Unterwegs.

Ich stehe am Bahnsteig und widerstehe der Versuchung in den einfahrenden Zug, der mich nach Hause in mein Bett bringen könnte, zu springen. Am liebsten täte ich genau das: ein Sturm ist angekündigt, und stürmen tut es auch in mir. Turbulent war es bei der Arbeit, wo ich dem Top-Management mitteilen musste, dass eine nicht-existente Abteilung aufgrund von Kündigungen und nicht verlängerten Verträgen den Betrieb leider nicht aufrecht erhalten kann. Ich leite diese Abteilung. Eine Antwort habe ich zwar noch nicht bekommen, aber immerhin gleich Vorschläge unterbreitet, wie man – bis mehrere neue Kollegen gefunden und eingestellt sind – die Aufgaben umverteilen kann.

Ich warte, bis die Bahn in Richtung Schwimmbad einfährt und steige ein. Spät sei ich dran, stellt meine 80-jährige Freundin mit der pinken Badekappe fest, sie ist bereits in der Umkleide. Sie wäre extra etwas früher gekommen wegen des Sturms. Draußen herrsche die Ruhe vor dem Sturm, sage ich und wünsche ihr einen sicheren Heimweg.

Die Ruhe ist weg, der Sturm ist da, als ich ins Außenbecken möchte. Wellen kringeln sich auf dem Wasser, Blätter wirbeln durch die Luft, der Regen hat eingesetzt. Ich entscheide mich für das Innenbecken, in dem nur ein Schnellschwimmer und zwei Rentner plaudernd am Beckenrand zu finden sind. Schnell schwimme ich heute auch, ich verarbeite die Ärgernisse des Tages. Positive thinking, mahne ich mich – das Becken gehört mir fast allein, die Beleuchtung bringt zumindest etwas Glitzer, und als ich aufbreche, hat der Regen aufgehört. Zuhause mache ich mir einen Kaffee und schaue aus dem Fenster. Die Gartenzwerge im Garten unter mir hat es erwischt, sie liegen leblos im schlammigen Beet.

Nachtrag: ich amüsiere mich über mich selbst, während ich das schreibe. Irdische Dinge sollten mich eigentlich nicht mehr aus dem Gleichgewicht bringen. Es geht hier nicht um Leben und Tod.

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9 Gedanken zu “21.9.2018

  1. Es sind immer die irdischen Dinge, die einen aus dem Gleichgewicht bringen. Vor allem die all zu irdischen um nicht zu sagen unterirdischen, den gesellschaftlichen Umgang betreffend. Innerhalb oder am Rande selbiger. In den wenigsten Fällen geht es um Leben oder Tod, aber oftmals vielleicht um die Angst vor dem einen oder dem anderen. So oder so, mag vielleicht das Überirdische am Ende Belohnung sein, oder Erlösung, oder etwas anderes. LG

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    1. seit mein Arzt letztes Jahr bei meiner Diagnose feststellte, dass wir „über Leben oder Sterben“ sprechen, bin ich um einiges gelassener geworden, was irdische „Probleme“ angeht – es lohnt sich schlichtweg nicht, sich über Belanglosigkeiten aufzuregen. 😉 Wobei ich eine komplett fehlende Abteilung schon etwas problematisch einstufe. Aber in solchen Fällen gilt: wenn man das „Problem“ nicht (sofort) lösen kann, dann die eigene Haltung zum „Problem“ LG und schönes WE

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  2. Ich verstehe sehr gut dass Dich die Probleme nciht kalt lassen, schließlich geht es dabei ja um die Existenz und man verbringt die meiste Zeit seines Lebens in der Arbeit und wenn man sich da nicht wohlfühlen kann, dann betrifft das nicht nur das psychische Wohlbefinden sondern irgendwann auch die Gesundheit und wenn man den Job verliert , worauf eine solche Situtaion ja auch irgendwann hinauslaufen kann, dann hat das jja auch weitreichende negatibe Konsequenzen auf das gesamte Leben und gerade wir Betroffenen wollen ja so gut wie möglich leben, was dann ja nicht mehr möglich wäre.
    LG

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    1. es liess mich natürlich nicht kalt, aber ich verfalle auch nicht in Panik und spreche hier auch nicht von Existenzbedrohung, Jobverlust oder Gesundheitsgefährdung 😉 Lösungsplan 1 habe ich unterbreitet, einen Plan 2 habe ich auch parat.

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