Tag 6

Auf nach Shigatse. Es ist kühl geworden, Regen fällt. Im Bus streiten sich drei Mitreisende um die Sitzplätze, ich bin verblüfft. Was für ein Kindergarten. Die beiden Damen geben nach und überlassen dem Herrn den geforderten Platz.

Wir halten in einem Dorf, eigentlich ist es nur ein schlammiger Weg mit einer Handvoll Bauernhöfen. Kühe gucken uns an, ein Hund bellt.

Die Bauersfrau empfängt uns mit ihrer Schwiegermutter und der fünfjährigen Enkeltochter, die eine schmutzige rosa Jacke und vier schwarze Zöpfe trägt, die ihr vom Kopf abstehen. Wir klettern über eine Leiter vom Kuhstall in die erste Etage, wo die Familie lebt. Ein bescheidener Schlafraum, eine Küche, ein Wohnzimmer, eine Toilette (sprich: ziegelsteingrosses Loch im Boden, kein Wasser, kein elektrisches Licht, ein Loch in der Wand dient als Fenster). Zwischen den Räumen liegt ein kleiner Hof ohne Dach, dafür mit Wasserpfützen auf dem verschlammten Boden. Trotz der Tatsache, dass die kleine Familie elf Kühe und zwei Pferde hat, mit denen sie das gepachtete Land bestellen, macht es einen armen Eindruck. Der Bauer ist im entfernten Lhasa, um zusätzlich Geld zu verdienen. Und es war eine Liebesheirat, sagt die Bäuerin und lächelt. Das ist ungewöhnlich, denn fast alle Ehen werden hier arrangiert. Es ist auch normal, dass ein Mann drei Frauen hat oder eine Frau drei Männer.

Überhaupt macht die Bäuerin einen glücklichen und in sich ruhenden Eindruck; sie offeriert uns Buttertee, das ist schwarzer Tee mit Yakbutter und Salz. Ich passe. Noch hält sich mein Magen sehr tapfer. Das möchte ich nicht ändern.

Weiter geht es zum nächsten Kloster in Shalu. Auch hier wieder hunderte von Buddhastatuen, Kerzen, Räume, Wandmalereien und ein Meer aus Farben.

Da für den Nachmittag ein weiteres Kloster samt Wanderung auf dem Plan stehen und ich mittlerweile klostermüde bin, bummel ich durch Shigatse und besuche einen riesigen Wochenmarkt. Für zwei Bananen möchte der Verkäufer 5 Yuan, ich schaue erstaunt, aber gebe ihm das Geld. Er legt noch zwei kleine Äpfel in den Beutel, anscheinend ist er zu gutmütig, um den einzigen ausländischen Marktbesucher über‘s Ohr zu hauen. Wir lachen uns an.

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3 Gedanken zu “4.8.2018

  1. Was ist denn auf dem letzten Foto zu sehen? Ich drehe und wende, aber ich kann nichts eindeutig erkennen.
    Die Kleine ist niedlich. Was für tolle Stiefel sie trägt!

    Gefällt mir

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