22.04.2019

Unterwegs.

C: Asterix ✖️

A: Obelix ✖️

N: Rest ✖️

Abends im Pyjama im Bett liegen und mit meinen kleinen Zwillings-Patenkindern Asterix in Italien lesen. Die Rollenverteilung übernimmt N. C. und ich haben entspannte Abende. Erstmals wird mir klar, wie wenig Obelix zu sagen hat.

Aufwachen am Morgen unter der lachenden Piratensonne.

Bucket List: Zeit mit meinen Patenkindern verbringen ✔️

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16.04.2019

Zuhause.

Ich kann nicht kochen. Ich kann nicht kochen, da es mich schlichtweg nicht interessiert, stundenlang in der Küche rumzuwerkeln um dann in viel kürzerer Zeit das aufzuessen, was man in mühevoller Kleinarbeit (und folgendem Großabwasch) zubereitet hat.
Außerdem fehlt mir dafür die Zeit; in meiner Prioritätensetzung sind Haushalt und Küche ans Ende gerutscht.

Schlimm ist das auch nicht, ich esse gern meine Eigenkreationen an frischen Salaten, die selbstgebackenen zuckerfreien Müsliriegel, Rohkost und auch Nüsse. Im Rohzustand bleiben auch die Vitamine der meist auf dem Biowochenmarkt gekauften Lebensmittel erhalten.

Das ich nicht kochen kann, scheint auch meinen Freunden aufgefallen zu sein. Zum Geburtstag habe ich ein Kochbuch und somit den Wink mit dem Zaunpfahl bekommen.
Ich entscheide mich dafür, daß meine Freunde mich nicht auf meinen Makel aufmerksam machen, sondern mir etwas Gutes tun wollen: das Kochbuch gefällt mir. Es ist idiotensicher, die Rezepte lassen sich schnell zubereiten, und man saut nicht die ganze Küche ein.

Wenn man ein Rezept aufschlägt, ist dort erstmal ein großes Farbfoto des jeweiligen Gerichts zu sehen. Die Autorin geht auf Nummer Sicher (sie kennt ihre Zielgruppe). Es folgt der übersichtliche Einkaufszettel und dann das Beste: auf eine Doppelseite sind die Zutaten akkurat und strukturiert aufgemalt, darüber legt man ein Backpapier, die Zutaten aus dem Buch scheinen durch, und man packt das geschnittene Gemüse, Obst usw. einfach obendrauf. Dann kippt man etwas Olivenöl und Gewürze drüber, macht aus dem Backpapier ein Päckchen, bindet es zu, und ab in den Ofen. Fertig.

Das ganze ist so simpel, daß ich mich beim ersten Rezept circa 80% an die Anleitung gehalten habe (ich bin da eher der lockere Koch), ab Rezept Nummer 2 habe ich meine Päckchen selbst kreiert. Geht super. Schmeckt prima.
Und ist eine schöne Alternative zu Rohkost, Salaten und Gemüsepfanne.

Ich kann zwar immer noch nicht kochen, aber meine Kreationen sind hübsch anzusehen und lecker und gesund. Derweil ist die Küche immer noch in einem begehbaren Zustand.

14.04.2019

Unterwegs.

Links von mir liegt der weiße Altbau, ich biege ab und gehe hinein. Nicht nach vorn gucken, mahne ich mich; dort lauern schlechte Erinnerungen. Im Erdgeschoss ist der Eingang zur Praxis des Frauenarztes, der mir vor zwei Jahren eine Überweisung mit den Worten „Verdacht auf Mammakarzinom“ in die Hand gedrückt (ohne das vorher im Gespräch zu thematisieren) und mir dann gleich noch eine Adresse für den falschen Radiologen mitgegeben hat („wir machen seid Jahren keine Mammographien mehr“ sagt die med. Assistenz, als ich eine Woche später zum Termin erscheine. Momente, die ich nie vergessen werde).

Heute muß ich in den zweiten Stock, dort sitzt die Hautärztin, bei der ich auch vor zwei Jahren einen Termin zur Krebsvorsorge hatte und den ich fast abgesagt hätte, da ich in dem Moment nicht davon ausging, dass ich den noch brauche (ich war im Katastrophenmodus).  Im Nachhinein war es gut, dass ich hingegangen bin, da es eine sehr emphatische und eloquente Ärztin ist, die sich auf De-Eskalation versteht und das Thema Brustkrebs mit mir durchgesprochen hat.

Gut sehen Sie aus, sagt sie heute zu mir und schaut mich an. Sie korrigiert sich. Sie sehen sehr gut aus. Ich freue mich, sie möchte wissen, was seit dem letzten Besuch alles so passiert ist. Ich fange an zu erzählen. Von dem Leben im Jetzt. Von den Reisen. Von Sport und Meditation. Von gesunder Ernährung. Von der Wertschätzung jedes Tages. Davon, daß ich gesund bin. Davon, daß ich das Drama als positives Ereignis sehen kann und mein Leben viel bewusster lebe.

Morgens fahre sie immer mit dem Fahrrad zur Arbeit, an der Alster längs, erzählt sie mir. Und heute habe ein kleiner Laster mitten auf der Straße gehalten. Das habe sie gewundert. Den Fahrer habe sie dann am Alsterufer ausgemacht. Er machte Fotos. Weil es ein so wunderschöner Sonnenaufgang war.
Wir sind auf einer Wellenlänge und tauschen uns weiter aus, dazwischen prüft sie akribisch die Muttermale, Arme hoch, Fußsohlen zeigen, alles ist gut. Ich setze mich wieder hin, unser Gespräch ist noch nicht zu Ende.
Als ich die Praxis verlasse, schaue ich auf die Uhr. 30 Minuten hat unsere Unterhaltung gedauert, abends um 18.30h, und ich war nicht die letzte Patientin. Aber eine fröhliche (das steht jetzt auch bei ihr im PC).

Außerdem werde ich wieder vierteljährliche Brustkrebs-Nachsorgetermine haben, so wie es im Leitlinienprogamm Onkologie zu finden ist. Einerseits gefällt es mir, dass die Ärzte glauben, dass ich gesund bleibe (das glaube ich selbst auch) – aber da ich bis heute ratlos bin, wieso ich einen beidseitigen Brustkrebs und somit gleich zwei Tumore bekommen habe, möchte ich lieber auf Nummer Sicher gehen und die kürzeren Intervalle einhalten.

Seit Anfang April ist Taiji wieder im verwunschenen Garten des Psychologenhauses. Das Thermometer zeigt 5 Grad, wir kämpfen uns durch 90 Minuten an der sehr frischen Luft. Zum Glück habe ich meine Skiunterwäsche untergezogen. Dafür hat C. Handschuhe dabei.
Trotz der Kälte finden wir es schön, wieder draußen in unserem Garten zu trainieren.

Dienstag: Taiji ✔️
Mittwoch: Hometraining ✔️
Donnerstag: Gym ✔️
Freitag: Schwimmen ✔️
Samstag: Schwimmen ✔️
Sonntag: Taiji ✔️

07.04.2019

Unterwegs.

Mein Körper ist von der Reise zurückgekommen. Meine Seele ist zurückgeblieben. Verloren gegangen irgendwo in der Wüste, oben auf dem Berg bei Masada, im Gewühl des arabischen Bazars in Jerusalem, im Olivenbaumgarten in Beit Jala im Westjordanland, am Strand von Tel Aviv, im persischen Garten von Haifa, im Toten Meer.

Es fühlt sich unwirklich an. Vor 24 Stunden habe ich vor der Al-Aqsa-Moschee auf dem Tempelberg im Regen gestanden, jetzt stehe ich in Hamburg auf dem Isemarkt und kaufe frisches Obst und Gemüse.

C. bringe ich zur Meditation Gewürze aus Jerusalem und leere Gläser mit. Sie hat für mich ein volles Glas mit selbstgemachtem Johannisbeergelee dabei.

Ich habe mir ein Gewürzregal gekauft und fülle meine mitgebrachten Gewürze aus Tüten und Dosen in Glasbehältnisse um. Sieht super aus, ist eine Schweinerei. Am Ende sind alle 18 Gläser mit scharfem Chili, süßem Chili, Kreuzkümmel, Muskatnüssen, Salz, Kardamom, Kurkuma usw. befüllt.

Ist etwas verwischt? fragt mich G. im Aussenbecken des öffentlichen Bades. Sie hat eine Welle abbekommen und fürchtet um ihr Make-Up. Ne, sieht alles noch gut aus, antworte ich. Nachdem ich am Mittwoch nur Hyazinth, den kleinen Spanier, im Bad angetroffen habe, ist am Freitag meine Schwimmfreundin wieder mit am Start. Letzte Woche sei sie 81 Jahre alt geworden, erzählt sie fröhlich. Ich gratuliere ihr zum 62igsten, älter sieht sie wirklich nicht aus. Sie freut sich, wir schwimmen gemächlich und plaudernd den rosablühenden Bäumen entgegen.

Samstag Nacht wache ich auf. Es ist dunkel, die Uhr zeigt 4h an. Trotzdem bin ich hellwach. Allerdings auch kein Wunder, wenn man bereits um 20.30h todmüde ins Bett gefallen ist. Ich checke emails und die gängigen social media accounts, um 5h bin ich immer noch wach und schaue Schuhe im Onlineshop. Vier Paar schaffen es in den Warenkorb. Nur nicht auf „kaufen“ klicken!, warne ich mich. Nachts habe ich grundsätzlich eine andere, eine extremere Wahrnehmung.
Um 9h habe ich nach reiflicher Überlegung ein Paar Schuhe auf „Merkzettel“ zurückgestuft und nach weniger reiflicher Überlegung die restlichen drei Paar bestellt. Ich rede mir gut zu, die Schuhe sind nicht tragisch teuer, aber gesundheitsbequem und schick, sie sehen nach Frühling aus und eigentlich habe ich nicht viele Schuhe. Ich überlege, zu welchen Hosen und Röcken ich sie kombinieren könnte und stelle fest, dass ich eigentlich auch noch die Hosen erwerben müsste, die zu den neuen Schuhen passen würden. Ich rolle innerlich mit den Augen.

Am Sonntag bin ich Punkt 10h im Bad, eine ehemalige Kollegin kommt mir entgegen, obwohl das Bad eigentlich erst um 10h öffnet. Frühschwimmerclub, klärt sie mich auf, da könne man ab 7h morgens schwimmen. Morgens um 7h bin ich noch nicht schwimmbereit (da kaufe ich ja online Schuhe), aber mein Erfolgserlebnis, die erste im Aussenbecken zu sein, tritt somit nicht ein: viele Frühschwimmer sind unterwegs, keine G., kein Hyazinth, nicht mal Walross 1 und Walross 2 sind im Becken auszumachen. Trotzdem bin ich begeistert, die Sonne scheint, lässt das Wasser glitzern und mich ihr entgegenblinzeln.
Später lese ich noch im Garten unter den blühenden Magnolien.
Und irgendwie ist nun auch meine Seele wieder ein Stückchen näher gekommen.

Montag: Tempelberg, Supersprint durch den Münchner Flughafen ✔️
Dienstag: Stretching/Meditation ✔️
Mittwoch: Schwimmen ✔️
Donnerstag: Gym ✔️
Freitag: Schwimmen ✔️
Sonntag: Schwimmen ✔️

03.04.2019

Logbuch Israel – Epilog.

Was bleibt.

Interessante Einblicke in so unterschiedliche Welten, die sich in einer vereinen.
Ein Fahrstuhl am Freitag, dessen Knöpfe man nicht drücken kann und der in jeder Etage hält und in dem ein Stuhl steht.
Geschirr für den Morgen und Geschirr für den Abend, streng auseinander gehalten.

24 Kilometer von Ramallah entfernt, 20 Kilometer vom Gazastreifen, 5 Kilometer von Syrien, 10 Meter von Jordanien, auf dem Tempelberg vor der Al-Aqsa-Moschee und auf den Golanhöhen gestanden.
An geschichtsträchtigen Orten zu sein, die ich bisher nur aus den Nachrichten kannte und zu denen ich nun eine Beziehung aufbaue und sie versuche zu verstehen.
Rosa blühende Pfirsichbäume, Rapsfelder, Mohnblumen und Olivenhaine auf den Golanhöhen. Unter mir der See Genezareth. Ein scheinbares Paradies, in dem sich Stacheldraht und Bunker verstecken.
Masada in unendlicher Wüste gelegen, oben auf dem Berg  im gleißenden Sonnenlicht.
Im Toten Meer baden.
Durch den persischen Garten zum Bahai-Tempel in Haifa spazieren.
Wandern auf dem Jesus-Trail.

Hunderte weißgewandete Christen, die sich in den schmutzigen Jordan stürzen, um sich dort wie Jesus taufen zu lassen.
Der Ruf des Muezzin über Jerusalem.
Kirchenglockengeläut.
Klezmermusik und fröhlich tanzende Juden, die zum Fest an die Klagemauer ziehen.
Jüdische Frauen mit Perücken und turbanähnlichen Kopfbedeckungen, verhüllt in züchtiger Kleidung.
Moslimische Frauen, verhüllt in schwarze Gewänder.
Große Holzkreuze, die man sich mieten kann, um damit die Via Dolorosa in Jerusalem zu beschreiten, wie Jesus.

Das österreichische ehemalige Hospiz, das mitten in Jerusalem liegt und so etwas wie ein Heimkommen bedeutet, heim zu Kaffee und Sachertorte und warmen Apfelstrudel.
Köstliches Essen in Israel und Palästina, so viele Salate, so viel Gemüse, so viel Obst und so viel Kuchen. Gewürze, die ich im arabischen Bazar und dem Mahane Yehudi-Markt kaufe.
Falafel – unser Highlight zum Mittagessen.
Ein wunderbares Picknick zwischen Olivenbäumen und Kakteen.

Schöne Gespräche und Wunscherfüllung-Freizeit  mit meinen neuen Freunden.

Emotionale Momente.
Im Olivenbaum-Garten stehen von F., der Palästinenserin, der an einer riesigen Betonmauer mit Stacheldraht abrupt endet. In dem wir einen kleinen Olivenbaum pflanzen, und dem wir wünschen, dass er niemals ausgerissen wird. Zur jüdischen Siedlung blicken, die hinter der Mauer liegt.
Yad Vashem. Der dunkle Saal mit den fünf Kerzen, die sich in den Spiegelwänden vervielfältigen und die unerträgliche Dimension des Holocausts und der vielen getöteten Kinder widerspiegelt.
Jüdische Kinder auf dem Dach spielend, hinter Stacheldraht, abgegrenzt vom arabischen Viertel.

Was bleibt, ist außerdem J. Er bleibt in Jerusalem im Krankenhaus. 15E, sein Platz im Flieger, bleibt leer.

Ende

01.04.2019

Logbuch Israel – Tag 11

Es ist 7.50h. Wir stehen im Gedränge und im strömenden Regen vor der Sicherheitskontrolle, die das jüdische Viertel vom Tempelberg trennt. Der Tempelberg ist das Heiligtum der muslimischen Welt, hier stehen die Al-Aqsa-Moschee und der Felsendom, dessen goldene Kuppel eines der prägnantesten Wahrzeichen von Jerusalem ist.

Wir müssen unsere Taschen ausleeren, Gebetsbücher und Kultgegenstände anderer Religionen dürfen nicht mit zum Tempelberg. Am Tempelberg brechen öfters Unruhen aus; Juden wurde das Zelebrieren von Schlachtopfern auf dem Tempelberg verboten, was Teil einer liturgischen Übung zum Bau des Dritten Tempels sein sollte. Auch hat man bereits die Pläne für den Bau sowie die Innenausstattung organisiert. Ein schwerer marmorner Grundstein für den neuen Tempel wurde bis zur Stadtmauer transportiert: den Grundstein wollte eine Gruppe fundamentalistischer Juden auf dem Tempelberg vergraben. Dass das von der arabischen Welt nicht geduldet wird, war vorhersehbar. Vorsorglich hat man den Felsendom Stück für Stück abfotografiert, um ihn im Ernstfall – eine Sprengung – wieder aufbauen zu können.

Während wir im Regen warten, zieht eine jüdische Familie an uns vorbei, lachend und tanzend, sie singen Hevenu Shalom Alechem und werden von Musikern begleitet. Die Gruppe ist auf dem Weg zur Klagemauer, wo sie heute Bar Mitzvah feiern werden.

Jeden Tag gibt es eine kleine Überraschung von der Reiseleitung: mal ist es frischer Granatapfelsaft, mal arabisches Sesambrot mit salzigem Sanar-Gewürz zum dippen, heute sollte es eigentlich das lang ersehnte Eis werden. Wir stehen mittlerweile vor der Klagemauer (enttäuschend auf der Seite, wo die Frauen hindürfen), nicht nur die Temperaturen sondern auch die Stimmung geht ihrem Tiefpunkt entgegen. Wann können wir zurück zum Bus? wird nicht nur ein Mal gefragt. Eis möchte niemand mehr. Die Reiseleiterin lädt uns in ein kleines Café ein, meine kalten Finger umschliessen die Kaffeetasse, die endlich etwas Wärme bringt. K. und ich teilen uns (mal wieder) ein sehr leckeres Stück Kuchen, das aus Paranüssen, Walnüssen und Schokolade besteht und warm aus dem Ofen kommt.
Ich habe Bedenken, mich zuhause auf die Waage zu stellen; meine Outdoor-Hose, die ich eigentlich für schlechtes Wetter dabei hatte, musste bereits unangezogen im Koffer bleiben, da weder der Knopf noch der Reissverschluss zugehen.

Auf einem Berg in der Nähe der Stadt gibt es ein letztes Glas Rotwein (ich verzichte), dann geht es Richtung Tel Aviv und zum Flughafen.

Der Flug von Tel Aviv nach München hat über 30 Minuten Verspätung, als wir landen, habe ich noch 10 Minuten bis zum Boarding der Anschlussmaschine nach Hamburg. Aus meiner Reisegruppe bin ich die Einzige aus Hamburg; ich spurte mit zwei jungen Israelis, die eine Reihe vor mir im Flieger gesessen haben, los. Ab und an treffen wir auf Flughafenpersonal, die Gate-Änderungen unseres Fluges hochhalten und hektisch in die eine und die andere Richtung zeigen. Wir passieren zwei (!) Ausweiskontrollen und eine Kontrolle fürs Handgepäck, ich laufe weiter und weiter, ich schwitze und bekomme kaum noch Luft. Am Gate ist niemand mehr zu sehen, aber das Lesegerät nimmt mein Ticket noch an, ich renne zum Flieger, geht der nach Hamburg? Ja, antwortet die Stewardess, dann lasse ich mich in Reihe 5 auf meinen Platz fallen. Ich bin am Ende.

Nach 10 Minuten erscheinen meine israelischen Sportskollegen, sie blicken mir anerkennend entgegen. First, rufe ich. Die Daumen gehen nach oben. Meine Stimmung auch. Als Belohnung für diese sportliche Höchstleistung bestelle ich ein halbes Glas Weisswein und esse die kleine Tüte mit den Chips.

Morgen geht es auf die Waage. Und auf den Isemarkt um Gemüse und Obst zu kaufen.

31.03.2019

Logbuch Israel – Tag 10

Sieben Grad. Es giesst in Strömen. Der Himmel liegt bleiern über dem großen steinernden Platz.

Wir gehen langsam durch den dunklen Gang, der nur von fünf Kerzen beleuchtet wird, die sich in zig tausenden Spiegeln vervielfältigen und dem Raum eine unglaubliche Dimension geben. Vom Band ertönen Namen. Drei Monate dauert es, bis alle 1,5 Millionen Namen, Alter und Herkunftsländer verlesen sind. Es sind die Namen von 1,5 Millionen jüdischen Kindern, die im Holocaust ermordet wurden.

Während ich durch das Flackern der Lichter gehe, streichen die Finger meiner rechten Hand über den kleinen Zweig eines Olivenbaumes, den ich gestern im Garten Gethsemane in die Jackentasche gesteckt habe. Ich bin froh, den Zweig in der Tasche zu haben. Es ist gut, sich an etwas festhalten zu können.

Heute besuchen wir Yad Vashem, Gedenkstätte für die Opfer des Holocausts. Ein weiterer emotionaler Moment dieser Reise.

Das Museum erspare ich mir, nach dem Gedenksaal für die Kinder gehe ich erstmal einen Tee trinken.

Auf dem Mahane-Yehuda-Markt kaufen wir Gewürze, Nüsse und Brot, danach ist Freizeit. A., S., K. und ich nehmen das Damaskustor in die Altstadt, wir schlendern nochmal durch das arabische Viertel und den Bazar, der abrupt endet und in den jüdischen Teil übergeht. Eine unsichtbare Grenze trennt das laute Treiben der überfüllten Stände mit Schals, Früchten, Schuhen, Gewürzen, Tees und Schüsseln von Kunsthandel und edlen Silbergeschäften auf der anderen Seite.

Nachdem K. dreimal erwähnt hat, dass sie zu gerne noch einen Apfelstrudel essen würde und wir alle einen guten Kaffee trinken möchten, landen wir wieder im österreichischen ehemaligen Hospiz. Das nächste Mal sollten wir zusammen nach Österreich fahren.

30.03.2019

Logbuch Israel – Tag 9

Könnt ihr mich alle hören? Wir gehen rechts rum, rechts! An der Absperrung (schschhhhhssshhrauschen) vorbei, rechts, die Treppe (schschschhhhhhhrauschen) hoch!!

Letzte Worte aus dem Audio-Guide, bevor die Verbindung zur Reiseleitung abbricht. Statt im Gedränge zwischen Tausenden Gläubigen zu versinken, mache ich am Eingang der Grabeskirche in Jerusalem kehrt und setze mich am Vorplatz auf die Stufen in die Sonne. Ich entdecke R., L. und K., die ebenfalls keine Lust auf die Menschenmassen haben. Jetzt einen Kaffee, sagt R. Und ein Stückchen Apfelstrudel, ergänze ich. Das hätte es im österreichischen ehemaligen Hospiz gegeben, aber wir durften nur auf die Dachterrasse und den Blick über Jerusalem bestaunen.

Wir warten. Punkt 14.45h – auf die Deutschen ist Verlass – kommt der Rest der Gruppe aus der Grabeskirche. Endlich frei, das erste Mal seit Beginn der Reise! Die freie Zeit verbringe ich mit A., K. und S., wir haben jeder einen Wunsch frei. Ich wünsche mir den Apfelstrudel in Österreich, wir kämpfen uns zurück durch die Menschenmassen und den Bazar des arabischen Viertels.

Bei Strudel, Caffe Latte und Sachertorte überlegen sich die anderen Drei, was sie sich wünschen könnten. Shopping! Wir werfen uns wieder ins Getümmel des Bazars und kaufen Schälchen, Schals, Gewürze und geschnitzte Kamele. Endlich sich im eigenen Tempo treiben lassen, das mag ich ja gern.

Ausserdem mag ich K., A. und S. sehr gern, die sich auch für gesunde Ernährung begeistern und sogar fasten. Da jetzt aber Urlaub ist, teilen wir uns am Abend zu Dritt 15 verschiedene Kuchen und Desserts.

Am Vormittag waren wir im Übrigen in mindestens fünf weiteren Kirchen (in einer haben wir gesungen…) und auf dem Ölberg sowie gestern in Bethlehem in der Geburtskirche, damit ist mein Bedarf an Kirchenbesuchen für dieses Jahr gedeckt.

Was sonst noch? Bei der etwas ambitionierten Wanderung über glitschige Felsen gab es einen Kollektivsturz der Luxemburger, zum Glück nur ein paar Schrammen. Und J.? Der liegt noch im Krankenhaus, nachdem die Ärzte eine Lungenentzündung diagnostiziert haben.

29.03.2019

Logbuch Israel – Tag 8

Die Nachbarn riefen, da sind Soldaten und Bagger in eurem Garten! Wir trommelten unsere Familie und Freunde zusammen und rannten los.

Die Olivenbäume müssen weg, sagen die Soldaten. Hier kommt eine Mauer hin.

Wisst ihr, wie lange es dauert, bis ein Olivenbaum Früchte trägt? Eine Generation! Die Bäume sind mit uns gewachsen!

Wir stellen uns schützend vor unsere Bäume. Ich erkenne einen der Baggerfahrer. Warum tust du das? schreie ich.

Weil ich meine Kinder ernähren muss. Wenn ich es nicht mache, holen die Israelis jemand anderen. Es tut mir leid.

Wir weinen, als die Bagger unsere Bäume ausreissen.

F., palästinensischer Tourguide im Westjordanland

Heute nimmt uns F. mit zu sich nach Hause. Wir essen dort, sie erzählt uns ihre Geschichte, wir lernen die andere Seite kennen. Wir fahren zu dem übriggebliebenen Garten. Er grenzt an eine hohe Betonmauer mit Stacheldraht. Hinter der Mauer liegt eine jüdische Siedlung.

Heute pflanzen wir einen neuen Olivenbaum in ihrem Garten. Und wünschen ihm, dass er niemals ausgerissen wird.

28.03.2019

Logbuch Israel – Tag 7

Wenn ich im Beduinensupermarkt für eine Banane, zwei Schokoriegel (Rex und Pokemix) sowie eine Haarbürste 10 Schekel (Euro 2,50) zahle.

Wenn ich nach sieben Tagen endlich wieder eine Bürste habe (im Gepäck hatte ich nur einen zusammenklappbaren Kamm von einer Airline).

Wenn wir bereits um 9.00h die erste Ausgrabungsstätte in Tel Arad besichtigen. Das Wetter spielt mit.

Wenn wir aus Sicherheitsgründen Umwege fahren. Der Gazastreifen liegt 20 Kilometer von uns entfernt. Die Straße über Hebron ist unsicher.

Wenn wir mittags in die Höhlen von Bet Guvrin-Maresha hinabsteigen.

Wenn wir durch Wiesen und Felder wandern.

Wenn wir zwischen Olivenbäumen und Kakteen ein Picknick ausbreiten. Mit Tischdecke.

Wenn wir ein Weingut besuchen und israelische Weine verköstigen.

Wenn wir J. ins Krankenhaus in die Notaufnahme bringen müssen. Seit gestern hat er Husten, Fieber und kann nicht mehr schlucken. Der 85-jährige trinkt nicht und ist schwach. Die Ärzte unter den Mitreisenden kümmern sich gut um ihn und raten abends an, ihn ins Krankenhaus zu bringen. N., unser local guide, bleibt bei ihm.

Wenn wir beim Abendessen festellen, dass ich im Hotel eine Suite mit Blick auf Jerusalems Altstadt bekommen habe, während meine Mitreisenden auf Garagendächer schauen und gelbe Badezimmertüren haben.

Wenn sich die andere Reisegruppe im Hotel an die falschen Tische setzt, die schon für’s Frühstück vorbereitet wurden und die Kellner panisch das Geschirr wegräumen. Ein koscheres Hotel muss für die Mahlzeiten unterschiedliches Geschirr haben. Auf Geschirr, auf denen Milchspeisen lagen, darf kein Fleisch aufgefüllt werden und umgekehrt. Morgens gibt es Milchprodukte. Und abends gibt es Fleisch.

Wenn ich die Abendtour ausfallen lasse, um mal für mich zu sein und mich in die Bar setze. Ich muss die ganzen Eindrücke sortieren. Die Reise ist intensiv. Und eine der schönsten, die ich bisher gemacht habe.