Unterwegs.

Den Club finde ich sofort, als ich abends das Hotel verlasse und im Zickzackkurs die Lijnbaansgracht ansteuere. Allerdings bin ich den Weg heute Nachmittag schon mal abgegangen. Sicher ist sicher, ich leide an Orientierungsschwäche.

Dass das Konzert ausverkauft ist, wusste ich. Nicht aber, dass wohl Tausende Menschen die ganze Straße blockieren und mit mir in den Club möchten. Ich stelle mich in die Masse und reihe mich irgendwie ein. Hilft ja nichts. Weiter vorm Eingang stelle ich fest, dass es sich um drei Reihen handelt; hier finden heute Abend parallel drei Konzerte statt. Zufälligerweise stehe ich in der richtigen Reihe an.

Doch dann werde ich umsortiert, wegen der Mitgliedschaft, die ich erworben habe und noch bezahlen muss. Mitgliedschaft?!? Ich bin irritiert, habe aber beim Ticketkauf, der nur auf holländisch machbar war, gesehen, dass da irgendwas war, was ich nicht durchschaut habe. Hinter mir diskutieren zwei Deutsche, auch sie wissen nicht, was uns in der separaten Schlange erwartet. Vielleicht ne Waschmaschine, sagt der Eine. Die krieg ich nicht mit ins Handgepäck, antworte ich.

Wir haben in der Tat eine vierwöchige Migliedschaft im Melkweg erworben. Da es sich nur um Euro 4,- handelt und ich jetzt einfach nur ins Konzert möchte, ist mir das egal.

Ein Raunen geht durch die Reihen, der King of Sludge – in farbenfreudigen Tigermantel – bahnt sich seinen Weg durch die Menge.

Ich gebe meinen blauen Mantel ab (dummerweise bin ich nicht im wasserfesten Antarktisoutfit sondern in feiner Stadtkleidung angereist), hoffe, dass ich die Garderobe nachher wiederfinde und gehe in einen Saal. Ich bestelle mir ein Bier an der Bar und frage mich – und den Barkeeper – ob ich hier im richtigen Raum bin. Aus der Anlage ertönen Simon & Garfunkel, das ist von Too Many Zooz soweit entfernt wie Amsterdam von der Antarktis.

Ich sei richtig, wird mir versichert und marschiere nach ganz vorne vor die Bühne.

Jubel, als der King of Sludge, der unter dem Tigermantel ein T-Shirt mit Ananasdesign und orange-karierte Strümpfe trägt, auf die Bühne kommt. Matt mit Mütze (wie immer), Leo mit gelbgefärbten Haaren und farblich passendem Outfit. Ich liebe die Jungs. Und ihre Konzerte. Ich glaube, ich habe selten Konzerte so genossen wie die von Too Many Zooz – und ich habe sicher Tausende Konzerte besucht.

Der Saal tobt, hüpft, ein Meer aus Armen bewegt sich rhythmisch zu Spoktopus, als Zugabe gibt es eine Hommage an AC/DC – T.N.T. mit Bari-Sax, Trompete und Schlagzeug intoniert.

Im Garderobengedrängel fragt mich ein Typ, wie mir das Konzert gefallen hat, er sieht wild aus, so wie es das Konzert war. Er scheint verblüfft und erfreut über mein Feedback, schon spricht mich der Nächste an, der mitbekommen hat, dass ich aus Deutschland komme. Ich plaudere etwas, bin aber auch etwas irritiert. Das Publikum ist gemischt, altersmässig dürfte ich nicht auffallen, ausserdem werde ich eh jünger geschätzt. Am Ausgang spricht mich wieder einer an, irgendwie geht es sehr nett und relaxt bei den Holländern zu. Was für ein grandioser Abend! Ich glaub, ich bin auch etwas verliebt 🤗

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2 Gedanken zu “13.3.2018

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