Unterwegs.

Ob ich mich vorher auch so gesund ernährt hätte, fragt mich B., während sie sich etwas von ihrem Bauernfrühstück auf die Gabel füllt. Nein, antworte ich meiner Herzi-Mitstreiterin, aber durch den Schock und den ersten Ernährungsvortrag, den ich mir bereits im Krankenhausbett einen Tag nach der Operation vom Arzt anhören durfte, wurden meine Süchte sofort eingestellt. Ich erinnere mich noch daran, dass ich meine Lieblingsschokolade aus Chile, die ich extra als Trost eingepackt hatte, umgehend in den Mülleimer befördert habe. Ich wusste nicht, dass Krebs sich von Zucker ernährt. Und das Weizenmehlbrötchen mit Salami auch nicht viel gesünder sind.

Ich finde es interessant, daß B. ihre Zeitrechnung auch in ein vorher und ein nachher eingeteilt hat. Was zwischen dem vorher und dem nachher liegt, bleibt unausgesprochen.
Jedenfalls schaue ich sehr bestürzt drein, als unsere Trainerin und ein Herzi nach dem Abendessen in der Wirtschaft zum Rauchen vor die Tür verschwinden. Auch gegen eine Sucht kann man etwas tun, wenn diese nicht durch Schock ausgelöscht wird – wie bei mir, und Schokolade habe ich in der Tat sehr viel gegessen. Ich kasteie mich nun nicht, aber ich bin sehr diszipliniert, ich weiß ja, wofür ich das tue. Ich will leben und das noch möglichst lange und gesund. Also sitze ich heute Abend als Einzige mit einem Salatteller in der Wirtschaft, während die Herzis Rinderroulade und panierte Schnitzel vertilgen.
Zum Nachtisch teile ich mir aber eine Portion Topfenpalatschinken mit Zwetschgen und genieße diesen umso mehr, da dies eine Ausnahme ist, eine sehr leckere, zugegebenermaßen.

Dann krame ich meinen Laptop aus der Tasche. Tische und Stühle werden umhergerückt, denn alle zwölf Herzis wollen nun mit mir durch Tibet reisen. Und danach sogar noch durch die Antarktis; vorausschauenderweise hatte ich den zehnminütigen Film unseres chinesischen Vogelkundlers eingepackt. Es ist ein schöner Abend, hier in der Wirtschaft in Uhlenhorst, hier mit meinen Herzis.

Am Sonntag mache ich mich zu einer zweistündigen Wanderung auf, entlang der Hamburger Kanäle. Eine Gegend, die ich nicht kenne, da ich sonst immer entgegengesetzt in Richtung Aussenalster marschiere. Jugendstilbauten säumen die Finkenau, auf dem Wasser liegen Hausboote und am Kanal umgedrehte Kanus, über die sich das Herbstlaub gelegt hat. Es nieselt.

Zurück zu Hause wärme ich mir die restlichen Vollkornnudeln mit frischen Tomaten und Basilikum auf, zum Nachttisch gibt es ein Vollkornbrot mit Frischkäse und selbstgemachtem Renekloden-Gelee, das mir C., meine Freundin aus der Meditationsrunde, am Dienstag geschenkt hat.

Ein ruhiges Wochenende geht zu Ende, eine spannende Woche liegt vor mir.

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10 Gedanken zu “18.11.2018

    1. stimmt, und ich fand es wirklich sehr interessant, dass B. von den Herzis dieselbe Zeitrechnung hat. „Nachher“ definieren wir übrigens als „geschenkte Zeit“. „Vorher“ haben wir uns morgens geärgert, im dunkeln aufstehen und zur Arbeit gehen zu müssen. Nun, also im „Nachher“, sind wir dankbar, dass wir aufwachen und aufstehen dürfen 🙂 Ich glaube, solche Gedanken sind nur von Menschen nachzuvollziehen, die ein einschneidendes Erlebnis im Leben hatten, in dem es um Leben und Tod ging. Glaube ich 😉

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    2. Ich befasse mich schon lange mit dieser Frage, möchte aber gar nicht einschränken, dass diese Sichtweise nur Menschen mit existentiellen Erlebnissen vorbehalten ist. Aber ja, bei solchen Menschen kommt es sicher am Öftesten vor.

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    3. auf alle Fälle geht es mir im „Nachher“ ausgesprochen gut, da ich vieles intensiver erlebe, (noch) mehr mache (bucket list), mich mehr freue und mehr genieße – und mich on top wirklich oft frage, wie es mir geht – um gegenzuwirken, wenn es mir nicht gut gehen sollte.

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  1. Ich finde es interessant, dass in dem Krankenhaus in dem Du warst diese Meinung vertreten wird, dass eine zuckerreduzierte Ernährung sich posittiv auf eine Krebserkrankung auswirkt, denn die Meisten Onkologen von den Patientinnen die ich kenne, sagen immer bei Fragen nach der Ernährung, dass man essen soll was einem schmeckt und Krebsdiäten sinnnlos sind und auch der Krebsinformationsdienst des Krebsforschungszentrums Heidelbert behauptet dass es keine Krebsdiäten gibt, wo nachgewiesen ist dass sie sich auf den Verlauf einer Krebserkrankung auswirken. Da fällt es mir dann nicht leicht mich zu „Verzicht “ zu motivieren, wenn da keine einheitliche Meinung unter den Medizinern herscht und valide Studien fehlen. Deshalb bewundere ich Deine Disziplin .
    LG

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    1. Krebs ernährt sich von Zucker. Und mir hat weder der Humangenetiker, der Arzt in der Reha noch die Ärzte im Krankenhaus gesagt, dass ich essen soll was mir schmeckt – im Gegenteil. Und schau mal bei der Deutschen Krebshilfe, was die über Ernährung schreiben.
      Was ich nicht sage, ist, dass Ernährung Krebs heilen kann. Das kann Ernährung nicht.
      Was ich sage, ist, dass es gesunde und ungesunde Ernährung gibt. 30% aller Krebsfälle könnten vermieden werden, wenn man sich gesund ernährt. Ich beuge Rezidiven vor.
      Letztendlich ist es mein Leben, und ich bin dafür verantwortlich 🍏
      https://www.ernaehrung-krebs-tzm.de/ernaehrung-krebs/empfehlenswerteernaehrung.html

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  2. Dann hast Du aber Glück gehabt mit Deinen Ärzten. Ich und etliche die ich kenne haben das so von ihren Onkologen gehört. Ich kenne auch einige BK Patientinnen, die sich ketogen ernähren oder low carb . Was hälst Du denn davon ? Aber was ich nicht verstehe ist, dass auch bei low carb oder ketogener Ernährung der Blutzuckerspiegel nicht wesentlich niedriger ist als bei „normaler “ Ernährung, also mit Zucker in Maßen, weil dann bekommen die Krebszellen ja über den Blutzucker trotzdem Zucker ab oder ? Verstehe das nicht.

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    1. ehrlich gesagt, damit kenne ich mich nicht aus. Ich folge einfach dem, was ich in den letzten 1,5 Jahren gelernt habe. Wenn ich 80 bin, esse ich das was mir schmeckt: ein Rumpsteak mit Pommes Frites, Tüte Chips und ne Tafel Schokolade. 😂 ernsthaft: mir gefällt meine gesunde Ernährungsweise, mein Cholesterinwert ist auch erstmals im guten Bereich.
      Letztendlich muss aber jeder für sich entscheiden, was er macht.

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