ich meinen Obstkorb auf und hole den Koffer aus dem Keller. Am Wochenende geht es nach Zürich, Too Many Zooz – meine Lieblingsband – kommt wieder nach Europa. In Zürich war ich noch nie, also ein Grund mehr, dort ins Konzert zu gehen.

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19.10.2018

Zuhause.

Es passiert mir sehr selten, glücklicherweise, dass ich Angst bekomme, in Schockstarre falle und mich am Eingang zur Hölle wähne. Die Welt steht still und ich daneben, versuchend, meinen Verstand zu nutzen.

Heute nach dem Schwimmen bei herrlichem Wetter im Außenbecken ist so ein Moment.

Im Briefkasten ein Brief vom Krankenhaus, in dem ich am Dienstag zur Vorstellung war. Der Untersuchungsbefund. Viele mir unbekannte Begriffe, Zahlen, Abkürzungen, Zeichen, dazwischen die Worte „positives Malignitätszeichen“, „abklärungsbedürftig“, „thyroid cancer guidelines“. Diese Worte kenne ich, aber ich will sie nicht sehen, nicht in meinem Befund. Kurz überlege ich, mit dem Brief rüber in die Praxis meines Hausarztes zu laufen, aber dort ist schon Feierabend. Ich rufe im Krankenhaus an, ich möchte den Brief verstehen. Die freundliche Dame am Telefon stellt fest, dass gerade kein Arzt greifbar sei, um mir den Befund zu erklären, sie aber (eigentlich genau wie ich bei klarem Verstand) nicht denke, dass dort etwas sehr Schlimmes drin stünde, dann hätte man mir das sicher direkt gesagt, und meine Krankenhaustermine seien für Ende November bestätigt. Aber sie werde jemanden bitten, mich zurückzurufen. Keine zwei Minuten später habe ich einen Nuklearmediziner am Telefon, der Entwarnung gibt: die Begriffe, die mir ins Auge gestochen sind, stünden unter „Methodik“ und haben nichts mit meinem individuellen Befund zu tun. So etwas weiß ich natürlich nicht, ich bin kein Mediziner aber reagiere bei meinem Vorbefund sensibel. Das versteht mein Telefonpartner sehr gut, er kann mich beruhigen, ich bedanke mich für den umgehenden Rückruf, wir wünschen uns ein schönes Wochenende.

Eine halbe Stunde bleibe ich in Nach-Schockstarre einfach am Küchentisch sitzen, bevor ich meine Theaterkarte für den Abend herauslege. Eigentlich langt mir ein Drama am Tag. Das Drama des Abends betrifft mich zum Glück nicht.

“When we are born, we cry that we are come to this great stage of fools.”
William Shakespeare, King Lear

note to myself: Befunde zukünftig direkt an den Hausarzt schicken lassen. Den Befund vom Humangenetiker habe ich letztes Jahr schließlich auch direkt an meinen Arzt im Krankenhaus schicken lassen.

16.10.2018

Im Krankenhaus.

Das Handy klingelt. Am Telefon ist die Radiologin, bei der ich vor zehn Minuten in der Nuklearmedizin gewesen bin. Sie hätte bei meinem Hausarzt angerufen, dort habe man zwar meine Blutwerte, die ich auch vorhin dabei gehabt hätte, aber nicht die speziellen Blutwerte, die sie bräuchte. Kein Problem, sage ich, dann gehe ich zu meinem Hausarzt und lasse dort Blut abnehmen. Wenn ich noch nicht allzu weit weg sei, könne ich auch zurück ins Krankenhaus kommen, dann hätten wir das schon mal abgehakt.

Weit gekommen bin ich in der Tat nicht. Ich sitze im Café auf dem Krankenhausgelände in der Sonne. Das Café, in gesunden Grüntönen und hellem Holz gehalten, heißt „Healthy Kitchen“, was mich schon wieder ärgert, da es dort vorrangig Burger, Pizza und Weizenbrötchen mit Wurstaufschnitt gibt. Dabei wollte ich dort frühstücken, wenn ich aus der Nuklearmedizin wieder ‚raus bin. Jetzt bestelle ich nur einen Kaffee.

Dann geht es wieder zurück durch die ganzen Gänge und Treppenhäuser, dieses Krankenhaus ist riesig und korrespondiert nicht mit meinem nicht vorhandenen Orientierungssinn. Die Blutabnahme findet im Liegen statt, nachdem mich die Arzthelferin fragt, ob ich mit dem Blutabnehmen Probleme hätte. Wir könnten es mal so versuchen, antworte ich etwas zögerlich, sie winkt ab und holt eine Krankenbahre. Es wäre ihr heute schon ein Patient umgekippt, das würde ihr langen. Ich halte mich tapfer.

Da ich mit der Radiologin sehr schnell einig ob der preferierten Behandlungsmethode werde, wird nur ein Ultraschall gemacht und zwei vorstationäre und ein stationärer Termin  für den November festgelegt. Dann kann das Projekt „Schilddrüse“ endlich in Angriff genommen werden, nachdem es letztes Jahr in der Prioritätenfolge zurückgefallen ist.

Ich frage, ob die Radiojodtherapie in Kombination mit den ganzen Mammographien und der Strahlentherapie aus dem Vorjahr zu Problemen führen könnte – anders gefragt: wieviel Strahlen kann der Mensch ab? Das könne man leider so nicht pauschal beantworten – da es bei mir aber um Teilstrahlungen ginge, sehe sie diesbezüglich keine weiteren Probleme auf mich zukommen. Ich hätte zwar gedacht, dass man die Strahleneinheiten alle addieren und dann ins Verhältnis zu Alter/Größe/Gewicht/Geschlecht setzen könne, aber das kann man nicht.

Dann bringe ich die zwei Paranüsse zur Sprache, die ich täglich wegen des Selens esse. Die seien ja auch radioaktiv. Der Arzt im Mammazentrum hat beim Vortrag über Mikronährstoffe von denen abgeraten und stattdessen zu Tabletten geraten. Ein Freund, dem ich von den Paranüssen erzählt habe, sei allerdings nicht vom Hocker gekippt. Er ist Radiologe. Die Ärztin lacht, auch sie kippe jetzt nicht vom Hocker, die zwei Paranüsse könne ich weiterhin essen.

Da der stationäre Aufenthalt schon mal eine Woche dauern kann, die man sozusagen in sensorischer Deprivation verbringt (das Zimmer darf nicht verlassen werden, u.U. darf man später über die Station gehen), möchte ich wissen, ob es ein Trimmrad auf dem Zimmer gibt. Gibt es nicht. Keine Sportmöglichkeiten. Aber ich dürfte Terraband, Tube, Ball & Co. gern mitbringen.
Auch eigene Nahrung darf ich mitbringen, auch wenn es vorher noch ein Gespräch gebe, was der Patient essen mag. Da ich mittlerweile ein etwas schwierigerer Fall geworden bin, und meine bisherigen Krankenhaus- und Reha-Aufenthalte nicht mit meiner jetzigen Ernährung korrespondieren, werde ich Nüsse, frisches Obst und Gemüse einpacken. Sicher ist sicher.

Ich verlasse das Krankenhaus zum zweiten Mal und bin positiv überrascht, daß ich auch hier wieder an wirklich freundliche Ärzte und Assistenten geraten bin.

Nachtrag:
Der blog wird weiterhin vorrangig Fitness, Ernährung, Reisen und andere Bucket-List-Items zum Thema haben. Es werden keine weiteren Krankheiten in den Fokus rücken. Weil ich mich auf das Positive im Leben konzentriere.

14.10.2018

Unterwegs.

Und danach kaufe ich mir ein Croissant für’s Frühstück, sagt meine innere Stimme, als ich mich auf den Weg in den Hafen mache, wo ich mir ein schönes Plätzchen zum Taiji-Üben suchen möchte. Nein, kein Croissant, antworte ich und lasse vorsichtshalber das Geld zuhause. Erstens zeigt die Waage eine Tendenz nach oben, zweitens wird das Wetter wieder wunderbar, da werde ich mir eventuell später ein Eis gönnen wollen. Eine kleine Sünde ist ok, zwei gestatte ich mir nicht.

Im Hafen sind nur eine Handvoll Angler um den Ponton verteilt, sonst ist es ruhig zu dieser frühen Stunde. Der Himmel ist leuchtend blau, die Elbe glitzert, an den Kaimauern wuchert es grün. Ich atme tief durch und beginne mit der 19er-Form.

Gestern Abend Treffen mit Freunden. Wir sitzen im Kerzenschein auf dem Balkon, den Blick gerichtet in den dunklen Garten und die weißen Jugendstilhäuser um uns herum. Es ist warm, so warm, als säßen wir in einer lauen Sommernacht, es mutet skurril an, Mitte Oktober, hier in Hamburg. Ab und an zwitschert ein Vogel, wir lachen, essen kleine Köstlichkeiten und trinken Rosé. Der Co-Gastgeber ist gebrieft und schenkt mir immer nur ganz wenig nach – so habe ich am Ende des Abends vielleicht ein Glas Wein getrunken, auch wenn es ausschaut, als hätte ich mehrere Gläser gehabt. Das gefällt mir, so mache ich nicht den Eindruck einer Spaßbremse und habe den ganzen Abend ein leicht gefülltes Glas in der Hand.

Da der Oktober ja als Brustkrebsmonat deklariert wird, habe ich es endlich vollbracht und einen Gastartikel für die liebe Nicole und ihre tolle Website https://www.prinzessin-uffm-bersch.de geschrieben (https://www.prinzessin-uffm-bersch.de/2018/10/07/der-feind-in-mir/).  Nicole, die einen Sohn mit schwerer Mehrfachbehinderung hat,  erkrankte 2010 an Brustkrebs. Heute arbeitet sie wieder und begleitet außerdem Menschen im Hospiz auf ihrem letzten Weg. Auf ihrer Website gibt es viele gute Tipps für Betroffene und Angehörige und ganz viel Mut und Hoffnung zu finden.
Das erinnert mich daran, daß auch ich mir vorgenommen habe, ehrenamtlich tätig zu werden um etwas von der Hilfe, die ich erfahren habe, zurückzugeben.

11.10.2018

Unterwegs.

Die Herzis müssen ohne mich Federball spielen. Ich stecke auf dem Weg zum Turnverein in der Bahn fest, technische Störung. Nach einer gefühlten Ewigkeit und der Durchsage, daß die Bahn nur noch eine Station weiterführe und dann Ersatzbusse eingesetzt würden, steige ich aus und in eine andere Linie um, die mich in Richtung Heimat bringt. Später lese ich, daß es eine Schießerei gab und die bewaffneten Täter in den U-Bahntunnel geflüchtet sind, der Bahnverkehr bis 21.30h eingestellt und auf der Straße Superstau war.
Ich ziehe mein Sportzeug an, gehe in den Garten, mache etwas Taiji und marschiere noch einmal um den Block, dem Sonnenuntergang entgegen.

Im Briefkasten ist eine Postkarte aus der Reha-Klinik:

Liebe Frau R.,

ich wollte mich (leider mit einiger Verspätung!) bei Ihnen ganz herzlich für den Roman bedanken, der mir beim Lesen große Freude bereitet hat! Vielen Dank dafür und weiterhin alles Gute für Sie! T.S.
PS: Ich glaube, die Zuckertüten sind noch unverändert 😉

Ich freue mich sehr über die handgeschriebene Karte der Psychologin, bei der ich vor über einem Jahr einige Termine in der Klinik hatte. Anscheinend habe ich einen bleibenden Eindruck hinterlassen mit meiner Beschwerde über die Zuckertüten auf den Tischen im Speisesaal von Krebskranken, die auch noch mit der Aufschrift „wir machen Sie gesund“ versehen waren.

Mein Azubi schaut mich an: er hätte gelesen, dass es sehr gesund sei, frische Zitrone und Ingwer ins Wasser zu tun. Und wer mache das immer? frage ich zurück. Wir! ruft er. Bei mir lernt er fürs Leben.

Sechs Paar weiße Sportsocken gekauft.

9.10.2018

Unterwegs.

Ich starre auf meine Füsse und rolle innerlich mit den Augen. Unterschiedliche Socken. Rechts mit Loch am kleinen Zeh und durchgeschubberter Hacke, links mit grauer fetter Aufschrift ‚Artengo‘. Das lese ich über Kopf. Was das heissen soll, weiss ich nicht.

C. hat sich in der Pause in ihre rote Wolldecke eingerollt, J., unser Lehrer und ich gehen schweigend durch den Meditationsraum. Am Fenster bleibe ich stehen. Es ist weit geöffnet, die kühle Abendluft streift mein Gesicht, mein Blick geht in den verwunschenen Garten des Psychologenhauses, der jetzt im Dunkeln liegt. Wie können Baumkronen eigentlich so schön rund wachsen, frage ich mich, bevor wir die Fenster wieder schließen und mit dem zweiten Teil des Sitzens in Stille beginnen.

4.10.2018

Zuhause.

Das habe ich noch nie gemacht, denke ich. Langzeitplanung. Weder vor dem Drama noch nach dem Drama. Das ist übrigens meine Zeitrechnung: es gibt ein ‚vorher‘ (bis 21.3.2017) und ein ‚danach‘ (ab 22.3.2017 – Tag der OP). Danach habe ich in extrem kurzen Zeiträumen geplant: spontan das nächste Wochende nach Sylt oder Wien oder nach Edinburgh und Amsterdam, die Antarktis habe ich im September gebucht und bin zwei Monate später losgereist. So ganz habe ich dem Frieden, dass der Feind fernbleibt, nicht getraut.

Und nun habe ich ein wunderbares Abenteuer für den September 2019 gebucht. Langzeitplanung. Ich denke, dass das ein gutes Zeichen ist.

3.10.2018

Unterwegs.

Cut! ruft der Regisseur. Ich stehe neben Kristen Stewart und ihren zwei Schauspielerkolleginnen, quasi als vierter Engel für Charlie. Wer hat sie durch die Absperrung gelassen? Der Regisseur ist ungehalten, die Szene muss nochmal gedreht werden.
So hätte es sein können, wenn ich denn durchgelassen worden wäre, aber die Sicherheitskräfte sind auf zack. Ich muß warten und kann die Straße, in der ich wohne, nicht verlassen. Heute ist hier Hollywood, Drei Engel für Charlie wird gedreht. Bis gestern wurde hier ein Werbefilm erstellt, vor meiner Haustür der Imbiss „Moviemampf“ aufgebaut. Was für ein bescheuerter Name, denke ich, als ich aus dem Küchenfenster auf den Wagen mit der Theke schaue, an der sich gerade ein zerzauster Typ eine Packung Kekse und einen Becher Kaffee holt. Vor meiner Haustür wird dauernd geshootet, gedreht, fotografiert, sich in Szene gesetzt. Ich finde das eher langweilig. Nun stehe ich in Sportzeug an der Absperrung und warte darauf, daß ich den Weg in Richtung schickes Spa fortsetzen kann. Heute ist Feiertag, der Herzsport fällt aus, ich entscheide mich gegen das öffentliche Bad und schwimme im Doutzen-Bikini 1 (Generation 2) meine Bahnen mit Blick auf den Hamburger Michel. Zwischen den Schwimmeinheiten mache ich es mir mit Wolldecke und Cappuccino auf der Liege bequem und blättere in den Zeitschriften.

Ich denke an gestern, als unser Lehrer vor dem Meditieren fragte, ob wir uns manchmal fragen würden, wie es uns ginge. C., die mir wieder eine große Tüte mit selbstgeernteten Äpfeln und Birnen aus dem Garten mitgebracht hat und ich bejahen die Frage. Wir fragen uns das recht häufig, meist geht es uns gut, und sollte dem mal nicht so sein, denken wir darüber nach, was uns gerade stört und wie wir die Störung beheben können. Unser Lehrer tut das auch, er habe mehrere Stimmen in sich, die sich austauschen. Schulz von Thun und die „Mitglieder des Inneren Teams“ – davon haben wir auch schon gehört. Ich habe einen hohen freundlichen Anteil in mir, stelle ich fest, und stehe mir sehr wohlgesonnen gegenüber; überhaupt geht es meiner Meinung nach um die Kunst, sich selbst zu lieben.

Auf dem Rückweg vom schicken Spa nach Hause scheint die Sonne, die Straßensperrungen sind abgebaut. Hollywood hat Feierabend. Ich kehre in das Atelier meiner russischen Nachbarin ein, wir plaudern über dies und das, auch sie bietet mir Äpfel aus dem Garten ihres  Häuschens an der See an. Eine gute Jahreszeit, stelle ich fest. Und eine sehr leckere. Ob es mir gut ginge? frage ich mich. Was für eine Frage.

21.9.2018

Unterwegs.

Ich stehe am Bahnsteig und widerstehe der Versuchung in den einfahrenden Zug, der mich nach Hause in mein Bett bringen könnte, zu springen. Am liebsten täte ich genau das: ein Sturm ist angekündigt, und stürmen tut es auch in mir. Turbulent war es bei der Arbeit, wo ich dem Top-Management mitteilen musste, dass eine nicht-existente Abteilung aufgrund von Kündigungen und nicht verlängerten Verträgen den Betrieb leider nicht aufrecht erhalten kann. Ich leite diese Abteilung. Eine Antwort habe ich zwar noch nicht bekommen, aber immerhin gleich Vorschläge unterbreitet, wie man – bis mehrere neue Kollegen gefunden und eingestellt sind – die Aufgaben umverteilen kann.

Ich warte, bis die Bahn in Richtung Schwimmbad einfährt und steige ein. Spät sei ich dran, stellt meine 80-jährige Freundin mit der pinken Badekappe fest, sie ist bereits in der Umkleide. Sie wäre extra etwas früher gekommen wegen des Sturms. Draußen herrsche die Ruhe vor dem Sturm, sage ich und wünsche ihr einen sicheren Heimweg.

Die Ruhe ist weg, der Sturm ist da, als ich ins Außenbecken möchte. Wellen kringeln sich auf dem Wasser, Blätter wirbeln durch die Luft, der Regen hat eingesetzt. Ich entscheide mich für das Innenbecken, in dem nur ein Schnellschwimmer und zwei Rentner plaudernd am Beckenrand zu finden sind. Schnell schwimme ich heute auch, ich verarbeite die Ärgernisse des Tages. Positive thinking, mahne ich mich – das Becken gehört mir fast allein, die Beleuchtung bringt zumindest etwas Glitzer, und als ich aufbreche, hat der Regen aufgehört. Zuhause mache ich mir einen Kaffee und schaue aus dem Fenster. Die Gartenzwerge im Garten unter mir hat es erwischt, sie liegen leblos im schlammigen Beet.

Nachtrag: ich amüsiere mich über mich selbst, während ich das schreibe. Irdische Dinge sollten mich eigentlich nicht mehr aus dem Gleichgewicht bringen. Es geht hier nicht um Leben und Tod.

18.9.2018

Unterwegs.

Mein Taiji-Lehrer sitzt auf dem Gartenstuhl und schaut mich an. Ich warte ja noch auf etwas von ihm, stellt er fest. Das stimmt, antworte ich.

Er weiß von meiner Bucket List, auf der, irgendwo zwischen Everest und Antarktis, steht, daß ich die 19er Form fehlerfrei laufen können möchte.

Dann möge ich jetzt mein bestes geben und ihm die Form vorlaufen, fährt er fort. Ich atme tief durch, gehe in die Vorbereitungsstellung und beginne: Buddhas Wächter tritt aus dem Tempel… Eine kleine Stand-Korrektur bei einer Figur, den Rest laufe ich durch. Circa fünf Minuten später stehe ich wieder auf der Ausgangsposition, diesmal in der Endhaltung. R. erhebt sich, streckt mir die Ghettofaust entgegen, lobt mein Durchhaltevermögen und bestätigt mir offiziell, daß ich die 19er Form laufen kann. A tick on my bucket list ✔️. Ich freue mich sehr, ab jetzt folgt das finetuning.

Meine Mitstreiter – P. und R. üben die 38er, C. und I. die 75er – sind im Nachbargarten.

C., die auch letztes Jahr Brustkrebs hatte, hat mir vorhin eine SMS geschickt, ob ich heute zum Taiji kommen würde. Nun hält sie mir eine große Tüte mit frisch gepflückten Äpfeln aus ihrem Garten hin. Sie sind ungespritzt und duften. Wieder bin ich dankbar, daß ich hier bin, hier in dem verwunschenen Garten des Psychologenhauses, hier in der Dämmerung eines spätsommerlichen Abends, hier umgeben von wunderbaren Menschen, hier mit einer Tüte Äpfeln in der Hand und dem Wissen, einen weiteren Punkt auf meiner Liste abhaken zu können.

Das Leben ist schön.

15.9.2018

Unterwegs.

Es wird dunkel. Der September ist der letzte Monat, in dem wir dienstags Taiji draußen im Garten praktizieren; ab Oktober werden wir auf Wintermodus umstellen und im Yogaraum meditieren. Außerdem kommt erschwerend hinzu, daß am heutigen Wünsch-Dir-was-Dienstag vier Schüler etwas anderes möchten: H. stimmt für die 38er Form, N. hat sein Schwert mitgebracht, ich tendiere zum Vertiefen der 19er Form, R. kann sich nicht entscheiden und macht mal hier und mal dort mit. Unser Lehrer nimmt das mit Gleichmut, er hat für jeden von uns Zeit, bis wir uns um 20.00h verabschieden.

Bei den Herzis werden Kalender abgeglichen; wir beschließen, uns an einem Abend im November treffen, um Tibetfotos anzuschauen. T. raunt mir zu, daß sie eigentlich auch an Antarktisbildern interessiert sei; ich werde den zehnminütigen Film, den der chinesische Vogelkundler gedreht hat, auch noch mitnehmen, denn der ist wirklich beeindruckend. H., die kleine alte Dame, wärmt sich neben mir auf und schimpft; der Rücken und die Knie tun weh, der Körper mache nicht mehr so mit, wie sie es will. Ich stelle freundlich fest, daß sie nun keine 20 Jahre mehr sei und mit Chor, Square Dance, Theater, Fahrradfahren und Herzsport doch noch sehr aktiv sei. Sie sei 82 Jahre, antwortet sie und setzt wieder an, daß sie früher aber fitter gewesen sei. H. ist an unserem Tibetabend interessiert, auch wenn sie etwas schmunzeln muß, daß ich nicht wirklich trekken oder gar klettern war; sie hat in den 50ern bereits den Kilimandscharo erklommen, in den 70ern war sie dreimal in Nepal im Himalaya. Auch ich sei keine 20 Jahre mehr, erinnere ich sie grinsend.
In der Umkleide sagt mir B., daß sie ganz viel an mich gedacht hätte, und das ich meine Träume jetzt umsetze. Sie hatte auch einen großen Traum: eine lange Wanderung durch die USA zu machen. Das ginge nun nicht mehr. Aber sie denke über eine kleine Alternative nach; es gebe Fahrten mit Planwagen in der Heide, man übernachtet im Planwagen und macht kleinere Spaziergänge. Eine gute Idee, finde ich. Machen, was man noch machen kann.

Am Donnerstag im Fitnessraum treffe ich wieder auf G., mit der ich auch jedes Mal plaudere. Heute okkupieren wir beide den Spiegelraum; während sie sich boxenderweise mit dem Personal Trainer vorwärtsbewegt, laufe ich meine Form und versuche, den beiden auszuweichen.

Im Glitzerwasser in der Sonne lacht mir meine Freitagsfreundin zu; die 80jährige mit der tollen Figur, die ich auf maximal Mitte 60 geschätzt habe, trägt wieder einen bunten Badeanzug und eine pinke Blumenbadekappe. Ich passe mich ihrer Geschwindigkeit an, plaudernd schwimmen wir nebeneinander her. Seit 30 Jahren mache sie fünf- bis sechsmal die Woche Sport, und ab und an gehe sie von zu Hause los und spaziere um die Außenalster. Das seien 15 Kilometer Strecke. Wir stellen fest, daß wir an derselben Bahnstation wohnen und sozusagen Nachbarn sind. Hafenkinder. Wir nehmen dieselben Vitamin D-Tabletten, essen gern Salat und Rohkost und freuen uns wie kleine Kinder, wenn wir das Außenbecken für uns allein haben. Insgeheim nehme ich sie mir als Vorbild – so fit, fröhlich und gesund möchte ich mit 80 Jahren auch noch sein. Die Zeichen stehen gut.

Montag: 120 Min. Strandwanderung auf Sylt ✔️
Dienstag: 90 Min. Taiji ✔️
Mittwoch: 60 Min. Herzsport ✔️
Donnerstag: 60 Min. Geräteraum und Taiji ✔️
Freitag: 50 Min. Schwimmen ✔️
Samstag: Trödeltag (80 Min. zu Fuß gelaufen) ✔️
Sonntag: Spaziergang, Schwimmen oder Taiji auf dem Dach – mal schauen.

11.9.2018

Im Krankenhaus.

Wie es am Mount Everest gewesen sei, fragt mich Dr. C. Es ist die erste Frage, die mir die Gynäkologin stellt und nicht die einzige zu meiner Reise. Auch über Ernährung, Klöster, Höhe und Mitreisende möchte sie mehr erfahren. Dabei brenne ich darauf, ihr zu sagen, daß ich gerade aus der Radiologie im Erdgeschoß komme und die Mammographie und der Ultraschall wieder gut ausgefallen sind. Selbst meine Unsicherheit ob des dritten Knotens, den ich ertastet habe und den sie vor drei Monaten nicht nachvollziehen konnte, konnte ausgeräumt werden. Knoten 3 sei kein Knoten, erklärt die Radiologin, sondern Milchgänge, die sich mit dem Alter verändern, man erst eine Tiefe ertaste und dann etwas festes. Knoten 1 und 2, die mich schon seit der Strahlentherapie begleiten, sind auch unverändert. Also alles unbedenklich.

Ob man noch etwas zur Eierstockkrebsfrüherkennung machen könnte, möchte ich wissen. Mehr als Ultraschall und Tastuntersuchung ginge nicht, und beides hätten wir gemacht. Ich bekomme mein Tamoxifen-Rezept, verabschiede mich, wandere zum Blumenladen und schenke mir einen gelben Blumenstrauß. Dann lade ich mich auf eine Kürbiscremesuppe im Feinkostladen mit Blick auf die Elbe ein. Dafür muß diesmal das Nachsorgetermin-Ritual des Glas-Sekt-auf-das-Leben-trinken ausfallen: mein dritter Arzttermin wird mich nachher zum Hausarzt führen, der mir eine Überweisung ins Krankenhaus für die Radiojodtherapie meiner Schilddrüse ausstellen wird. Besser heiter als angeheitert beim Hausarzt erscheinen, denke ich und bleibe bei der Suppe.

1 Jahr, 6 Monate und 5 Tage krebsfrei.

8.9.2018

Unterwegs.

Eine Reise beginnt für mich in dem Moment, in dem ich die Haustür hinter mir schliesse. Ich mag die Fahrt mit dem Bus (zum Bahnhof) oder dem Taxi (zum Flughafen), ich mag es, aus dem Fenster zu schauen und den Hafen im Morgenlicht vorbeigleiten zu sehen, die Containerschiffe, die langsam die Elbe hochfahren und die Kräne, die von der Sonne in sanfte Pastelltöne getaucht werden.

Im Winter mag ich die Strecke in der Frühe zum Flughafen, wenn es dunkel ist und nur das eine oder andere Fenster der Jugendstilvillen am Rothenbaum leuchtet und die Stadt unter einer Schneedecke schläft.

Ich mag es, mir im Buchladen Zeitschriften für die Reise auszusuchen, mir einen kleinen Milchkaffee zu bestellen und die vorbeihastenden Menschen zu beobachten. So viele Menschen, so viele Ziele.

Heute Morgen stehe ich auf dem Bahnsteig in Altona und warte, dass mein Zug nach Westerland einfährt.

6.9.2018

Unterwegs.

Nächste Woche bringt ihr bitte Eure Kalender mit, ruft die Trainerin. Soeben habe ich verkündet, dass einige Herzis sich einen Tibetvortrag gewünscht haben. Auch unsere Trainerin möchte dabei sein, da sie aber mittwochs nach dem Herzsport noch die Prellballgruppe betreut, müssen wir einen anderen Termin suchen. Heute sind die aktiven Herzis zusammengeschrumpft: T. sitzt auf der Bank mit einer Zerrung im Fuß, H., die kleine alte Dame sitzt mit einem Spinalkanalproblem neben ihm. Auch Dr. A. hat sich zu den beiden gesellt und berät. M., der sonst immer schnaufend auf der Bank saß, ist in eine andere Gruppe gewechselt, bei der man nicht soviel laufen muss. S. möchte in eine Lungensport-Gruppe wechseln, er bekommt schlecht Luft. B. und C. sind heute auf einer Demonstration. Somit sind wir nur noch vier Sportsfreunde, die die Halle zum Federballspielen der Länge nach nutzen können. Später frage ich H., wie es ihr ginge. Nicht gut, antwortet sie. Sie bekomme jetzt Spritzen gegen die Schmerzen, die Ärzte möchten nicht operieren, da sie schon einmal eine Rücken-OP hatte und außerdem alt sei. Sie ist wütend auf ihren nicht mehr funktionierenden Körper; es fiele ihr immer schwerer, zum Chor oder ins Theater zu gehen oder gar Fahrrad zu fahren. Und so ein Schicksal der im Kopf fitten und immer interessierten H., die  in den 70ern zum Trekking mit dem Alpenverein im Himalaya war. Ich hoffe, daß auch sie zum Tibet-Vortrag kommen wird.

Einen Abend vorher war ich mit C. an der Außenalster. Sie sieht aus wie immer, auch wenn wir uns ewig nicht gesehen haben. Auch ich hätte mich nicht verändert, sagt C. Man würde uns auch nicht ansehen, was uns heute Abend nach so langer Zeit zusammengeführt hat. C. erzählt von ihrer Familie, den Reisen in die USA, daß sie so gern noch Australien sehen würde und was sie mit den Töchtern noch erleben möchte. Die Abiturabschlüsse miterleben. Oder den ersten Freund. Und sie erzählt vom Krebs, der zurückgekommen ist. Und nicht mehr gehen wird. Von den Schmerzen. Von der Angst, vielleicht doch nicht mehr soviel zu erleben, wie sie gern möchte. Ich erzähle von der Arbeit, meinen Reisen in die Antarktis und zum Everest und meinem Sport- und Ernährungsprogramm. Sie lobt meine Disziplin und bereut, dass sie nicht ganz so konsequent war. Trotz der düsteren Gemeinsamkeit, die uns heute zusammengebracht hat, ist es ein sehr schöner und intensiver Abend. Außerdem haben wir mit einem Glas Sekt angestoßen. Auf uns. Und auf das Leben.

29.8.2018

Unterwegs.

Ich stehe in der alten Turnhalle des Sportvereins und bin gerührt: P. klatscht begeistert in die Hände, als ich das Thema Fotovortrag Tibet anspreche, um den sie mich letzte Woche gebeten hatte. Auch M. und B. möchten dabei sein und mehr über das Land in weiter Ferne, das sie aufgrund ihrer Herzprobleme nie selbst besuchen können, erfahren. Dr. A., die ich sehr gerne mag, und die auch immer am Reisen ist, hat auch Interesse. Nächste Woche werde ich das Thema offiziell in der Runde ansprechen, heute habe ich das zwischen dem ganzen Pulsen und den bunten Pezzibällen verbaselt. Wenn ich schon nicht an Souvenirs für die Herzis gedacht habe, dann gibt es nun wenigstens eine Reisereportage nach einer unserer nächsten Sportstunden.

Ich sitze auf der Bank an der Bushaltestelle neben mir und beobachte mich. Heute Mittag war ich mit S., einem Freund und ehemaligen Kollegen, in einer karibischen Salatbar. S. ist mit C. verheiratet, auch sie ist eine ehemalige Kollegin, wir drei haben zusammen gelernt. S. hat mir vor zwei Jahren erzählt, dass C. vor einigen Jahren Brustkrebs hatte. Heute erzählt er mir, dass der Krebs zurückgekommen ist. Knochenmetastasen. Metastasierender Brustkrebs ist unheilbar. Das weiß ich. S. weiß das natürlich auch. Zurückgezogen haben sie sich, sie leben glücklich mit den beiden Töchtern im Teenager-Alter, ab und an gingen sie in ein Restaurant, und sie fahren in Urlaub. Gesellschaften geben sie schon lange nicht mehr. Ich erzähle S., warum ich gerade jetzt etwas außergewöhnliche Reisen mache. Ich erzähle ihm von meiner Bucket List und davon, dass auch ich letztes Jahr Brustkrebs hatte. Und das wir jetzt leben. Nicht gestern und nicht morgen.
Auch S. würde gern zum Everest, am liebsten bis zur Spitze. Aber er fahre mit der Familie in die USA. Das sei auch sehr schön.
Später sende ich ihm eine Nachricht; wenn C. mal mit einer „Artgenossin“ reden möchte, könne sie mich kontaktieren. Ein paar Minuten später werden mir liebe Grüße ausgerichtet und C.’s Handynummer geschickt.
Ich sitze auf der Bank neben mir und beobachte mich.
Was macht die Nachricht von C.’s Wiedererkrankung mit mir? Sie lässt mich innehalten, stimmt nachdenklich und traurig und zeigt mir wieder auf, wie fragil das Leben und wie wertvoll der Moment ist.
Angst macht mir die Nachricht nicht, nicht auf mich bezogen. Ich werde C. diese Woche kontaktieren. Vielleicht freut sie sich. Vielleicht hilft ihr das. Vielleicht hilft mir das auch, auf die eine oder andere Weise.

Ich stehe im verwunschenen Garten des Psychologenhauses und bin ein bißchen stolz. Und glücklich. Wir sind nur drei Schüler, meine Mitstreiter sind schon viele Jahre beim Taijiquan, sie möchten in der (schwierigen) 38er Form weiterkommen. Ich „kann“ nur die 19er Form. Aber heute darf ich das erste Mal bei einer anderen Form mitmachen.

Ich komme nach Hause und schaue in den Briefkasten. Es ist eine Karte angekommen. Vom Nordpol. Vom Schiff, mit dem ich in der Antarktis war.
Es wird Zeit, die nächsten Ziele zu planen.