Unterwegs.

Ich höre die Stille. Die große Sporthalle, in der sonst immer die kleinen Kinder in ihren Fechtausrüstungen trainieren, ist leer. Sonnenstrahlen huschen über den Holzboden, Staubkörner tanzen im Licht. Auch die Gruppe der Herzis ist heute stark reduziert, wir sind nur zu fünft plus eine Ersatztrainerin und Doktor A. Dann können wir Tischtennis spielen, rufe ich. Das geht nur, wenn wir eine kleine Gruppe sind. Die Trainerin stimmt zu. M., mein Federballpartner und ich, geben uns Zeichen. Matchtime.

Doch vorher wärmen wir uns auf, eine gute Gelegenheit, um mit H., der alten weißhaarigen Dame zu plaudern, die früher im Alpenverein und in den Siebzigern drei Mal zum Trekken am Mount Everest war. Sie beklagt sich über ihre schmerzenden Knie, und überhaupt sei sie nicht mehr so fit. Ich werfe ein, dass sie zum Herzsport mit dem Fahrrad komme, zum Chor und ins Theater gehe sowie eine Spielgruppe besuche. Und zum Square Dance ginge sie auch, fügt sie noch hinzu. Vielleicht sollten wir akzeptieren, dass wir keine zwanzig mehr sind, sage ich vorsichtig. Das sage ihr Arzt auch, aber einsehen tue sie das nicht. Früher war das besser, wo sie noch in den USA gelebt und Jugendgruppen geleitet hat. Ich mag H. sehr gern und das, was sie schon alles in ihrem Leben gemacht hat und immer noch macht. Auch wenn sie sagt, sie werde langsam müde.

M. und ich einigen uns auf Punktspiele. Ich verliere drei Runden obwohl ich mich anstrenge und schwitze. Das nächste Mal spielen wir wieder Federball, tröstet mich M.

***

Am Donnerstag fülle ich zum zweiten Mal den vierseitigen Antrag für’s Chinavisum aus. Das erste Mal habe ich die Formulare falsch ausgefüllt, da ich die Anleitung zum Ausfüllen ignoriert habe. Diesmal gebe ich mir mehr Mühe und halte mich an die Vorgaben. Nur bei einem Feld bekomme ich Probleme, der Platz reicht nicht aus; führen Sie auf, wann und wo Sie in den letzten 12 Monaten im Ausland waren: Österreich, UK, Argentinien, Antarktis, Österreich (again), Zypern, Niederlande, Myanmar.
Zwei Reisen nach Sylt, einige Reisen an die Ostsee und ein Ausflug nach Berlin kommen noch dazu.
Eine ganze Menge an Reisen, trotz des Brustkrebs-Dramas, das mich letztes Jahr zeitweilig ausser Gefecht gesetzt hat. Oder wegen des Dramas?  Ich stecke den Visumsantrag in den Umschlag. Tibet – der nächste Meilenstein meiner Bucket-List.

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6 Gedanken zu “10.5.2018

    1. beides stimmt: trotz und wegen… ich war auch vor dem Drama immer viel in der Welt unterwegs 😉 Aber die Ziele und die Intensität der Reisen haben sich geändert. Gefällt mir. Auf Tibet bin ich auch schon sehr gespannt – vor allem auf den Everest 🗻

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  1. Deine Herzilein-Gruppe klingt total spannende. Viele interessante Lebensgeschichten.

    ***
    Auf deinen Bericht – oder mehrere Berichte – aus Tibet bin ich auch schon gespannt.
    Wir sind gestern aus Liverpool zurückgekommen und Ende des Monats geht es nach Brünn. Wir haben vor einem halben Jahr eine Führung durch die Villa Tugendhat reserviert. Darauf freue ich mich auch schon.

    ***
    Reisen, um sich und die Welt kennzulernen. 🙂

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