Unterwegs.

Ich schaue vom Schreibtisch auf, blicke auf den Kalender und bleibe am Datum hängen: heute ist der 22. Februar.
Vor genau zwei Jahren hat man mir wortlos eine Überweisung zum Radiologen in die Hand gedrückt, auf der Verdacht auf Brustkrebs stand. Heute vor zwei Jahren stand die Welt für mich still.
Wie schnell die Zeit vergangen ist, denke ich, und was ich seitdem alles gemacht habe – und doch ist der 22. Februar 2017 ganz nah.

Ich skype meinen Grafiker an:
I just had a look at the wall calendar, two days ago THE drama started.
Ich schicke hinterher, no, I mean two years ago – not two days. Time is flying.
Wow, I thought it was last year, already two years?
Yep, shall go for a drink now.
Would join you for the drink if I were in Hamburg.
Alright, then no drink, then off to swimming!

Ich schaue zum Fenster. Der graue Morgenhimmel ist aufgebrochen, blau strahlt es jetzt, keine Zeit für Sentimentalitäten, denke ich, der Himmel ist blau, die Sonne kommt raus, 5 Grad, aber immerhin, ich schalte den Computer aus, nehme meine Tasche und laufe los, das Leben muss gelebt werden.

Wir stehen im Weg, ruft das Mädchen ihrem Freund im Becken zu, kein Problem, rufe ich, ich umrunde euch einfach, dann umrunde ich auch noch das Walross, das sich wie immer ganz langsam unter der Wasseroberfläche bewegt und schwimme dem blauen Himmel entgegen.

Diesmal habe ich nicht nur das Duschgel sondern auch noch die Bodylotion vergessen. Macht nix, denke ich, das ist nichts, worüber ich mich aufrege. Auch das Deo ist nicht in der Sporttasche, als ich es suche, fällt mir ein, dass ich es gestern in der Umkleide des Gyms in den linken Turnschuh gesteckt habe.
Dafür habe ich ein Quarkbrötchen dabei. Wenn ich das auf dem Weg zum Bahnhof esse – so meine Theorie – könnte ich den Schokoriegel, den ich mir freitags immer nach dem Schwimmen gönne, ausfallen lassen (nice try…but fail…so einfach lasse ich mir nicht meinen Schokoriegel-der-Woche nehmen).

Ich mache mir einen Kaffee, setze mich nach draußen in die Sonne, der Koffer kann später gepackt werden. Das Leben ist schön.

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9 Gedanken zu “22.02.2019

  1. Bei mir war es der 17. Februar 2017. Am 22. Februar stand die Diagnose fest. Zwei Jahre… so schnell vergangen!
    Planst du noch mal zur Reha zu gehen?

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    1. da sind wir ja fast synchron erkrankt. Die Reha hätte ich dann bis Mai 2018 beantragen müssen – hab ich aber nicht. Ich fand die erste Reha gut und hilfreich (bis auf das Essen), allerdings hätte ich mir keine weitere bewilligt – wer im Himalaya rumturnt, jeden Tag sportet/meditiert, seine Ernährung (meistens) im Griff hat und arbeitet, der braucht keine Reha 😉 glaube, ich würde da im Moment nix mehr lernen. Und Du? Hast Du eine beantragt?

      Gefällt 1 Person

  2. Da magst du recht haben, dass man eigentlich keine Reha braucht, wenn man ohnehin gut unterwegs ist in Sachen gesunde Lebensweise. Das Essen wäre bei mir auch nicht der Grund für eine erneute Reha, mir geht es dabei eher um Zeit für mich. Seit ich wieder arbeite kommt das nämlich sehr zu kurz. Zudem plagen mich seit einiger Zeit verstärkt Symptome wie Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Gelenkschmerzen, Wassereinlagerungen… ich tendiere dazu, es auf das Tamoxifen zu schieben (das ich bis dato sehr gut vertragen habe). Muss das bei der nächsten Nachsorge mal ansprechen.

    Wieso ist bei dir Mai 2018 das Stichdatum für den Antrag?

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    1. wenn ich Nebenwirkungen hätte bzw es mir nicht gut gehen würde, hätte ich auch eine Reha beantragt. Aber mir geht es (zum Glück) wirklich gut, die Hitzewallungen nehme ich gelassen. Man muss die Reha 1 Jahr spätestens nach der AHB beantragen, so sagte man mir das bei der AHB. Habe mich dagegen entschieden, auch wenn ich das Programm sehr gut fand. Meine Zeit für mich finde ich beim Meditieren und Schwimmen – das ist sooo hilfreich für meine Balance.

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  3. Ich überlege, ob ich eine beantragen soll, allerdings bin ich unsicher wegen der Fristen. Wieso ist das Stichdatum bei dir Mai 2018? Ich hatte ca. 5 Monate nach der Bestrahlung eine Reha, also keine AHB. Der Grund war, dass die AHB vom Datum her auf Weihnachten gefallen wäre, was nicht akzeptabel war für mich und meine Familie. Ob mir überhaupt eine zweite Reha zusteht, weiß ich gar nicht. Da ich privat krankenversichert bin, müsste sie wieder von der Rentenversicherung bezahlt werden…
    Und ich gebe dir recht: das Essen ist nicht der Grund 🙄

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